Die Werk- und Hafenbahn Premnitz
von Reinhard Richter (†)
(zusätzliche Informationen von Jens Merte, Dietmar Stresow und Joachim Rosenthal)
ehem. Vereinigte Köln-Rottweiler Pulverfabriken AG, Pulverfabrik Premnitz
ab 1918 Köln-Rottweil AG, Werk Premnitz
ab 1926 IG Farben AG, Werk Premnitz
ab 1948 VEB Chemiefaserwerk "Friedrich Engels" Premnitz (CFP)
ab 1991 Märkische Faser AG (MFAG) ab 2002 Chemiepark Premnitz - Märkische Viskose GmbH
1904 erhielt das Fischerdorf Premnitz durch den Bau der Brandenburgischen Städtebahn Anschluß an das Eisenbahnnetz. Seit 1888 existierte am Ort bereits ein kleinerer Industriebetrieb, die Märkische Ziegelei und Tonwarenfabrik Premnitz. Trotz der recht umfangreichen Produktion des ca. 400 m von der
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Übersicht Gleisanlage 
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Bahnlinie entfernten Ziegelwerkes verzichtete man auf den Bau einer Anschlußbahn, sondern legte nur ein Ladegleis auf freier Strecke an (etwa auf der Höhe des heutigen Bahnübergangs Liebigstraße/Beethovenstraße) , da die Verfrachtung der Ziegel hauptsächlich über die Havel geschah. Die Ziegelei bezog Ihren Ton mittels einer modernen, 1.080 m langen Seilbahnanlage und später auch einer mit Pferden betriebenen Feldbahn von einer 1,2 km entfernten Grube, dem heutigen Premnitzer See. Die Seilbahn transportierte den Ton zunächst zu den Schwemmbecken, die sich auf dem Areal zwischen der heutigen Liebigstraße und der Fabrikenstraße befanden. Mit dem Bau der Städtebahn mußte die Seilbahn höher gelegt und mit einer Schutzbrücke versehen werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Betrieb in Konkurs geraten und wurde 1903 bei der Zwangsversteigerung von C. Mohrmann erworben, der Ziegelei wie auch Seilbahn weiterbetrieb. Nach Mohrmanns Tod verkauften die Mohrmannschen Erben die Ziegelei Premnitz Anfang Juni 1912 an Wilhelm Ludwig. Als die Grube durch einen Wassereinbruch 1913 unbrauchbar wurde und dabei der See entstand, mußte die Märkische Ziegelei und Tonwarenfabrik Wilhelm Ludwig ihren Betrieb einstellen.
Anfang 1915 wählte die Vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabriken AG Premnitz als Standort für eine weitere Fabrik aus, die in nur einjähriger Bauzeit aus dem Boden gestampft wurde. Gefördert durch das Hindenburg-Programm erweiterte man die Planungen bereits während der Bauphase. Wie in allen Pulverfabriken kamen auch hier feuerlose Dampflokomotiven zum Einsatz. Die Brandenburgische Städtebahn wurde aus Sicherheitsgründen neu trassiert, wobei die heutige, mitten durch die Stadt führende Strecke mit ihren vier Schrankenanlagen entstand. Die alte Trasse baute man als Anschlußbahn der Pulverfabrik aus.
Vor allem zum Bezug von Rohstoffen und Kohle sollte auch ein Hafen angelegt werden. Er entstand dort, wo heute der Kinderspielplatz ist und war mit einem elektrischen Portalkran und einem zusätzlichen Dampfkran ausgestattet. Da die Kreuzung der Hafenbahn mit der Brandenburgischen Städtebahn vermieden werden mußte, machte sich die Anlage der Überführung über die neu trassierte Strecke und die Brandenburger Chaussee mit der noch heute existierenden und zum Wahrzeichen der Stadt avancierten Steinbogenbrücke erforderlich. Diese wurde jedoch erst 1918 kurz vor Kriegsende fertig. Die Hafenbahn war insgesamt 1,75 km lang, zuzüglich 450 m Nebengleise, und besaß acht Weichen. Ein Problem stellten stets die etwas steil geratenen und zudem teilweise im Gleisbogen liegenden Rampen der Brücke dar.
Für den bedeutenden Arbeiterverkehr entstand an der Neubaustrecke der Bahnhof
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Plan der Gleisanlage Quelle: R. Richter 
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Premnitz Süd (heute Bedarfshaltepunkt) mit eigenem Bereitstellungsgleis. Von hier aus fuhren einst Direktzüge bis nach Berlin und Sachsen.
Nach dem ersten Weltkrieg begann die Köln-Rottweil AG in Premnitz mit der Produktion von Kunstfaserstoffen. Der Konkurrenz der IG Farbenindustrie AG auf diesem Sektor war man jedoch nicht gewachsen. Nach der Übernahme durch den IG-Farbenkonzern per 10. Juli 1926 wurde der Premnitzer Hafen dorthin verlegt, wo noch heute die Passagierschiffe anlegen. Die zuvor vorhandene Spitzkehre entfiel dadurch. Ein kleinerer Portaldrehkran mit einer holzverkleideten Kanzel besorgte bis zur Betriebseinstellung der Hafenbahn die Be- und Entladearbeiten. Um 1970 wurde die Hafenbahn, bald darauf auch der Hafen stillgelegt, da mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes der langsame Wassertransport an Bedeutung verlor. Die Hafenbahn wurde zuletzt fast ausschließlich durch die LKM-Dampfspeicherlok des Kraftwerkes bedient. In lebhafter Erinnerung der Anwohner sind ihre nächtlichen, mehrfach vergeblichen Versuche, mit zu vielen Wagen die 1:47-Steigung vor der Städtebahn-Brücke zu bezwingen.
