Die Wallfahrtskirche - ein mittelalterliches Baudenkmal
von Oskar Dümke
Eines der ältesten Baudenkmäler unseres Kreises Rathenow ist die schöne alte Wallfahrtskirche von Buckow oder, wenn man es genauer und ganz mittelalterlich klingend angeben will, von Lüch-Buckow. Sie ist nach Bekmann „Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg" sowie seinem Nachlaß im Jahre 1343 an Stelle einer alten, zusammenfallenden erbaut worden „zur Ehre der Jungfrau Maria".
Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Buckow in jetziger Zeit ein Dorf von nicht einmal 200 Einwohnern darstellt, so fragt man unwillkürlich nach den Gründen, die zu dem Bau eines für das Land so gewaltigen Kirchenraumes führten. Lassen wir alte Urkunden sprechen, die uns darüber Bescheid geben: Der Bischof Wilmar von Brandenburg schenkte schon im Jahre 1161 dem damals neubegründeten Domkapitel Brandenburg u. a. auch das Dorf Bukowe, das damit zum erstenmal in der Geschichte erscheint. Es ist anzunehmen, daß auch schon zu dieser Zeit dort eine Kirche vorhanden war oder zu dieser Zeit gebaut wurde, die ein ganz besonderer Anziehungspunkt für die gläubigen Christen gewesen oder geworden sein muß. Der obengenannte Professor Bekmann schrieb schon vor 300 Jahren von dem „Wunderblut" von Buckow und von seinem „gesundbrun" auf dem Kirchhof, so daß von diesem „stadlichen geld" später die große Kirche gebaut werden konnte.
Es war mir 1920 vergönnt, die Beweise hierfür selbst durchstudieren zu können, als ich in einem Nebenraum der Kirche, der als eine Art Rumpelkammer diente, unter dem Schutt und Moder u. a. das alte Kirchenrechnungsbuch der Gemeinde Buckow aus dem Jahre 1560 entdeckte. Es war ein dicker gepreßter Schweinslederband, in dem die Geistlichen seit 1560 ihre Kirchenrechnungen darlegten und vieles aus dem damaligen kirchlichen Leben berichteten. Angaben hierüber erfolgen an anderer Stelle. Jedenfalls hatte die Kirche sehr viel Geld zur Verfügung und baute dementsprechend ein Gotteshaus, in dem auch der immer mehr anschwellende Strom der Pilger neben der kleinen Gemeinde Platz fand. Hatte doch sogar der Papst als das Oberhaupt aller Christen in einer Bulle verfügt, „daß denen leuten, so diese kirche besuchet, reichlicher Ablaß" zu erteilen wäre.
Aber sehen wir uns nun die alte Kirche genauer an! Der Bürger Juterbuck und die Gemeinde haben ein schönes Haus geschaffen. Weit über das umgebende Luch grüßt der Turm nach allen Seiten, und lustig dreht sich auf ihm die Wetterfahne aus Eichenholz in Form eines dreiviertel Meter langen Fisches — eines Hechtes, der bei der Sintflut dort oben sitzengeblieben sein soll, wenn man der Sage Glauben schenken will. Der Fisch ist das Symbol Christi: die Anfangsbuchstaben der griechischen Wörter für „Jesus Christus, Gottes Sohn, Heiland", ergeben zusammen das griechische Wort „Ichthys", auf Deutsch „Fisch". Man findet deshalb diesen Fisch sehr oft auf Glasgefäßen, Grabsteinen, auch auf Amuletten und Steinen für Fingerringe. Manchmal trägt auch der Fisch eine ganze Kirche auf dem Rücken — hier ist es gerade umgekehrt.
Das sehr stattliche Kirchengebäude ist etwa 26 Meter lang und 12 Meter breit. Es wirkt noch größer durch die an den Ecken stehenden großen Strebepfeiler. Der Turm, der sich in dem Kirchenschiff befindet, ist etwa 6 mal 7 Meter breit und hat die respektable Höhe von 24 Metern! Bis zum Dachfirst ist das Gebäude 17 Meter hoch. Der Turm ist anscheinend erst später in die Kirche eingebaut worden, wahrscheinlich, um noch etwas Geld unterzubringen. Durch diesen Einbau entstanden im Kirchenschiff rechts und links von dem Turm schmale Kammern von etwa 6 mal 2 Meter Größe, dunkel, ohne Fenster, deshalb zum Unterstellen von allem möglichen geeignet.
