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Aberglauben aus dem Havelland

von Erika Schönwald

... Hat ein Kind die »Schwämme«, so geht man mit ihm an einen Weidenbusch und läßt es besprechen, worauf die Krankheit weichen wird.
Jeder hüte sich, der »Bötefrau«, die man zur Besprechung der Krankheit braucht, wenig oder gar kein Geld zu geben. Die Rose, der Ausschlag oder erfrorene Glieder werden geheilt, wenn man Hund oder Katze an der erkrankten Stelle lecken läßt.
Ist ein Ausschlag erst im Entstehen, so kann seine weitere Ausdehnung verhindert werden, wenn man dreimal ins Feuer spuckt oder den Krankheitsherd mit Fensterschweiß (Schwitzwasser) einreibt.
Will man eine Flechte heilen, soll man sie mit Fensterschweiß einreiben. Will man ein Gerstenkorn loswerden, muß man sich das Einkaufsnetz über den Kopf ziehen und drei Sätze mit dem Wort »Gerstenkorn« sprechen.
Klagt jemand über das Entstehen eines Gerstenkorns, muß man demjenigen ohne Vorankündigung dreimal schnell in das entzündete Auge spucken. Das Gerstenkorn bildet sich dann nicht mehr aus, die Entzündung geht zurück.
Am Karfreitag darf man kein Fleisch essen, sonst bekommt man Ausschlag.
Will man ein neugeborenes Kind sicher am Leben erhalten, so stecke man ein brennendes Licht in einen Baum.
Pferden hängt man, um sie vor bösen Krankheiten und dem Verhexen zu schützen, eine rote Troddel ans Geschirr. Im Stall muß man eine große Nadel über dem Türpfosten einschlagen und zwar so, daß das Öhr (Auge) heraussteht und in den Stall hineinsieht. Will nun jemand dem Vieh etwas antun, so ist das unmöglich, weil noch ein drittes Auge den Stall beobachtet.
Windeier und Spareier der Hühner werfe man über das Dach, denn legen die Hühner besser.
Hunde und Katzen darf man nicht geschenkt nehmen, man muß sie bezahlen, sonst sterben sie.
Will man eine Glucke setzen, so spreche man das Vaterunser, sonst hält sie nicht aus. Bei Gewitter lege man der Glucke einen Hammer ins Nest, der fängt die Erschütterungen ab.

Andere Vorstellungen lauten:
Wer nachts zwischen 12 und l Uhr Geld findet, wird sehr reich, während der Unglücksmensch, der das Geld verloren hat, auch sein Vermögen verliert. Fischschuppen muß man in den Geldbeutel legen, dann wird das Geld nicht knapp. Reich wird man auch, wenn man unter das Kopfkissen einen Strumpf mit Münzen legt. Beim Säen werfe man auf sich selbst zu, so wirft man den Segen ins Haus, andernfalls aber dem Teufel in die Hand. ...

Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 1992.

Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier


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