Die Werkbahn selbst bietet abgesehen von ihren Dimensionen wenig Interessantes. Die über 10 km langen Gleisanlagen führten früher bis tief in die Königsheide.
Die vielen ungesicherten Bahnübergänge auf dem Werkgelände stellten besonders zum Schichtwechsel eine besondere Gefahrenquelle dar. Im Werk arbeiteten auf seinem Höhepunkt in den 1970er Jahren über 7.000 Menschen. 1962 erhielt der Ort, dessen Einwohnerzahl innerhalb eines halben Jahrhunderts von 650 auf fast 13.000 gestiegen war, das Stadtrecht.
Übergabebahnhof der Anschlußbahn war anfangs ausschließlich Premnitz Hbf, der 1933 verlegt und bedeutend erweitert wurde. Später baute man auch in östliche Richtung eine Paralleltrasse zur Brandenburgischen Städtebahn und schloß die Werkbahn an den Bahnhof Döberitz/Gapel und direkt an den Betriebsteil Gapel (Bleitetra-Werk) an. Bereits seit Mitte der 1930er Jahre kamen fast ausschließlich Diesellokomotiven in Premnitz zum Einsatz, anfangs vor allem von Deutz, später von LKM. Den IG Farben-Werken gehörten etwa 75 eigene Güterwagen, von denen vor dem Zweiten Weltkrieg stets etwa 20 offene Wagen zwecks Kohleanfuhr ständig direkt bis Oberschlesien liefen.
Eine Statistik der IG-Farben-Werke nennt folgende Bahnanlagen und Fahrzeuge (Stand um 1926):
13 km Gleise (1435mm Spurweite) 22 Güterwagen für den Werksverkehr
16 Weichen 8 Plattform- bzw. Muldenwage für den Werksverkehr
2 Gleiswaagen 2 Handtransportwagen für den Werksverkehr
2 gefeuerte Lokomotiven
44 eigene Güterwagen (die auch auf der DRG verkehren durften)
Das riesige Areal des einstigen VEB Chemiefaserwerk „Friedrich Engels“ wurde 2001/02 saniert und in einen Industriepark umgewandelt. Dabei verlegte man auch neue Gleisanlagen, verbunden mit einem drastischen Rückbau des Gleisnetzes. Auch das die Bundesstraße 102 überquerende Anschlußgleis in Döberitz Gapel zum Schrotthandel wurde aufgenommen. Eigene Lokomotiven besaß man hier nicht. Der Industriestandort Premnitz/Döberitz ist heute nur noch ein blasser Schatten seiner früheren Größe und beherbergt mehrere Kleinbetriebe. Der Bau eines angeblich hochmodernes Teppichrecyclingwerkes endete im Desaster, da die millionenteure Technik gar nicht funktionierte. In den letzten Jahren waren von den 1990 vorhandenen sechs Diesellokomotiven stets nur zwei einsatzfähig, die anderen überwiegend durch Wasserschäden unbrauchbar. Seit einigen Jahren bedient die Osthavellandische Eisenbahn AG den Standort Premnitz ein oder zweimal pro Woche mit eigenen Lokomotiven.
Die Firma A-Z Premnitzer Brandschutz- und Dienstleistungs-GmbH wickelte ab 2002
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Ansicht der Thälmannbrücke vor der Sanierung
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den Betrieb auf der Premnitzer Industriebahn ab und war auch Besitzer der letzten vier Loks (Nr. 1, 3, 4 und 7), von denen zuletzt jedoch nur die Nr. 3 vollständig betriebsfähig war. Da für alle Dieselokomotiven die Hauptuntersuchung anstand und das Unternehmen dazu finanziell nicht in der Lage war, verkaufte man die Loks zum Schrottpreis an die Firma ITB (Industrie-Transport Brandenburg) und wickelt den Schienenverkehr nun mit Unimog ab, was der Betriebsleiter als völlig ausreichend bei den wenigen Wagen pro Woche bezeichnet. Am 1. September 2004 wurde die letzte Lok (Nr. 1) im Schlepp nach Brandenburg abgefahren. Aus den vier defekten V22 sollten zwei betriebsfähige Maschinen aufgebaut werden.
Hoffnungsvoll stimmt das Überleben der Brandenburgischen Städtebahn auf dem Abschnitt Brandenburg - Rathenow, die nach der Sanierung der Strecke 2004 in ihrem 100. Betriebsjahr Premnitz wieder mit den beiden bekannten märkischen Städten verbinden sollte. Die üblichen bürokratischen und finanziellen Schwierigkeiten führten allerdings zu Verzögerungen bei der Fertigstellung bis voraussichtlich Mitte 2005. Die alte Steinbrücke der Hafenbahn wurde im Zuge der Sanierung der Bundestraße 102 als Fußgängerbrücke hergerichtet. Eine gravierte Metallplatte am Sockel erinnert an die Geschichte der Premnitzer Werk- und Hafenbahn.
Weitere Infomaterial als:
- Bücher
- CD/ Video
Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier
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