Außer dem Turmeingang bemerken wir auch auf der Nord- und Südseite weitere Eingänge, von denen allerdings der nördliche seit vielen Jahren zugemauert ist. Der Südeingang ist besonders schön ausgeführt und zeigt vier Reihen von dicken Rundstäben, die in Kehlen eingebettet sind. Sie laufen in einem schönen Spitzbogen zusammen, über dem sich nun spitz nach oben ein steiler Wimperg erhebt, so daß zwischen dem Spitzbogen der Rundsäulen und dem Wimperg eine etwa dreieckige Giebelfläche entsteht, in die nun sehr harmonisch eine Figurennische eingebaut ist. In dieser stand sicher einmal Maria mit dem Kinde, der diese Kirche ja geweiht war.
Der Nordeingang zeigt diesen reichen Schmuck nicht, doch hat man auch hier das Gewände mehrfach abgestuft, die Kanten abgefaßt und den Bogen aus farbig sehr verschiedenen Steinen gebaut, so daß man ganz hellrote im Wechsel mit grünlichgrauen Steinen benutzte.
Im Osten befand sich zur Zeit der Erbauung der Kirche noch ein Anbau. Das läßt sich sehr genau an dem äußeren Ostgiebel ablesen. Dieser Anbau stellte wahrscheinlich die alte Dorfkirche dar. Aus dem Neubau führten zu ebener Erde 'zwei und im Obergeschoß des zweistöckigen Bauwerks eine Tür in den Anbau hinein. Diese „kleine Kirche", wie sie in den alten Urkunden genannt "wurde, war dem Apostel Bartholomäus geweiht und stellte auch die Wunderblutskirche dar, während die neue „große Kirche" der Verehrung der Maria diente.
Das Fundament des Baues gaben die Findlinge her, die die Bauern von ihren Äckern mitbrachten, um so auch ihren Anteil an dem gewaltigen Bau zu tragen neben den vielen Fronarbeiten, die ihnen sicherlich auferlegt wurden. Das übrige Mauerwerk besteht aus großen Steinen im alten Klosterformat.
Der Sockel wird aus einer Hochkantschicht Viertelstäbe gebildet; der Fries aus einem vertieften Streifen Putz verschönt das Hauptgesims. Am Turm und am Ostgiebel ist deutlich zu erkennen, daß das Dach einmal höher gereicht hat.
Wie .aber sehen die schönen Spitzbogenfenster der gotischen Kirche aus? Die großen Baumeister des Mittelalters wurden durch kleine Besserwisser unserer neuen Zeit bemäkelt und korrigiert. Sie haben diesem einheitlichen Bau der Gotik die nach ihrer Meinung richtigen und angemessenen Fenster eingefügt, indem sie die schönen schmalen Spitzbogen nach den Seiten rücksichtslos und ohne jedes Verständnis erweiterten und oben an Stelle des Spitzbogens eine Art Korbbogen darüber zogen. Neben den Fenstern sind Blenden als Schmuck angebracht. Fenster befinden sich auf der Nord-, Ost- und Südseite.
Aber die Ostwand müssen wir uns noch etwas genauer ansehen. Sie ist durch fünf schmale Pfeiler und dazwischenliegende Blenden sehr harmonisch aufgeteilt. Die Pfeiler sind oben von kleinen Pyramiden bekrönt. Auf dem mittleren aber steht ein kleines Kreuz aus Eisen mit den Resten eines alten Wetterhahnes.
