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Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Pfarre in Kriele von der Reformation bis zum 19. Jahrhundert

von  Albrecht Brommauer

Das Dorf Kriele, nordöstlich von Rathenow gelegen, wurde 1248 erstmalig erwähnt. Das markanteste Gebäude des Ortes ist die Kirche, die etwa 1350 im gotischen Baustil aus Feldsteinen und roten Backsteinen erbaut wurde. Sie gehört zu den ältesten Kirchen des westlichen Havellandes. Zur Kirchengemeinde Kriele gehörte das Dorf Landin als Filial
. Vor der Reformation gehörte die Pfarre Kriele zur Superintendantur Rathenow. TJurch die Reformation in der Mark Brandenburg im Jahr 1539 änderten sich die kirchlichen Machtverhältnisse. Im Jahr 1541 wurde die Kirchenvisitation durchgeführt. Die Verhältnisse der kirchlichen Verwaltung und der einzelnen Pfarren wurden in einem Visitationsprotokoll aufgeführt. Danach gehörten zur Pfarre in Kriele ein Pfarrhaus, eine Wiese, Kabelholz, zwei Kohlgärten und zwei Hufen Acker, die abgabenfrei waren und die vom Pfarrer selbst bewirtschaftet wurden. Der Ackerertrag war seine Haupteinnahme. Der Pfarrer, sein Name war Johann Buntze, war dadurch nicht nur Geistlicher, sondern auch noch Bauer, denn die

"Pfarrhaus Kriele"

Ackerbewirtschaftung (l Hufe = 15 Hektar = 60 Morgen) nahm viel Zeit in Anspruch. Darum hielt er vier Pferde, mehrere Kühe und Schafe. Für seine kirchliche Tätigkeit erhielt er bei einer Beerdigung 12 Pfennige und für die Einleitung einer Braut oder einer „Sechswöcherin" 6 Pfennige. (Sechs Wochen nach der Geburt ihres Kindes ging die Mutter weder in die Kirche). Außerdem standen dem Pfarrer eine kleine Gebühr von den Abendmahlgästen und die Rauchhühner alle drei Jahre zu. Unter Rauchhuhn versteht man die Abgabe eines Huhns je Herdstelle, wo „Rauch aufsteigt". Außerdem war festgelegt, daß ein gewisses Wirtschaftsinventar zur Pfarre gehört, das bei den Bauern als Hofwehr bezeichnet wurde. Hierzu zählten Saatgetf eide, der Getreidevorrat bis zur Ernte, Gespanne, Fuhrwerke und Ackergeräte. Zur Sicherung des Mobiliars im Pfarrhaus wurde um 1600 festgelegt, daß die Kirchen in Kriele und Landin je 12 Groschen, jeder Hüfner 2 Groschen und jeder Kossät l Groschen beisteuerte.
Während des Dreißigjährigen Krieges war das Pfarramt in Kriele nicht besetzt. Ab 1645 bekam das Dorf wieder einen Pfarrer, der Salomon Schulze hieß und bis 1669 in Kriele wirkte. 1649 begann er, ein Kirchenbuch anzulegen. Die ältesten Eintragungen sind für Kriele und Landin zusammen in einem Buch gemacht worden. Taufen, Trauungen und Beerdigungen wurden ungeordnet aufgeführt. Später hat man die kirchlichen Amtshandlungen geordnet und für beide Orte in getrennten Büchern eingetragen. Heute sind diese Kirchenbücher für die Orfs- und Familiengeschichte eine wichtige schriftliche Quelle, da diese Bücher bis heute weitergeführt worden sind.

 

Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 1996.

Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier


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