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Das Kurfürstendenkmal
- bedeutendstes barockes Sandsteindenkmal Norddeutschlands

 von Martina Bleis

Das Kurfürstendenkmal ist weit über die Grenzen der Stadt Rathenow bekannt, da es sich dabei um das größte und bedeutendste barocke Sandsteindenkmal Norddeutschlands handelt.

Anlass für die Errichtung dieses außergewöhnlichen Denkmals war ein geschichtliches Ereignis aus dem 17. Jahrhundert, das die Entwicklung der Stadt auch in den folgenden Jahrhunderten noch beeinflussen sollte. In dieser Zeit wurden in Europa ständig Kriege geführt. So hatten sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Frankreich und Schweden gegen die deutschen Länder verbündet und französische Truppen griffen unter Ludwig XIV. Deutschland und die Niederlande an. Aufgrund dessen beteiligte sich auch Kurfürst Friedrich Wilhelm I., Landesherr der Mark Brandenburg, mit 20.000 Mann an den Kämpfen am Rhein gegen den Erbfeind aus dem Westen. Da zu Beginn des Jahres 1675 die brandenburgische Armee noch im Südwesten des Landes kämpfte, war es ein Leichtes für die Schweden in die Mark Brandenburg von Norden aus, aus dem damals schwedischen Pommern, einzudringen und diese zu besetzen. Die Stadt Rathenow selbst sowie die Städte Brandenburg und Havelberg wurden Anfang Juni desselben Jahres von schwedischen Truppen eingenommen. Daraufhin machte sich der Große Kurfürst im Eilmarsch mit seinen Truppen auf den Weg in Richtung Heimat, um die Schweden von seinem Land zu vertreiben. Der große Befreiungsschlag begann mit dem Überraschungsangriff und der Vernichtung der schwedischen Einheiten Ende Juni in Rathenow, wobei die entscheidende Schlacht wenig später bei Fehrbellin ausgefochten wurde.

Da die BevölkerKurfürstendenkmalung sehr unter den schwedischen Besetzern gelitten hatte, galt Kurfürst Friedrich Wilhelm I. als der große Befreier, der die Eindringlinge besiegte und verjagte. Ihm zu Ehren wollten die kurmärkischen Stände ein gewaltiges Monument stiften und beauftragten 1736 den Berliner Bildhauer Bartholomé Damart ein Modell anzufertigen. Die Ausführung jedoch erfolgte durch den Hauptmeister der Berliner Bildhauerkunst Johann Georg Glume d. Ä. (1679-1765). Dieser arbeitete von 1736 bis 1738 daran, das vorgegebene Motiv in Pirnaer Sandstein zu hauen. So entstand eine Standfigur des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. in der Tracht eines römischen Imperators. Diese steht auf einem Sockel, an deren Ecken vier gefesselte Sklavenfiguren sitzen, welche die Schweden symbolisieren sollen. Die Haltung und Mimik der 4 Männer drücken auf unterschiedlichste Weise Wut und Schmerz aus. Zwischen diesen Figuren arbeitete Glume Flachreliefs ein, die verschiedene Schlachtszenen aus der Regierungszeit des Großen Kurfürsten widerspiegeln. Dargestellt werden die Schlacht bei Warschau 1656, das Massacre in Rathenow 1675 und die Schlachten bei Fehrbellin 1675 und Stralsund 1678. Zudem ist über jedem Relief eine ausführlichere Inschrift eingemeißelt, die den Großen Kurfürsten, ihren Helden, charakterisieren. Die Kosten für dieses Ehrenmal betrugen über 22.000 Reichstaler und wurden von der kurmärkischen Ritterschaft getragen.

Das ca. 9 Meter hohe Denkmal, welches auch eine Inschrift des Bildhauers trägt („Joh. Ge. Glume fecit 1736“), wurde 1738 zum 50. Todestag des Großen Kurfürsten auf dem damaligen Paradeplatz, heute Schleusenplatz, in der barocken Neustadt feierlich eingeweiht. Dieser Standort wurde ausgewählt, da es sich zum einen um einen schönen und geräumigen Platz handelt und zum anderen ist er nur einige 100 Meter von der Stelle entfernt, wo die ersten brandenburgischen Soldaten in die Stadt eindrangen. Seither bildet das Denkmal mit den 1735 errichteten Barockhäusern und dem im neugotischen Stil erbauten Schleusenwärterhaus ein interessantes historisch wertvolles Ensemble.