Gehen wir einmal in das Innere. Knarrend dreht sich die schwere eisenbeschlagene Eichentür, und wir steigen einige Stufen hinunter. Es ist kalt in dem 20 mal 12 Meter großen und 6 Meter hohen Raum. Eine mächtige Balkendecke schließt ihn nach oben ab. Trotz des Farbanstrichs ist zu merken, daß der Zahn der Zeit auch schon beträchtlich an der Decke nagt. Zur Linken, also an der Westwand vor dem Turm, erhebt sich eine Empore mit der leider im Kriege zerstörten und noch nicht wiederhergestellten Orgel, an der Ostwand über dem Altar eine ebensolche mit einer schlichten Barockkanzel, die am 25. Marty (März) 1617, von Meister Hans Knacke, Bürger und Tischler in Flaue, angefertigt, hier aufgestellt wurde und an Geld, Korn und Gerste, Nägeln und Eisenstangen und vor allem an Trinkgeld im ganzen 15 Thaler, 18 Groschen und 6 Pfennig kostete! Ein kleiner Taufständer aus Holz mit einem hohen gewundenen Fuß ist 1734 von Tischler Frentschen aus Ketzin hergestellt worden. Zu meiner Zeit war ein einfacher Zinnkelch und ein sehr schöner alter Zinnleuchter von 1689 vorhanden, dazu zwei sehr alte, glattprofilierte Bronzeleuchter für die Altarkerzen — in ihrer Einfachheit leider unbeachtet!
Und da ist auch die Ostwand wieder, diesmal von der Innenseite. Halt, "was ist das? Da wird- ja eine sehr schöne Blendengruppe in der Mitte der Wand durch die Balkendecke der Kirche etwa in der Mitte durchschnitten! Warum das? Das kann doch damals nicht so gebaut worden sein! Über den Blenden aber erhebt sich auf dem jetzigen Dachboden auch noch eine Giebelform, über der der Ostgiebel etwa um eine gute Handbreit absetzt. Hier muß also noch etwas Besonderes gewesen sein!
Und des Rätsels Lösung ergibt sich auch dann: die heutige Balkendecke ist nicht ursprünglich vorhanden gewesen. Sie ist wahrscheinlich bei dem großen Kirchenumbau 1679 bis 1681 erst eingebaut worden, und dabei entstand auch wahrscheinlich der neue Dachstuhl. Der heutige Ostgiebel aber ist demnach nicht, wie man erst einmal annehmen wollte, der Westgiebel der ehemaligen Dorfkirche von der Zeit vor 1344 gewesen, sondern nur der wirkliche Ostgiebel der neuen Kirche, die Blenden also der innere Schmuck derselben.
Dann aber muß die Decke eine ganz andere Form gehabt haben, und zwar entsprechend der Satteldachform der alten Dorfkirche so, daß die außerordentlich große Weite von 10,5 Meter Breite in drei Schiffe eingeteilt war, indem man die Decke der ganzen Länge nach zweimal unterzog und stützte, das Innere aber als Zeltdecke ausbaute. Die Seitenschiffe zeigten eine gerade Balkendecke etwa in derselben Höhe wie heute. Auch damals schon wird sich an der Ostwand der neuen Kirche ein Chor erhoben haben, auf dem einmal das Heilige Blut dem Volke dargestellt wurde. Seine Aufbewahrung erfolgte sicherlich in dem alten Anbau im ersten Stock, während der untere Anbauteil als Sakristei für die Priester diente. Denn eine ganze Reihe von Priestern scheint hier gleichzeitig beschäftigt gewesen zu sein, das besagen die Kirchenrechnungen mit ihren Berichten über die vorhandenen Caseln, d. s. Priestergewänder, und die dazu notwendigen silbernen Knöpfe, Spangen usw. Das besagt ferner die Bemerkung, daß eine große „Leuchte" den Pilgern des Nachts als Wegweiser diente. Sie stand auf dem Turm und war mit ihrer brennenden Wachskerze denen, die in der Dunkelheit mit Kähnen von Nennhausen her über das Luch gefahren kamen, ein weithin leuchtendes Ziel. Diese große Laterne soll noch bis um die Jahrhundertwende dort vorhanden gewesen sein, auch eine Anzahl von den genannten Caseln. Wo das viele Silber und Gold geblieben ist, davon sagt das Kirchenrechnungsbuch nichts, aber auch nichts davon, daß es in die Hände der Schweden gefallen wäre wie so vieles andere, was bis ins kleinste angegeben wird. Es ist also durchaus möglich, daß sich von dem ehemaligen. Edelmetallschatz noch manches in der Kirche — gut eingemauert natürlich — befindet.
