Der "Wuseler" aus Böhne
Hans- Jürgen Wodtke und seine Neugier auf die Welt
von Erik Nagel
Wäre die Wende nicht gekommen, dann wäre Hans-Jürgen Wodtke heute vielleicht der Experte für Diskolichtanlagen im Ostblock. Immerhin hat der heute 54-Jährige zu eben diesem Thema 1979 die erste wissenschaftliche Arbeit in der DDR geschrieben. „Das war schon immer ein Hobby von mir", sagt der Elektro-Ingenieur.
|

|
| Macher, Planer, Manager- Hans-Jürgen Wodtke hat in seinem Leben bereits viel unternommen, viel auf die Beine gestellt. Jeden Tag kommt etwas Neues dazu |
Aber wie so oft im Leben kam es ganz anders. 1951 wurde Hans-Jürgen Wodtke in Böhne geboren, in dem gleichen Haus, in dem er heute noch lebt und arbeitet. Drei Jahre besuchte er die „Zwergenschule" in Böhne, danach die POS in Milow. Vor kurzem hat er das in der Sanierung befindliche Gebäude besucht: „Da kamen die verrücktesten Erinnerungen wieder hoch." Nach der Schule wäre er gern Rundfunk- und Fernsehtechniker geworden: „Aber meine Noten waren damals nicht gut genug", gibt er offen zu.
Stattdessen lernte er Elektroinstallateur bei der Firma Knake in Rathenow, damals einer der ganz wenigen privaten Elektroinstallationsbetriebe. In Berlin studierte er später Starkstromtechnik und kehrte zurück nach Rathenow, wo er bei ZBO Rathenow Elektroplaner wurde. Die Ausbildung, die er von der Pike auf genossen hatte, kam ihm dabei zugute: „Die Monteure haben mich nur einmal zur Probe in die Baugrube geschickt. Danach wussten sie: Der Wodtke weiß, wovon er redet."
Wodtke war und ist ein geselliger Typ. So gesellig, dass er Anfang der 70er Jahre als anerkannter Discjockey durch die Tanzsäle tingelte. Er bastelte auch an Lichtanlagen, ohne die schon damals keine Disko auskam. 1977 begann er sogar ein Zweitstudium zum Thema Lichttechnik, das zu der erwähnten Arbeit führte: „Nachdem ich sie verteidigt hatte, kamen fünf Professoren zu mir und baten um Abschriften", erinnert er sich stolz. Selbst das Kulturministerium der DDR trat an den passionierten Tüftler heran. Fortan beriet und qualifizierte er auf freiberuflicher Basis Bands und Diskotheken bei der Gestaltung ihrer Lichttechnik. „Von Rostock bis Aue, von der Oder bis zur Elbe war ich Ansprechpartner. Ich habe sogar ein Buch zu diesem Thema geschrieben. Das ist noch 1989 erschienen", schwingt ein wenig Wehmut mit, wenn er an diese Zeit denkt.
Hans-Jürgen Wodtke spielte mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen: „Ich habe die Anlagen nicht nur geplant, sondern auch das Material besorgt und beim Aufbau geholfen. Scheinwerfer kamen aus dem Vogtland, Leistungs-Elektronik aus Parchim usw." Hans-Jürgen Wodtke bereitete die Gründung vor, plante und baute sogar eine Art Meisterstück: „Eine große Lichteffektanlage, die mein Team und ich in der "Retorte" in Premnitz einrichteten. Der helle Wahnsinn", kommt er ins Schwärmen. Am 4. November 1989 stellte er die Anlage unter großem Beifall vor. Fünf Tage später fiel die Mauer, und Wodtke begrub die Träume vom freischaffenden Lichtkünstler.
Stattdessen gründete er im September 1990 ein Ingenieurbüro für Elektroplanung: „Zurück zu den Wurzeln. Ein eigenes Unternehmen war schon immer mein Traum." Als einer der Ersten projektierte er haustechnische Anlagen am Computer: „Die Architekten kamen noch mit handgezeichneten Plänen, da haben wir alles schon am PC gemacht", schmunzelt er. Mit Kooperationspartnern arbeitete der innovative Ingenieur ab 1996 per Videokonferenz zusammen, als das für viele noch Sciencefiction war. Und als der IT- und Internet-Hype ausbrach, hatte Wodtke die ganze Technik bereits komplett da: „In dieser Hinsicht war unser Vorpreschen richtig gewesen."
Doch was nützt das alles, wenn Aufträge nach einem Boom ausbleiben? Aber Wodtke ist ein Stehaufmännchen. Wo andere resignieren, sucht er sich neue Aufgaben: „Ich war schon immer eher der Koordinator und Manager, der "WuseIer„ , meint er, der sich selbst als „positiv faul" bezeichnet: „Wenn jemand etwas besser kann, muss ich das nicht selbst machen. Ich arbeite dann mit ihm zusammen." Allein arbeiten, das wäre die größte Strafe für Hans-Jürgen Wodtke: „Ich brauche immer Leute um mich herum." Und er ist immer begierig auf Neues. Hans-Jürgen Wodtke kennt viele Menschen aus der Region. Und viele kennen ihn: „Von jedem lernt man, jedem kann man etwas geben", ist sein Credo. So entstanden seine jüngsten Kinder: Der „Havelland-Kiosk" und das Wirtschaftsnetzwerk Milower Land. In sie steckt er seine Kraft, will etwas für die Region aufbauen, damit diese ihm etwas zurück gibt. Seine Mitstreiter und er haben im zurückliegenden Jahr etwas erreicht: „Wer nicht nur träumend durch die Gegend läuft, hat davon schon gehört."
Hans-Jürgen Wodtke ist Optimist, er ist ein Kumpel, ein Macher, ein, wie es so schön heißt, „Kerl von einem Mann". Doch auch er kennt es", wenn die Sorgen um das Büro und die Mitarbeiter zu einer schier unüberwindlichen Last werden, die bis zum körperlichen und seelischen Zusammenbruch führt: „In so einer komplizierten Situation ist es wunderschön, eine starke Familie und Freunde an seiner Seite zu haben. Dafür bin ich sehr dankbar." Er musste lernen, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren und nicht immer für andere da zu sein: „Daran zerbricht man irgendwann. Man darf nur soviel geben, wie man verkraften kann." Kraft tankt Wodtke in seiner Familie, die ihm über alles geht. Er bezeichnet es als Glück, dass er bei seiner Frau Bärbel nicht nur Unterstützung, sondern das auch viele Hobbys übereinstimmen: „Wir mögen Konzerte, tanzen gerne. Wir gehen beide gern ins Kabarett und mögen keine Comedy. Und selbst im Urlaub brauchen wir beide interessante Menschen um uns."
Er wird weiter von Böhne aus „wuseln", ist aber auch bereit, neue Aufgaben anzunehmen. Sein Unternehmen ist dank junger und kreativer Köpfe eine innovative Ideenschmiede, die mehrfach mit Preisen bedacht wurde. Und er erhält sich seine wichtigste Eigenschaff. Offen und neugierig durch die Welt zugehen und neue Ideen nie gleich abzutun. Sein Garten und die Natur drumherum sind ihm sehr wichtig: „Das ist so ein Traum von mir, vielleicht auch mal was mit Kräutern und solchen Sachen zu machen. Ich habe schon so viel Neues erfolgreich umgesetzt - warum nicht auch dies?"
.... mehr unter
www.ibewodtke.de Kommentare sind zu dieser Seite nicht vorhanden! |
|
|
|
|

|