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Ribbeck und die Familie von Ribbeck 1237 - 2002

von Friedrich-Carl von Ribbeck

Das Dorf Ribbeck - erstmals 1375 in Landbuch Kaiser Karls IV genannt - liegt 30 km von der westlichen Stadtgrenze Berlins entfernt, idyllisch in einer Senke an der Bundesstraße 5 nach Hamburg und wurde durch das Gedicht von Theodor Fontane über den "Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand..." weithin bekannt.
Die Familie von Ribbeck wurde erstmals 1237 mit Heinrich von Ribbeck, Priester in Brandenburg, genannt und begann ihre Geschichte in Ribbeck wie viele märkische Familien unter den Askaniern, als Berlin und Cölln im Zuge der Ostbesiedelung anstelle älterer slawischer Siedlungen gegründet wurden. 1572 erwarb die Familie auch ein Rittergut in Groß Glienicke, welches Sitz der osthavelländischen Linie wurde.
Der "alte", Hans - Georg, von Ribbeck war freundlich zu den "Bauern und Büdnern" und verschenkte Mittags gerne Birnen an die Kinder des Dorfs. Er starb 1759 im hohen Alter und bat angesichts seines knauserigen Sohns listig um eine Birne ins Grab, damit auch die Kinder nachfolgender Generationen wieder Freude an den weit und breit leuchtenden Birnen haben sollten.
Drei Jahre später wuchs aus der Gruft an der Kirche ein Birnbaum, der Jahre später durch ein Flüstern seine Früchte wieder den Kindern anbot..."So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland."
Der Stumpf dieses 1911 durch einen Sturm abgebrochenen legendären Birnbaums ist heute noch in der Ribbecker Kirche zu sehen. An seiner Stelle steht an der Kirche heute ein neuer Birnbaum.
Ob die Familie von Ribbeck holländischen oder slawischen Ursprungs ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Im Lehnsbrief des Kurfürsten Johann "Cicero" aus dem Jahre 1485 wurden acht Mitglieder der Familie von Ribbeck in Ribbeck zu "gesampter härmt" mit drei Gütern belehnt. Landgewinn erzielte sie auch durch die Beteiligung an der Trockenlegung des havelländischen Luchs durch den preußischen Soldatenkönig und Friedrich II. sowie durch Zukäufe, beispielsweise des von Bardelebenschen Besitzes in Ribbeck im 19. Jahrhundert.
Einige Besitzungen im Havelland (Groß Glienicke, Hoppenrade, Dyrotz, Seegefeld und Dallgow ) und das Ribbeck-Haus in der Berliner Breitestrasse sind vom osthavelländischen Zweig der Familie wieder verkauft worden.
Auf dem Stammsitz Ribbeck hat sie sich bis zur Verfolgung und Enteignung durch die NS-Regime 1944 gehalten. 1945 wurden ihr im Rahmen der Bodenreform aus dem ehemaligen Eigentum als Neusiedlerstelle 25 Hektar Land und Wald sowie ein Haus zugewiesen. Zwei Jahre später -1947 - wurde sie durch einen Befehl der Sowjetischen Militäradministration - unter Verlust allen Hab und Guts - endgültig aus Ribbeck ausgewiesen.
Der letzte Herr auf den Gütern Ribbeck und Bagow war Rittmeister Hans von Ribbeck, 1945 ermordet von den Nationalsozialisten im KZ Sachsenhausen. Er gehörte zu einer Gruppe, die sich aus Gutsbesitzern und Intellektuellen der Mark Brandenburg zusammengefunden hatte und Hitler die Gefolgschaft versagte. Er war ein gläubiger Mensch und dem Kaiser treu. Im Zusammenhang mit dem so genannten Röhm-Putsch, nach dem Hitler sich unbotmäßiger Gegner entledigte, war er 1934 schon einmal verhaftet worden. Er kam durch die Fürsprache von Hindenburgs wieder frei, stand aber fortan unter ständiger Beobachtung.