Wenn der Turm nun auch zu einer späteren Zeit erst eingebaut wurde, so hat man doch verstanden, ihn den Formen der Kirche in jeder Weise anzugleichen. Er hat sein Satteldach wie die Kirche selbst, er trug sogar in früherer Zeit einen großen Dachreiter, wovon der Unterbau in dem Stuhl noch vorhanden ist. Er trägt schöne, spitzbogige Schallöffnungen und entsprechende Blenden, Rundbogen und Kreise sind als Fries um den Unterbau gezogen, und Pfeiler mit Pyramidenbekrönung und Blenden schmücken ihn weiterhin. Leider ist der Turmeingang roh und unfertig geblieben?
Welche Schätze aber hatte die Kirche sonst auf zuweisen?
Hierzu lasse ich am besten einmal das Kirchenrechnungsbuch selbst sprechen. Es heißt da am Anfang unter der Jahreszahl 1560, also kurze Zeit nach der Reformation und nach Luthers Tod:
„Aus auferlegeten befehl der Ehrwürdigen Herrn der Thumbkirchen (Anm. des Verfassers in Klammern: des Domes) zu Brandenburgk, Hatt Her Petrus Blosdorff damals zu Bucko Pfarher in beysein des Schultzen, Marcus Lack, Anthonius Behmen, Von Matthaeus Hildebrande und Mattheus Winkop Gotteshausleuten alhier zu Bucko volgende Rechnung genommen, und ist befunden
Erstlich AN BARSCHAFT
1. Erstlich LIX Fl (= 59 florenus, Gulden) an thalern, halben thalern, orts thalern, Silber gr (Groschen), Stendeleschi Schilling (Stendaler Schillinge) und ander gemeinen muntz (gewöhnliche Münze)
2. Darnach LX Fl (= 60 Floren) an eitel newen (neuen) kleinen Dreylingen, welcher damals 4 haben 15 merck. pfen gölten (märkische Pfennige gegolten)
3. Item (ebenso) 2 Reinische golt Fl
4. Item in einen leinen Beutel Bissen vegezelten Pfennig (Wechselgeld)
Summa der bahrsehaft thut 121 Fl — 10 gr — An Silberwerck
Erstlich 2 silbern übergulte Kelch (silberne vergoldete) / _ 3 silbern! übergulte Patenas {= Abendmahlsteller), l silbern Rorlein, welches gebraucht wird in administration sacrosancti sacramenti corporis et sanguinis JESU CHRI nostri saluatoris (im Dienste der heiligen Sakramente des Leibes und Blutes Jesu Christi, unsers Erlösers), die beyden Kelche, patenas und Röhrlein — 25 Thaler.
l Monstrantz welche man in Vorjahren für die krancken getragen die ist auch Silbern und übergult, ist geschätzet worden 16 Thaler an chelde (Geld). / 3 Silbern und übergulte poiz (?) kreutzlein — 3 loth / l übergulter Silbern Ringk l loth Silbers / 11 knöpe Mein und groß an einer growe Seiten bort gezogen — 4 loth am chewichte, zwey schock und 10 übergulte krantz Spangen klein und groß — 12 loth Silbers. 7 Rockspangen übergult mit weiße knöpflein oder pockeln sein 4 loth am gewicht gewesen. / 7 Rocken spangen vier loth gewogen. 12 viereggichte spenglein zwey loth. Eine kuppern übergulte Rose daran gehaft ein silbern übergulter knop und laub. 2 große Hocken spangen 1 1/2Loth. 8 Rockspangen anderthalb loth. Zurbrochen alt Silber ohngefehrlich 3 Loth. Auch sonst vier übergulte schlechte Rosen ,' In der Summa auf 60 Thalr 10 Gr an chelde geschätzt. Solches alles beyde Golt und Silber werck wie es oben verzeichnet, ist sampt den schlüsseln zum Gottes kum {Gotteskasten, in dem das Geld verwahrt wurde), Den jungen erweleten und bestetigeten Gotts Hauptleuten, als Anthonius Behmen, und Marcus Lacken, Durch die alten Gottshauptleuten, als Matthäus 'Hildebrandt und Matthäus Winkop, zu beysein des pfarhern und Schultzen in trewer Verwarnung überantwortet worden. Es berichten auch die beyde alten Gottshauslaut, das die Ehrwirdige Hern des Capitels haben an sich genommen. Eine vergulte Krone mit ungrischen golde überguldet hatt 22 schock gestanden, Item einen Übergülten silbern kelch, Item das Silber so für das Heilige .Blut Hatt gehagn 20 Pund, silber üb. (übergoldet) alle gewesen, thut 250 Thaler an chelde daß ess Werth gewesen, Summa — 362 thalr. Summa Summarum thut 362 thalr ohn der bahrschaft.
