Wie ein Havelländer zum Rückgang der Kindersterblichkeit beiträgt
Bolle - Der fromme "Milchkönig"
von Gabriele Matthies
Die Jugendherberge in Milow kennen viele auch über die Grenzen des Havellandes hinaus. Daß Carl Bolle die schöne Villa bauen ließ, ist ebenfalls bekannt.
Aber wer war eigentlich Carl Bolle?
Im Sommer 2000 erschien das Buch "Bimmel-Bolle - Ein christlicher Unternehmer in Berlin". Das Buch bringt einen der ungewöhnlichsten Unternehmer um die Jahrhundertwende (1890-1910) in Erinnerung. Sein soziales und missionarisches Engagement wirkt heute geradezu fantastisch. Denn welcher Unternehmer bezahlt schon drei Pfarrer und drei Diakonisten für seine 2.000 Arbeiter und baut für sie Kapellen?
Mit diesem Artikel soll an ein Kind des Havellandes erinnert und seinen Spuren nachgegangen werden. Daß Carl Julius Bolle einmal als "Milchkönig" zum Rückgang der Kindersterblichkeit in Berlin beiträgt, wurde ihm nicht in die Wiege gelegt, als er am 1. September 1832 in Milow geboren wird. Als er vier Jahre alt ist, ertrinkt sein Vater in der Havel. Seine Mutter stirbt kurz danach. Carl und seine Geschwister sind nun auf sich allein gestellt. Auf der Kegelbahn in der Gastwirtschaft seines Onkels in Milow verdient er sich als Kind etwas. Die Milower Dorfschule besteht aus einer einzigen Klasse, in der 140 Jungen und Mädchen unterrichtet werden. Mit 14 geht er nach Brandenburg auf die Realschule und später aufs Gymnasium. Doch er scheitert.
Nach kurzer Zeit verläßt er die Schule und erlernt in Rathenow das Maurerhandwerk, da ihm die praktische Arbeit mehr liegt. Über diese Zeit schreibt er: "Ich mußte von morgens früh 5 Uhr bis abends 8 Uhr und auch noch länger arbeiten in Hitze und Kälte, bei Regen und Wind...". Als Maurergeselle verdient er 1,25 Mark pro Tag.
Gegen den Willen seines Vormundes, des älteren Bruders, erfüllt er sich der inzwischen 18jährige einen lang ersehnten Wunsch und tritt eine Wanderschaft an - von Berlin durch Sachsen und Böhmen über Prag nach Wien. Mit einem Frachtdampfer fährt er weiter donauabwärts und findet in Budapest Arbeit. Hier erkrankt er schwer. Mit Mühe gelangt er zurück in die Heimat zu seiner Schwester in Rathenow, die ihn gesund pflegt. ..."
Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 2003.
Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier
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