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Tiefgreifende landwirtschaftliche Veränderungen unserer Gegend -
Friedrich II. im Ländchen Rhinow

aus der Festschrift „Stadt Rhinow – 775 Jahre Rhinow“

Die gerichtlichen Auseinandersetzungen im 17.-19. Jahrhundert zwischen den Bürgern der Stadt und den Familien von der Hagen zu Rhinow und Stölln hatten hauptsächlich Waldnutzung und -besitz zum Inhalt. Für uns ist es kaum vorstellbar, dass noch im Jahre 1820 die Waldungen in unserem Ländchen so groß, dicht und ausgedehnt waren, dass sich ein entsprungener Einbrecher in der „Großen Heide", die sich jenseits der Berge zwischen Rhinow, Elslaake, Witzke und Schönholz erstreckte, längere Zeit verbergen konnte und die Gegend unsicher machte, bis er wieder eingefangen wurde. Um Rhinow gab es noch in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts so große Wälder, wie im Kirchenbuch vermerkt, dass es nicht leicht war, die Wege nach Witzke und selbst nach Schönholz zu finden. Eine Veränderung dieser Landschaft begann schon in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts und hatte eine Änderung des landwirtschaftlichen Charakters der näheren und weiteren Umgebung unserer Stadt zur Folge.
Was waren die Gründe dafür - Was war geschehen?
Der preußische König Friedrich II. hatte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts den Befehl erteilt, das Luch und alle Niederungen am Rhin zu entwässern und Kolonien anzulegen. Bis 1775 waren in der näheren Umgebung von Rhinow schon sieben Kolonien entstanden. Hier lebten 133 Familien, die aus der Pfalz und Holland zugezogen waren. Am 23.7.1779 reiste Friedrich II., im Volksmund wurde er auch später der „Alte Fritz" genannt, durch das Ländchen Rhinow, um sich von der Ausführung seines Befehls zu informieren. Auf seiner Reise kam er auch durch unsere Gegend. Der König hielt hier und bestieg den Gollenberg bei Stölln. Sein Urteil lautete: „Das ist wahr, das ist wider meine Erwartung! Das ist schön. Ich muss Euch das sagen, alle, die Ihr daran gearbeitet habt! Ihr seid ehrliche Leute gewesen! (Wanderungen durch die Mark Brandenburg Th. Fontane S. 195)
Damals verfügte er, dass die Kolonien zu Neuwerder zusätzlich gebaut werden sollten. In dieser Gegend gab es zu der Zeit ausgedehnte Erlenbrüche, die nur als spärliche Viehweiden genutzt wurden. Als dem König gesagt wurde, dass die „Eisbrüche" den Herren von der Hagen zu Rhinow und Stölln gehörten, soll er erwidert haben, dass man dann die Besitzer zu ihrem eigenen Vorteil zwingen müsse, diese Ländereien nutzbar zu machen. Auf königliche Verordnung wurden hierauf weitere 15 Kolonistenstellen gegründet, von welchen jede 50 Morgen Ländereien erhielt. Jeder Kolonist musste eine Abgabe von 20 Talern als jährlichen „Canon" (Maßstab) an den Grundherren zahlen. Bei der Errichtung der Kolonistenstellen wurden auch Grundstücke des Grafen von Bredow auf Kleßen separiert. Daher gehörten danach 2 Kolonistenstellen nach Rhinow, 3 nach Stölln und 10 Stellen nach Kleßen. Für die Kinder von diesen Kolonisten entstand für unsere heutige Auffassung eine untragbare Situation. Sie mussten für lange Zeit, die unter königlichem Patronat stehende Schule in Giesenhorst besuchen. Erst im Jahre 1812 wurde in Stölln, 1869 in Kietz eine Schule gebaut. Im Jahre 1881 wurde der Gemeinde Neuwerder die Pflicht auferlegt, zusammen mit Schönholz und Ohnewitz eine Schule mit eigenem Lehrer zu errichten. Bis 1812 bzw. 1869 wurden die Kinder aus Stölln und Kietz in Rhinow beschult. 1881 unterrichteten 3 Lehrer in Rhinow, einer in Stölln und einer in Kietz.
Auf Befehl des Königs sollte auch die Niederung am Rhin möglichst entwässert werden. Nach 1773 wurde die Mühle in Kietz abgetragen. Nach Aussage des schon erwähnten Kirchenbuches soll hier der Standort der Mühlenburg zu suchen sein, da man bei den Arbeiten und auch später noch altertümliche Münzen, ein Schwert, Lanzenspitzen, Fundamentreste und Scherben gefunden habe. Die Familie von Hagen war Besitzer dieser Mühle und des Mahlzwanges für die umliegenden Ortschaften. Aus der Entschädigung des Mühlenabrisses ließ sie eine Windmühle errichten, die in Pacht vergeben wurde. Eine letzte, aber nicht unbedeutende Folge aus dem Befehl zur Entwässerung und die damit verbundene landschaftliche Veränderung unserer Gegend war, dass es nun möglich wurde, die Wälder abzuholzen und in Ackerland umzuwandeln.
Dieses geschah auch. Da der Boden aber nicht besonders ertragreich war, blieb auch weiterhin die Milchwirtschaft bei uns dominierend. Die angestrebten Ziele der Entwässerung des Rhinluches wurden nicht erreicht.
Noch Jahrhunderte war das Hochwasser im Frühjahr und im Herbst eine Geißel der Landwirtschaft in unserer Gegend, wie die Aufzeichnungen in den Chroniken der Luchorte beweisen.
Denn: „Kam zuviel, konnten Wiesen, Weiden und Felder oft wochenlang nicht genutzt werden, oder die Ernten wurden vernichtet. Blieb das Wasser aus, kamen trockene Jahre, dann gab es Misserfolge bei der Gras- und Heuernte und bei der Feldfruchternte. Was mit der Urbarmachung des Dossebruches begonnen wurde, was im Laufe der zwei Jahrhunderte im Kampf mit dem Wasser verteidigt wurde, was durch fleißige Arbeit der Menschen erworben und geschaffen wurde...", (Festrede 200 Jahre Großderschau) fand beim Havel-Rhinluch-Projekt bis Ende der siebziger Jahre durch umfangreiche Meliorationsarbeiten eine positive Veränderung.
Was Friedrich der Große und vorher in Anfängen sein Vater Friedrich Wilhelm I. begonnen hatten, wirkt noch bis in unsere Gegenwart nach.

Dieser Artikel wurde in der Festschrift „Stadt Rhinow – 775 Jahre Rhinow“ veröffentlicht und daraus übernommen.

Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier 


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