Schult und Einkorn des Gotshauses und was die alten Gotts Hausleut
haben eingenommen
Das Gottshaus Hatt Jherlichen ein Zukommen von dem Heiligen Manne (Pächter der Pfarrhufen) l Fl. Arent Krusse Schultz zu Garlitz Hatt anno 1545 aus dem Gottshaus zu Buckow auff Renthe genommen 4 Schock Ider Schock mit 4 gr zu verrenten Hatt aber bisanher noch keine Rent geben. Arent Lochow zu Nennhausen 3 mangeln, Andreas Brust zu Garlitz 2 Schock, Matthias Hildebrandt Zu Buckow Schultz 4 Schock, welche sein Vorfahr Clawes Krusse draus genommen. Petrus Blonsdorf Zu Buckow iezig Pfarher 6 Schock, die er verrentet. Sonst 3 Schock, die er nach weinachten will ablegen. Es berichten auch die Alten Gottshausleut, das sehliger Herr Philippus Klitzing den gottshaus sey schuldig blieben 2 Schock wegen Her Gurgen Rinow Zu Nawen Pfarhern.
Es haben die Gottshausleute 27 Jarlang 105 Fl Zu Brandenburgk auff renthe stehende gehabt, Davon Jherlichen eingenommen 3 Fl. Solch gelt ist aber nun eingemaurt (beim Mauern verbraucht worden). So Hatt auch das Gottshaus Jerlichen ein Zukommen l Fl offertorium (Opfergeld), dafür kaufft mahn Brott und wein ad administrationem Sacramenty, das übrige wirt mit trewen Handt (zu treuen Händen) in dem Gotteskasten geleget.
Ausgab.
Die Vorsteher odder Gottshaus Leut geben Jerlichen Dem Gustody (Küster ein Schock, Solches Haben sie geben sieder (seit) das 31. bis in das 60. Jar. Item dem Pfarhern und Custody einen Fl des Palmtags wegen. Solches Haben sie geben sieder das 44. bis in das 60. Jahr.
Zur Kirchen Verbesserung
Anno 48 Die Kirchveter haben gekaufft 7 Wispel Kalck, den Wispel anderthalb Fl, 21 gr (Groschen) Zu Dranckgelt Dem Zigelmeister. Item 5 Hundert Ziegel Das Hundert 7 gr. 9 Pf zu Tranckgelt. Item 5 Hundert gros Ziegel gekaufft Von dem Zölner in der Newen Stadt vor das Hundert 12 gr. 3 Hundert Kleinen Ziegel vor das Hundert 9 gr. 2 Tunnen Bier Die Tonne vor 24 gr. Dem Kalckschleger als er den Kalck schlegt 5 gr, den Knechten als sie den Ziegel brachten auch 5 gr Zu Dranck gelt. 12 gr und 2 Pf für Bier, den die Maurer kamen mit den Bier nicht zu (nicht aus!). 4 gr Für Kalck Harr (?) 18 Pf Für vier Micken. 6 gr (Für Latthen, 4 schock 30 gr Den Maur Leuten zu Lohn. 4 gr den Knechten zu Dranck gelde. 17 gr Dem Kalckschleger Zu Lohn, l Fl für die Pfannen Eisen der Glocken. 16 gr dem Müller zu Garlitz, Da er die Glocke aufwandt. 4 gr für Bier codem (?) die 16 gr vertan auf die Reisse nach Spandow do des Keissers gebotth die alte weiße Zu Halten verkündet ward. 20 gr für einen reiff, 24 gr für die Kirchenordnung, 4 gr botten lohn, l schock für 2 newe Kohr röcke, 12 gr, dem Küster Pötten lohn, 6 gr Haben gottsleut ver-Zert, 7 gr fur ein Kenlein (kleine Kanne), 2 Fl für 2 glocken reiff, 6 gr für ein glocken gehenge, 24 gr dem glasser für die fenster in Holz gefazt, 18 gr in Pf für das Passional Buch Eisleben, 30 gr für 2 Kleine glocken reift (reiff = Reep = Seil).