Aufgrund der Witterungseinflüsse wurde der weiche Sandstein teilweise zersetzt und so war es bereits im 19. Jahrhundert erforderlich zahlreiche Restaurierungen durchzuführen. Das Denkmal wKurfürstenenkmalurde mehrmals mit Ölfarbe bestrichen und einzelne Stellen mit Zement und Gips ausgebessert, woraus sich verheerende Folgen für Steinsubstanz ergaben. Es traten dadurch Reaktionen auf, die zur teilweisen Zerstörung des Sandsteines führten. Als man dieses erkannte, wurde 1895 die Ölfarbe entfernt und erste fehlende Teile ersetzt. Eine umfassende Restaurierung wurde in den Jahren 1928 – 1930 durchgeführt, wobei die 4 Sandsteinreliefs und ein Sklave erneuert wurden. Den 2. Weltkrieg überstand das Kurfürstendenkmal erstaunlicher Weise fast unversehrt, abgesehen von einigen kleinen Beschädigungen durch Granatsplitter. Was der Krieg glücklicherweise nicht geschafft hatte, erledigten in den folgenden Jahrzehnten die unterschiedlichsten Umwelteinflüsse, der Zahn der Zeit und zerstörungswütige Menschen, so dass Mitte der 80er Jahre unter Obhut des Institutes für Denkmalpflege in Berlin erneut Steinrestauratoren Sanierungsarbeiten an der zum Teil stark beschädigten Steinsubstanz des Denkmals durchführten. Weitere 10 Jahre später wurde der Schleusenplatz nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten neu gestaltet, sowie die den Platz dominierende Sandstein-Großplastik erneut restauriert. In dieser Zeit wurden auch die den Platz umgebenden 2-geschossigen Barockhäuser saniert, wodurch dieses Wahrzeichen der Stadt wieder einen würdigen Rahmen erhielt.

Literatur:
1) Bleis, Wolfram (2000): Vor 325 Jahren - Dienstag 15. Juni 1675 - das „Massacre in Rathenow“; Rathenower Heimatkalender
2) Sachs, Hannelore (1984): Ein Denkmal der Barockbildhauerkunst wird restauriert; Rathenower Heimatkalender 
3) Wagener, S.C. (1803): Denkwürdigkeiten der churmärkischen Stadt Rathenow; Berlin

Redaktionell bearbeitet am 09.11.07 von Robby Schmalz

 


  Kommentare

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Kommentar:2
von:Günter Thonke
am:12.03.2005
um:15:54:43
Kommentar:Dazu soll die Absicht bestanden haben, aber ein kluger Kopf der damaligen Behörde in Potsdam soll eine Umgestaltung in einen Neptunbrunnen empfolen haben. Ehe dies ausdiskutiert worden war ist den Bilderstürmern die Luft ausgegangen und dieser gute Mann mit der S-Bahn nach Westberlin gefahren (?). Die Ansichten hatten sich wohl gewandelt gehabt, die Sicht zur positiven und negativen Sicht der Geschichte fließt und floß zu allen Zeiten, Fundamentalisten, Spinner und die schweigende oder Laut gebende Mehrheit ist immer auf dem Markt ! Das weiß ich nur vom Hörensagen, aber der Große steht, zeitweise wurden den Gefangenen die Ketten abgenommen, und schaut nach Fehrbellin. Hier aber in Rathenow schloß sich der Kreis über Brandenburg nach Preußen ins zweite Kaiserreich und einem Auslaufmodell des Dutzendreiches. Ausbaden mußten und müssen es aber immer die Menschen. Mögen uns Denkmale eine Mahnung sein und bleiben, damit friedliche Zeiten das Wirken haben.

Kommentar:1
von:Hans- Jürgen Wodtke
am:02.03.2005
um:14:23:45
Kommentar:Gibt es Hinweise warum das Denkmal nach dem Kriege nicht zertstört wurde?

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