Hochwasser an der Havel
von Albrecht Brommauer †
Als im August 2002 starke Niederschläge in den Elbezuläufen in Sachsen und in Tschechien das "Jahrhunderthochwasser" der Elbe auslösten, hatte dies auch Auswirkungen auf die untere Havelniederung.
Das Hochwasser der Elbe drohte die Deiche unterhalb der Havelmündung bei Wittenberge/Prignitz zu überfluten und zu durchbrechen.
Durch die Öffnung des Havelwehrs bei Quitzöbel konnte ein Teil des Elbehochwassers auf Rückhalteflächen der unteren Havelniederung abgeleitet werden. Dadurch wurden die Elbdeiche bei Wittenberge entlastet, und die Prignitz kam beim Hochwasser glimpflich davon. Hochwasser ist an der unteren Havel schon aus früheren Jahrhunderten bekannt. Weil die Flächen an der unteren Havel niedriger als der Elbelauf liegen und es rechts der Elbe zwischen Magdeburg und Havelberg mehrere Nebenarme gab, die Verbindung mit der Havel hatten, staute sich in den Niederungen das Wasser. Der Havellauf von Pritzerbe bis Havelberg, die Stremme bei Milow und der Königsgraben bei Böhne gehörten zu diesen Elbenebenarmen.
Mit der Besiedlung durch deutsche Kolonisten im 12. Jahrhundert wurden an besonders gefährdeten Stellen der Elbe Deiche als Schutz gegen häufiges Hochwasser aufgeschüttet. Mit diesen Deichbauten wurden auch die Zuflüsse der Elbenebenarme zur Havel abgeschnitten.
Aber bei Deichbrüchen strömte das Wasser in die Niederungen der unteren Havel und führte zu Überschwemmungen. Zum Erhalt wurden später Deichverbände gebildet. Rathenow und das Havelland gehörten zum Deichverband von Jerichow. Die beteiligten Dörfer hatten Beitragszahlungen zu leisten und Deichbauarbeiten an bestimmten Abschnitten mit Hand- und Spanndiensten (Transport) durchzuführen. Welche Bedeutung die Deiche hatten, geht aus Strafandrohungen des Deichgerichtes Ploote-Altenplathow Anfang des 15. Jahrhunderts für Beschädigungen der Schutzanlagen hervor. Häufig waren es schneereiche Winter in den Einzugsgebieten der Spree, der oberen Havel, der Saale und der Elbe, die im Frühjahr an der unteren Havel zu Hochwasser führten. Hochwasser in der Elbe verhinderte den Abfluß aus der Havel.
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Frühjahrshochwasser bei Schollene
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In kurzer Zeit waren große Teile der Havelniederung überflutet.
Die Dörfer bei Rhinow wurden für Wochen zu Wasserdörfern und waren nur mit dem Kahn zu erreichen. Aber auch Sommerhochwasser, hervorgerufen durch starke Regenfälle, führten zu großen Schäden in der Landwirtschaft. Hochwasser im Frühjahr war für die Havelniederung nichts Besonderes, wenn es nur rechtzeitig ablief. Darum finden wir in Chroniken nur extreme Hochwasserereignisse verzeichnet. Die größte Hochwasserkatastrophe ereignete sich in Deutschland vom 19.-21. Juli 1342.
Alle Flüsse zwischen Oder und Donau traten durch ergiebige Regenfälle über die Ufer. Ackerböden wurden flächendeckend um teilweise 0,50 m abgeschwemmt und so die gesamte Ernte vernichtet. ..."

Hochwasser bei Strodehne
Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 2004.
Der beitrag wurde mit Gestattung des Rathenower Heimatbundes e.V. daraus übernommen
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