Anno 56
8 gr für die Bärlen Zu hawen so auff den glockthorm hängen, 23 gr verzehret Zu Rathenow Do wir von Eisleben dohin verschriwen warn. 6 gr für ein glocken gehenge. 3 Fl für die Bleienfenster so anno 59 am Pfingstabent wurden angeschlagen. 8 gr für die winweisser. 4 gr dem fenstermachergesellen Zu Trancke. 3 Fl minus 8 gr für die Thor Hespen am Kirch Hoffe. 24 gr dem Zimmermann so die thürn am Kirch Hoff gemacht. 2 gr für bier. 16 gr für Dehlen (Dielen). 30 gr für einen glock reiff an der große glock. 16 gr für Hahlen Zigelstein. 13 gr für Kalck. 3 gr Zu Stamgelde do das Holtz Zum Kirch Hoffe geholt ward.
Anno 60
ist abermal die Kirche bestiegen Und ist worden ausgeben 5 Thaler für 3 Wispel Kalck der Thaler ist worden ausgeben für 24 Meisensche Silb. gr. 8 gr für hahlen Dackstein. 4 Fl 16 gr dem Meuermeister. l Thaler für Bier den Meuerleuten geben. 6 gr Do die fenster sind eingesetzt. 5 gr für bier Do den Meurleuten das Lohn geben worden ist. Hir mugen nun Zu gethan werden die schock so sie dem Custody Item der Fl so dem Pfarher und Custody wegen des Palmtages Jerlichen gegeben haben, Dovon den auch oben gemelt. Summa aller Aussgabe thut 59 Thalr 12 gr - 5 Pf.
Anno Domini M'DLXI (Im Jähre des Herrn 1561) auff Purificationis Mariae (Maria Reinigung) ist das übrige Silber so mahn ad administrationem Sacramentorum (zum Gebrauch beim Sakrament) nicht bedurfft Zu gelde gemacht, Und ist die Summa des Silbers gewesen . . (?) Marck und 11 loth. Dafur Hatt globt Thomas Vuchs Burger und goltschmiet in der alten Stadt Brandenburgk 59 Fl welche er auf rente genommen dafür er den Jerlichen auf Ostern 3 Fl geben sol, nach laut des des Hauptbrieffes so ihn das gotshaus furhanden. 3 loth Hatt der Herr Probst mit 2 thaler bezalet In bey sein des Pfarhern und Tho. Vuchs. Ider loth ist geben worden für 20 gr .....
Wass an Caseln, ChorRöcken und anderen Sachen in der Buckowischen Kirchen vorhanden und von Pfarhern in beysein des Schultzen und beyder (Kirchenvorsteher den 31. May anno 1681 aufgesetzet:
1. Eine Rothe Damaskene Casel mit dem Crucifix,
2. Eine Rothe kirsyne Casel mit einem Kreutze,
3. Ein Rother Damsckener Leviten Rock,
4. Ein Rock von Chüldenen Stuck, hieran ist wenig Gold mehr zu sehen gewesen, Auch von den wurmen fast durchfressen, daher ist es anno 1690 verkauft üm 3 Thlr.