Er galt als überzeugter Gegner Adolf Hitlers und machte daraus keinen Hehl. Er war undiplomatisch, nannte ihn einen Halunken und lehnte den "Deutschen Gruß" strikt ab.
Er habe auch einen geheimen Sender betrieben und mit dem Feind korrespondiert.
Von Ribbeck hatte viele Kontakte zu Widerständlern, wurde aber wohl wegen seiner politischen Belastung und seiner Spontaneität vorsorglich nicht Mitglied geheimer Vereinigungen wie des Kreisauer Kreises.
Auslöser für seine Liquidierung als Feind des Volkes im Mai 1944 durch die Gestapo war ein Zwischenfall auf einem Ribbeckschen Feld. Hans von Ribbeck hatte sich zur Absturzstelle eines englischen Kampfbombers begeben. Er ermahnte einen dorthin abgestellten Wehrmachtsoffizier und eine "Kriegerfrau", sehr energisch an ihre Pflicht, Schaulustige am Zertrampeln seines aufkeimenden Getreides zu hindern. Dies ergab ein heftiges Wortgefecht, in dem er auch mit seiner Reitpeitsche drohte. Kurz darauf wurde er verhaftet und von der Geheimen Staatspolizei in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.
Damit wurde das Gut auf Veranlassung der NS-Partei unter Verwaltung gestellt, und der Familie verfolgungsbedingt schon 1944 gänzlich die Verfügung über ihre Güter Ribbeck und Bagow entzogen. Er kam er im Februar 1945 im KZ ums Leben.
Gegen einen entsprechend auf das Vermögensgesetz gestützten beabsichtigten Restitutionsbescheid vom Dezember 1994 kam es zu Einsprüchen, insbesondere des Landkreises Havelland. Unter Hinweis auf eine Enteignung im Zuge der kommunistischen Bodenreform von 1945, die eine Rückgabe ausschließt, wurde der Rückgabeanspruch 1997 zunächst abgewiesen.
Ende 1999 stimmte die Familie letztlich einem Vergleich vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht zu. Damit wurde sie - unter Verzicht auf die vorher gerichtlich festgestellte Berechtigung zur Rückgabe ihrer ehemaligen Liegenschaften - auf der Grundlage des Einheitswertes von 1935 mit Geld entschädigt.
Es gelang der Familie damit wenigstens ein Achtungserfolg, der den Rückkauf einiger Gebäude ermöglichte, die nun saniert und einer neuen Verwendung zugeführt werden können.
Neben tausender anderer Opfer der Wiedervereinigung ist die Familie von Ribbeck tief enttäuscht über die im Zusammenhang mit der Deutschen Wiedervereinigung von Regierung und den politischen Parteien betriebenen und vom Verfassungsgericht 1991 legalisierten Beugung des im Grundgesetz von 1949 verfassten Vermögensbegriffs.

.. hier mehr über Ribbeck

Nach der Rechtsprechung des Berliner Kammergerichts darf die vom Staat betriebene Veräußerung weggenommenen Vermögens denn auch öffentlich als Hehlerei bezeichnet werden.
Friedrich-Carl von Ribbeck, geboren 1939 in Ribbeck, Enkel des letzten Herrn von Ribbeck und Bagow, ist 1998 nach Ribbeck zurückgekehrt. Er hat den völlig verfallenen alten Kutschpferdestall gegenüber dem Schloss zurückgekauft, zusammen mit seiner Frau neu gebaut und sich zum Ziel gesetzt, die alte Familientradition in Ribbeck fortzusetzen.
Die ehemalige Brennerei und ein Stallgebäude auf dem ehemaligen Gutshof hat er zusammen mit seinem Sohn ebenfalls zurückgekauft, zunächst in der Bausubstanz gesichert und erarbeitet ein neues Nutzungskonzept.

Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier


  Kommentare

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Kommentar:1
von:Joel joseph
am:04.11.2009
um:18:32:22
Kommentar:DieText ist sehr gut.

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