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Schloß und Park Nennhausen

von Wolfram Bleis

Ein bedeutendes Denkmal der Architektur und Landschaftsgestaltung in unserem Kreis ist das ehemalige Schloss mit dem angrenzenden Park Nennhausen, einer Gemeinde im östlichen Teil des Kreises Rathenow. Dabei wurde das Schlossgebäude selbst in die denkmalpflegerische Kategorie II - bezirkliche Bedeutung - eingestuft, während der Park der Kategorie III - kreisliche Bedeutung - zugeordnet wurde. Das Schloss präsentiert sich uns heute als ein zweigeschossiges Gebäude mit L-förmigem Grundriss, abgesehen von einigen nicht dem Charakter des Gesamtensembles angepassten Anbauten auf der Rückseite. Obwohl der Baubeginn im Jahre 1735 erfolgte, beginnt die eigentliche Geschichte des Gebäudes im Jahre 1686, als das Gut Nennhausen vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm, bekannt als der "Große Kurfürst", der Familie von Briest zugesprochen wurde. Das damalige Oberhaupt der Familie hatte sich als ein angeblich besonders zuverlässiger und tüchtiger Anhänger des Kurfürsten erwiesen, was eine derartige Belohnung rechtfertigte. Er hatte als Landrat ebenfalls einen nicht unerheblichen Anteil am Sieg der brandenburgischen Truppen über die schwedische Garnison 1675 in Rathenow. Einer seiner Nachfolger, Christoph von Briest, der das Gut 1719 übernommen hatte, war ein Freund des Königs Friedrich Wilhelms I., der sich auch öfter in Nennhausen aufhielt. Bei diesen Besuchen stellte sich heraus, dass das bestehende relativ bescheidene Gutshaus, ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude, kaum den "königlichen" Ansprüchen genügen konnte. So wurde schließlich 1735 mit dem Neubau eines großzügigeren Gebäudes begonnen, das 1737 vollendet wurde. Es entstand eine dreiflügelige Anlage im barocken Stil mit einem Doppelwalmdach, umgeben von einem Park im gleichen Stil, an der in den nächsten 100 Jahren keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen wurden. Erst 1840, inzwischen gehörte das Gut einer Familie von Rochow, wurde der baufällige Nordflügel abgetragen. Nach einem 1859 erfolgten abermaligen Besitzerwechsel, erfolgte 1860 der Umbau des West- und Südflügels in neugotischem Stil. Diese Umgestaltung wurde nach den Plänen des damaligen Hofbaumeisters Ferdinand von Arnim, eines bedeutenden Architekten und Zeichners, ausgeführt. Arnim stand in der Tradition der Romantik, deren Ausdruck in der Architektur die vornehmliche Verwendung von nachempfundenen "gotischen" Elementen war, gotische Elemente vor allem deshalb, weil die Gotik als Nationalstil eines deutschen Einheitsstaates (des mittelalterlichen Kaiserreiches) angesehen und in bewussten Gegensatz zu den italienisch oder französisch orientierten Stilformen vergangener Epochen gesetzt wurde. Der romantisch-gotisierenden Umgestaltung waren jedoch auch Grenzen gesetzt, vermutlich vornehmlich finanzieller Art. So wurden lediglich die Schauseiten der beiden Gebäudeflügel mit gotischen Fassaden versehen, die sich jedoch hauptsächlich auf die Giebel, das Obergeschoß und den Traufenbereich erstrecken, die Gestaltung des Erdgeschosses wurde im wesentlichen beibehalten, das ermöglichte sogar die Einbeziehung des barocken Familienwappens über dem Eingangsportal. Im Inneren wurde die Raumaufteilung ebenfalls nur unwesentlich geändert. Die Umgestaltung wirkt hier durch einige bemerkenswerte Details wie Kaminaufsätze und Türstürze mit Stuckdekoration.
Vermutlich um dem gotischen Charakter noch einen Anschein von Originalität zu geben, wurde im Zuge des Umbaus in der Eingangshalle der Grabstein des Hildesheimer Domherrn Kanonikus Andreas von Lochow, gest. 1550, angebracht, der sich vorher in der Kirche befunden hatte. Nach 1945 wurde das Gebäude Schritt für Schritt einer neuen Nutzung zugeführt und dementsprechend im Inneren verändert. So befinden sich heute dort der Rat der Gemeinde, eine Zweigstelle der Sparkasse, die Bibliothek und der Kindergarten. Der "Saal" im ersten Stockwerk wird als Standesamt genutzt. Der Volksmund bezeichnet diesen Raum darum als Heiratszimmer. Das Gebäude repräsentiert in seinem heutigen Zustand das Ergebnis einer fast 250jährigen historischen Entwicklung, deren einzelne Etappen ihre deutlichen Spuren hinterlassen haben, es ist aber auch ein gelungenes Beispiel für die Einheit von Denkmalpflege und sinnvoller Nutzung in unserer sozialistischen Gesellschaft.

Literatur:

- Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR Bezirk Potsdam Berlin 1978 Seite 409 
- Eichholz, P., Spatz. W. Die Kunstdenkmäler des Kreises Westhavelland Berlin 1903 Seite 103 
- Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil III Havelland Weimar 1972 
- Behr, A. Karl Friedrich Schinkel in Urania 2/81 Leipzig 1981

Dieser Artikel wurde im Rathenower Heimatkalender 1982, Seite 56-58, veröffentlicht und wurde auch daraus übernommen.

Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier


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