5. Ein brauner Rock von Kirtsy.
6. Ein Chrün geblümter Tafftener Rock,
7. Ein Weisser Rock von linwand mit carteckenen (?) Aufschlegen,.
8. Ein grober weisser Rock von linwand mit blawen linwandenen Aufschießen,
9. Ein Weisser Rock von Kirsy,
10. Eine Alte Gelbe Casel so Zerschnitten, Und ein Altartuch davon gemacht worden, weil die Schweden anno 1675 dass Rothtaftene tuen weggenommen, dass Crucifix ist noch vorhanden,
11. Ein Weisser ChorRock, so Hans Reppin verehret, Ein Drey 'bletterich Altartuch von kleiner linwand, und fernen Klöppelspitzen, so die itzige Pfarfrau Martha Margaretha Janin verEhret hat, Ein halbblatt von Damascken Art, Ein Altess Altartuch so gar zerrissen, Ein Ein Rothgewircktes Altartuch von allerhand färben so gar alt ist. Zwei messingene Leuchter zum Altarlichten, Ein Kelch mit Pathen nebst den Röhrlein von Zinn, den ändern zinnernen Kelch habn die Schweden weggenommen. An Büchern auf den Altar Missale secundum rubricam Ecclesiae Brandenburgensis in folio. In Quarto 1. Kirchenagende sampt den colecten und Gesangbuch, 2. Psalmodia, hoc est Cantica sacra Veteria Ecclae selecta, 4. Zwey Kirchenordnungen im Churfürstenthumb der Marck zu Brandenburgk, Gedrückt zu Berlin anno 1542."
1667 waren folgende Familien in Buckow ansässig: Der Schultze Jakobus Perle in Buckow, Martin Diekmann, Petrus Schmidt, Petro Eugen, Bartholomäo Böhme, Thomas Reppin, Petrus Wiprecht, Augustino Stabemann, Joachim Baging, Martin Kähne, Andreas Eugen, Joachim Kogge, Thomas Rahneberg der Cossat, Johan Fischer der leineweber. Der Küster Johan Litzow, der Pfarrer Theodorus Ramus.
Als vorhanden wird bei der Kirchenvisitation am 4. Dezember 1711 u. a. auch „Ein altbuch Münchschrift" aufgeführt. Auch zwei Kirchenordnungen von 1542 sind zu dieser Zeit noch vorhanden gewesen, „wovon eine der Herr Probst Schnaderbach mitgenommen"!
Eine sehr bezeichnende Eintragung soll aber noch mitgeteilt werden: „In der Chur Brandenburg sein Siebentausend Achthundert und 44 Pfarr- oder Hauptkirchen ohne Filialen — 182 chrosse und kleine Städte — 182 Ambter — 353 Schäffereyen — 18452 Dörffer,' aus jedem Dorff einen Schäffer genommen, tregt 18tausend Soldaten zum Krieg." Darauf kann man nur antworten: „Selig sind die Friedfertigen!"
Daß die Menschen vergangener Zeiten genau wie die von heute auch alle ihre menschlichen Schwächen und Fehler hatten, daß es unter ihnen auch in den kleinsten Gemeinden Neid und Mißgunst, Haß und Gemeinheit, Stänkerei, 'Drückebergerei, Betrug und Falschheit und vieles andere gab, das zeigen mancherlei sehr betrübte Ergüsse. So schreibt der aus Triebel in der Lausitz stammende Pastor Theodorus Ramus, der 1652 nach Buckow kam und 1689 starb, sehr verärgert im Jahre 1673 über die Hohe Obrigkeit damaliger Zeit — natürlich in Latein, damit nicht Unberufene seine Meinung hören: „Mächtige, Gottlose, und von stolzem Benehmen Strotzende habe ich grünen sehen wie Lorbeer an den lieblichen Flüssen. Ich schaue — und siehe, des schlüpfrigen Ruhmes Bild bleibt nicht und nirgends die Spuren großer Macht!"
Das war zwei Jahre vor dem Schwedeneinfall 1675!
