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Die Garnisonsstadt Rathenow

von Günter Thonke (1997)

Nach dem bekannten Überfall des Großen Kurfürsten auf Rathenow, der der Schlacht von Fehrbellin vorausgegangen war, verRote Armeelegte er, nachdem die Schweden aus dem Lande getrieben waren, im Jahre 1675 seine Kompanie des Leibregimentes zu Pferde in die Stadt. Diese Truppe wurde später von Dragonern abgelöst. Von 1714 an lag in Rathenow eine Eskadron des Regimentes Gens`darmes, des vornehmsten Regimentes des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm, hier im Quartier. Ihr folgte bis zum Befreiungskrieg 1806 ein Teil des Leib-Karabiniere-Regimentes. Nach der Reorganisation der Armee im Jahre 1808 war die Stadt Garnison von 2 Schwadronen des 6. Kürassier-Regimentes, die aber nach dem Angriff von Rathenower Bürgern bei den Unruhen des Jahres 1848 nach Brandenburg verlegt wurden.
Die Brandenburgischen Husaren kamen mit dem Stab und zwei Schwadronen 1851, die dritte kam 1860 aus Nauen dazu, während die vierte nach Friesack gelegt worden war, da Rathenow noch keine Kasernen besaß und die Truppen noch in Bürgerquartieren lag. Als der König die Neustadt von Rathenow hatte bauen lassen, um damals seinen Karabinieres bequemes Quartier zu beschaffen, befahl er, dass sKraftfahrerkaserneeine Soldaten nur einen Raum bewohnen sollten, der zur Strasse hinausging. Daher wurden Stübchen im Dachgeschoss eingerichtet, in die die Wirte ihre militärischen Hausgenossen legten, die zu zweien oder dreien ihnen zugewiesen worden waren. Die Pferde standen verteilt in den Querstrassen und Hintergebäuden. Exerziert wurde auf den Plätzen der Stadt, wie dem Zietenplatz, dem Bauplatz in der Fabrikenstraße, dem Paradeplatz, dem Marktplatz und dem Platz bei den Montierkammern am Friedhof. Die Retraite war um 9 Uhr das Signal, wo sich jeder Husar in das Quartier zu begeben hatte. Wie dies kontrolliert wurde ist schwer zu sagen und erst gut möglich geworden, als die Kasernen in der Bahnhofsstrasse 1891 bezogen wurden. Die Kriege 1864, 1866 und 1870/71 hatten das Regiment zuvor im Felde gesehen, das Brandenburgisch-Husaren-Regiment No. 3, die Zietenschen Husaren. Die lange Friedensperiode bis 1914 glänzten die Zietenhusaren durch sportliche Leistungen ihrer Kommandeure und Offiziere in den Göttliner und Stöllnerbergen, sowie bei Rennen am Vogelgesang und dem Wolzensee. DZietenhusarenas Offizierscasino vis a vis dem Kreishaus wurde 1911 bezogen. 1913 wurde Rathenow zur kleinen Residenz, als die Kaisertochter, Prinzessin Victoria-Luise, den Prinzen Ernst-August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg heiratete und er im Regiment diente, dem schon sein Urgroßvater und Großvater Chef gewesen waren. Nach dem Ende des Weltkrieges 1918 verschied das Husaren-Regiment von Zieten (Brandenburgisches) No. 3 und ging in das Reiterregiment 25 der Reichswehr auf. Für die Rathenower waren es aber die Reiter 3 geblieben. 1937 wurde das Regiment nach Göttingen verlegt. Über zweihundert Jahre Kavallerie in Rathenow waren beendet.
Von 1937 bis 1945 war die Polizei-Reitschule im Kasernement,Kaserne der Zietenhusaren ehe nach dem Zusammenbruch die Rote Armee bis 1992 dort ihr Domizil nahm und die Bahnhofstrasse durch Mauer und Wache verschloss.
Im Zuge der Aufrüstung im so genannten „Dritten Reich“, wurden im Norden der Stadt nach Semlin drei neue Kasernements errichtet. Das erste am Nordbahnhof für das Infanterieregiment 68, danach für die Zivilangestellten das so genannte „Olympische Dorf“, dem das Kasernement des Pionierbataillons 39 folgte und an der Chaussee nach Semlin die Kraftfahrabteilung 3. Diese Einheiten gingen 1943 in Stalingrad zu Grunde. Die Gebäude nutzte nach 1945 bis 1994 die Rote bzw. die Sowjet-Armee.
Rathenow ist keine Garnisonsstadt mehr.

Redaktionell bearbeitet am 14.11.07 von Robby Schmalz

 


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