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Der Rathenower Groschen

Wolfgang Fried

Von der Karolingerzeit bis zum Jahre 1266 hat es nördlich der Alpen nur silberne Pfennige und ihre Teilwerte, den Hälbling und den Vierling, gegeben. Größere Zahlungen bedurften einer langwierigen Zählarbeit. Waren 20 Mark zu zahlen, so mussten 2880 Pfennige auf den Tisch gezählt werden.
Um dem steigenden Handel gerecht zu werden, vollzog Ludwig IX., König von Frankreich, am 12. 7.1266 in einer Urkunde eine Umwälzende Erleichterung des Zahlungsverkehrs in Gestalt einer größeren Silbermünze, die 12 Pfennige gelten sollte. Dieser Gros Tournois (dt. Turnose) eroberte sich in einem schnellen Siegeszug ein weites Umlaufgebiet.
Um 1300 bekam der Turnose eine Konkurrenz aus dem Osten. Im Juli desselben Jahres ließ Wenzel II., König von Böhmen, die ersten Prager Groschen prägen, die sich ebenfalls ein weites Umlaufgebiet sichern konnten. Der Prager Groschen begegnet uns in Münzschatzfunden des 15. Jahrhunderts in Ost-und Mitteldeutschland. Die Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen prägten nach .böhmischem Vorbild die Meißener Groschen.
Die Groschenprägung in der Mark Brandenburg begann unter dem Kurfürsten Friedrich II., 1440 bis 1470, nach dem Vorbild fränkischer Schillinge in den Münzstätten Brandenburg (Havel), Havelberg, Rathenow und Königsberg in der Neumark.
In der großen kurfürstlichen Urkunde für den brandenburgischen, Münzmeister Giese Brewitz wunde festgelegt, dass aus einer 6lötigen (= 375% Feinsilber) Mark 92 Stücke im Durchschnittsgewicht von 2,54 g geprägt werden sollten. Für die Münzstätte Rathenow ist nur eine Urkunde auf unsere Zeit gekommen.
Am 25.12. 1466 wurde der Münzmeister Michel Hemelporte angewiesen, in Rathenow Groschen zu prägen:
"Item in der abgeschrieben Form (bezieht sich auf den Wortlaut der Bestallung des Giese Brewitz als Münzmeister in Brandenburg, 1463 - W. F.) ist dem Münzmeister ein Brief gegeben das er zu Rathenow furbass mehr münzen sol, in maßen er bisher zu Havelberg getan hat. . ."1)
Hemelporte münzte bekanntlich seit 1464 in Havelberg, 1466 in Rathenow und 1468 in Königsberg in der Neumark.
Aus der Bestallungsurkunde von 1466 und dem Fehlen Rathenower Groschen in der Urkunde vom 11.11.1460 über die Schätzung märkischer Münzen nach magdeburgscher Währung geht hervor, dass die Rathenower Groschen jüngeren Datums sind als die in Brandenburg a. d. Havel und in Havelberg geprägten Groschen.
In der Münzstätte Rathenow prägte man zwei Groschentypen wie sie auch in den anderen Münzschmieden üblich waren (Abb. 29 u. 30):
Avers: Legende: + FREDERICVS ° DG ° IIN ° ELECTOR Der brandenburgische Adler, über dem Schild Ringel und Bändchen Revers: Legende: + NONETA ° NOVA ° NARCH ° ROTENAW • Tatzenkreuz, in den gegenüberliegenden Winkeln das brandenburgische und burggräfliche Wappen Durchmesser: 26mm; Gewicht: 2,06, g; E. Bahrfeldt, II, Nr. 38V, var.
Die Rathenower Groschen hat Emil Bahrfeldt in seinem Corpus "Das Münzwesen der Mark Brandenburg unter den Hohenzollern bis zum Großen Kurfürsten von 1415-1640"2) (Nr./ 38, Taf. III) beschrieben.
Bei diesem Typ werden zwei Varianten unterschieden:
Nr. 38 a—f: ältere Form der Reverslegende mit NOVVS.
Nr. 38 g-z: jüngere Form-der Reverslegende mit NOVA aa - ii.
Der zweite Groschentyp, Bahrfeldt 39, zeigt eine Änderung in der Revers Gestaltung, wobei das Tatzenkreuz durch ein vierfeldiges Wappen ersetz wird. Bei diesem Typ; unterscheidet Bahrfeldt ebenfalls zwei Varianten:
Nr. 39a-o: über dem vierfeidigen Wappenschild oben Bändchen zwischen zwei Rosetten;
Nr. 39p-r: statt des Bändchens befindet sich eine Rosette über dem Schild.

Dieser Artikel wurde im Rathenower Heimatkalender 1975, veröffentlicht und wurde auch daraus übernommen.

Redaktionell bearbeitet am 14.11.07 von Robby Schmalz

 


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