Und dann, man höre: „Bauern sind ohne Frömmigkeit, ohne Friede, ohne Gewissen, ohne Wahrhaftigkeit, das heißt Lügner, Betrüger und Stänker bei der Behörde."
Und in gleichem Atemzug folgt aber nun das Donnerwetter über eine für ihn anscheinend ganz unverdauliche Figur: „Wer das Amt des Pastors verwaltet, der wisse, daß neun Teufel ohne Unterbrechung ihn zerfleischen. Ein solcher Teufel ist der Küster dieser Kirche (wörtlich steht „Wächter", daß der Küster gemeint ist, geht aus dem Weiteren hervor), der je geringer in der Amtsgewalt, desto größer im Verfolgen, nicht öffentlich verletzt, sondern wie eine Schlange im Verborgenen sticht. Wenn du durch die Wiese gehst, so beißt sie dich, im Grase versteckt, unvermutet, und der da schadet unvermutet, wo dus nicht glaubst. (Das Amt des Famulus (Dieners oder Gehilfen!) führt er, wie es ist {gemeint ist wohl schlecht und recht). In deinem Hause erspäht er alle Einzelheiten, die vorgehen, aber da er den gewohnten Vorteil nicht gewinnt, so schürt er allen Neid gegen den Pastor. Geheimnisse, die er früher als Freund zu verheimlichen bemüht war, hört er nicht auf, allen, selbst dem Feinde, zu enthüllen. O Feindschaft schlimmer als alle Feindschaft! Sichtbaren Geschossen hält man den Schild entgegen. Gegen die verborgenen Geschosse des Campanatoren (?) hilft keine Fellmütze! Was gibt es Grausameres? So wie einst bei den Juden Judas Christus verraten hat, so verklagt bei den Gegnern der Campanator den (Pastor. Und wie jener durch den Friedenskuß gelernt hat Krieg zu machen, so läßt der Küster nicht ab, in falscher Freundschaft gegen seinen Herrn {!) Streit zu erregen. Ich, der unwürdige Pastor der Kirche (oder auch: der Gemeindehirte), habe viele Wohltaten meinem Campanator Johannes Lietzen erwiesen 13 volle Jahre hindurch. Aber kaum habe ich wegen seiner Bosheit den vom Hochwürdigsten Domkapitel der Brandenburgischen Kirche aus dem Amte Entfernten die gewohnten Wohltaten entzogen, so habe ich ihn auch schon in den Leiden, die ich ihm — weiß Gott nicht zugefügt habe, als einen gefährlichen Angeber bei den vornehmen Collatoren (denjenigen, denen die Befugnis der Besetzung einer Pfarrstelle zusteht) erkannt.
Im Jahre 1673. Theodorus Ramus, Pastor der Buckower." Fast dreihundert Jahre sind seitdem vergangen. Generationen von Menschen sind gekommen und wieder ins Grab gesunken. Zwei Weltkriege erschütterten auch das kleine Buckow und modelten das Leben um. Schwere Zeiten formen eine neue Welt. Aber fast unverändert steht der Zeuge mittelalterlicher Baukunst, unsere schöne Wallfahrtskirche zu Buckow. Die schlimmsten Schäden wurden zu ihrem 600. Geburtsjahr mit staatlicher Hilfe beseitigt. Mögen die kommenden Geschlechter sich dieses Denkmals deutscher Kunst weiterhin annehmen!
Dieser Artikel wurde aus dem Rathenower Heimatkalender von 1957 entnommen.
Bearbeitet von Team des Havelland-Kiosk
Kommentare |

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| Kommentar: | 1 |
| von: | Dr.Ulrich Euent |
| am: | 27.12.2010 |
| um: | 10:51:57 |
| Kommentar: | Danke für diese ausführliche Beschreibung. Für mich ist Buckow der der Ursprung, bzw. früheste Erwähnung meiner Familie. Schon zum Beginn des 16. Jhdts. werden Peter , Matthäus und Andreas Euen erwähnt. Hier im Artikel sind als Einwohner 1667 wiederum ein Peter und ein Andreas erwähnt. Später breitete sich die Familie über das ganze Havelland bis nach Berlin aus. |
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