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Die Wappen des Rathenower Heimatkalenders
Ing. Gerhard Seiffert
Die Entstehungs- bzw. Entwicklungsgeschichte der einzelnen Wappen, die seit 1969 das Deckblatt unseres Rathenower Heimatkalenders schmücken, soll durch folgende kurze Beiträge erläutert werden:
Wappen haben zum größten Teil eine lange Geschichte. Seit dem 12. Jahrhundert sind sie bekannt. Während des 13. Jahrhunderts aber hatte sich die Mode dieser heraldischen Bilderschrift (Wappenkunde) über den ganzen Kontinent verbreitet. Sie ist als Hauptkennzeichen des mittelalterlichen Kulturlebens anzusehen.
Wappen HAVELLAND Zunächst wird ein Landschaftswappen gezeigt, in welchem der Kreis Rathenow mit den Städten Rathenow Rhinow und Premnitz, mit der Havel und deren Seen zu sehen ist. Als der Leiter der Werbeabteilung der PGH des Malerhandwerks in Rathenow, Herr Emil Lupke, im Februar 1967 den Auftrag erhielt, die vier abgesetzten Flächen im Foyer des Kreiskulturhauses mit je einem Wappen zu versehen, kam dieser auf die geniale Idee, auf der vierten Fläche ein Landschaftswappen zu malen. Das Wappen zeigt, geteilt durch den Verlauf der Havel, im linken unteren Teil die Büste von Johann-Heinrich-August Duncker, der als Neuerer ausschlaggebend auf dem Gebiet der optischen Industrie im Jahre 1800 war und den guten Ruf Rathenows mit begründete. Im rechten unteren Teil symbolisieren zwei Kiefern die typische Landschaft des Havellandes. Der obere Teil des Wappens zeigt einen Storch, der den Ort Parey markiert. Parey gilt als storchenreichster Ort der Republik. Gleichzeitig zeigt der obere Teil den Flugapparat Otto Lilienthals, welcher auf den Stöllner Bergen die ersten Flugversuche machte und am 10. August 1896 tödlich verunglückte.
Wappen RATHENOW Rathenow wird im Jahre 1216 erstmalig urkundlich erwähnt. Ein Hauptsiegel als Wappenbild aus dem Jahre 1513 zeigt einen wehrhaften Ritter vor einer befestigten Stadt. 1896 wird zum ersten Mal ein Engel im Wappenbild gezeigt, der sich auf einen Schild, versehen mit dem Brandenburgischen Adler, stützt. Weintrauben und Eichenzweige begrenzen das alte Stadtwappen. Ein altes Sekretsiegel (Geheimsiegel) aus dem Jahre 1394 wurde umgearbeitet und 1939 als neues Stadtwappen der Kreisstadt Rathenow veröffentlicht. Ein roter Adlerkopf, auf silbernem Untergrund wird seitlich von drei sechseckigen blau-weißen Sternen verziert.
Wappen PREMNITZ Premnitz, ein altes Bauern- und Fischerdorf, urkundlich 1375 von Kaiser Karl dem IV. erstmalig registriert, hatte bis 1945 kein Wappen. 1946 wurde Premnitz erstmalig zur Stadt vorgeschlagen und erhielt hierbei auch ein vorläufiges Stadtwappen. Erst als die chemische Industrie in unserer Republik eine starke Erweiterung erfuhr, wurde Premnitz am Tag des Chemiearbeiters 1962 zur jüngsten Stadt unserer Republik ernannt. Das Wappen ist das Ergebnis eines Entwurfswettbewerbs der Werktätigen der Stadt Premnitz. Die Retorte symbolisiert die chemische Industrie. Darunter sieht man den 1917 gebauten Eisenbahnbogen, die heutige Ernst-Thälmann-Brücke. Im untersten Teil des Wappen ist mit drei Wellenlinien die Havel symbolisiert. Mit einem nach links schwimmenden Fisch soll hingewiesen werden, daß Premnitz an der rechten Uferseite der Havel liegt.
Wappen RHINOW Viele Wappen, die im Mittelalter eine Rolle spielten, zeigten die Gründer oder Stifter mit ritterlichen Vorzügen sowie Burganlagen. Sie waren oftmals geschmacklos und überladen. So läßt sich auch im Stadtwappen Rhinow eine Hindeutung auf den Gründer oder Stifter vermuten. Die erste urkundliche Erwähnung von Rhinow ist unzweifelhaft vom 28. Dezember 1216 (Kodex diploma-ticus brandenburgensis) von Riedel. Das alte Stadtwappen trägt die Jahreszahl 1580. Es zeigt einen wehr-haftig weifjbärtigen Ordensritter, über dessen rotem Wams ein weifjes Ordenshemd mit rotem Kreuz auf der Brust zu sehen ist. Zur 750-Jahr-Feier im Jahre 1966 erhielt Rhinow ein neues vereinfachtes Stadtwappen. Im Hintergrund ist die Mühlenburg, die zwischen Kietz und Rhinow unmittelbar am südlichen Rhinufer gestanden hat, zu erkennen, im Vordergrund eine männliche Figur (Ritter, Priester oder Schäfer), der sich auf den ehemaligen brandenburgischen Adler stützt. Das zu erkennende Wasser soll der Rhin und der heutige Gülper See sein. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war der See mit Schwänen bevölkert. Man kann sie im Wappen erkennen.
Dieser Artikel erschien im Rathenower Heimatkalender 1973 und wurde mit Gestattung des Rathenower Heimatbundes e.V. daraus übernommen
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