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Es ist alles Ansichtssache!

von Günter Thonke (1998)

Im Jahre 1889 gab es die erste Ansichtskarte der Stadt. Sie erschien im Verlag des Max Babenzien und zeigte den Blick von der DampPostkarte mit Kirchturmfmühle auf das Bellevue (Kino), Haveltor und den Kirchturm. Eine zweite Karte vom selbigen Verlag zeigt den Paradeplatz mit dem Kurfürstendenkmal. Über die Meriansche Ansicht der Stadt und einer Gesamtansicht von 1880 setzte sich die Reihe fort.
Der Sohn Friedrich-Franz Babenzien besaß 1945 die größte Sammlung von 1650 Exemplaren Rathenower Postkarten, die 1945 ein Opfer der Flammen wurden. Der Verlag Rensch brachte um 1900 die markantesten Ansichten Rathenows, wie das Proviantamt, das 1891 durch Blitzschlag eingeäschert worden war, das Altstädtische Rathaus, noch mit Turm und das Berliner Tor mit den Krähen, wie vom Volksmund die Adler genannt wurden. Die Denkmale dienten als Postkartenmotiv, so J.H.A. Duncker, der wegen seines mehrfachen Standortwechsels auch der “Wanderer“ genannt wurde.
Den Kaiser Wilhelm vor dem Kreishaus mit einem Feldstecher in der Hand ökelte man als „Reisenden in Sachen Optik!“
Seit 1881 gab es einen Verlag von Johann Lindenberg, der sich ab 1895 ganz mit Postkarten befaßte. Der Sohn Georg hatte dann eine glückliche Hand, seine Vaterstadt in all ihrer Schönheit zu zeigen und noch nach 1945 wurden so Erinnerungen noch wachgehalten. Um den Platz vor dem neu erbauten Kreishaus (1895) bewässern zu können und da es noch keine zentrale Wasserleitung gab, kam den Stadtvätern die Idee, den nötigen Druck durch einen Hochbehälter auf einem Eisengerüst, das an der Einmündung zur Bahnhofstrasse stand, zu erzeugen. Böse Zungen nannten ihn „Magistrats-Mustopf“ und andere den „Nachttopf von Rathenow“.
Als ein Wahrzeichen der Zeit wurde er in den Liedern ohne Worte besungen: Augen gelenkt, Blumen gesprengt, - Durstige getränkt, Seelen versengt! Die Menschen hatten schon zu allen Zeiten, den guten und den bösen, den Schalk im Nacken gehabt.
Nur hatte man nach 1945 andere Sorgen gehabt, ehe sich mit einem beginnenden Aufbau die Blicke für neue Ansichtskarten öffneten. Die Alten geistern noch oft in ihrer Vergangenheit, ergötzen sich an den Bildern aus der Jugendzeit. Vieles war einmal und nichts ist ewig auf Erden, aber alles ist im stetigen Wandel und durch Farbe, neue Einfälle, selbst durch Abrisse kommt es zu neuen Ansichten und Blickachsen, auch wenn alte und vertraute Bäume weichen müssen.

Redaktionell bearbeitet am 09.11.07 von Robby Schmalz

 


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