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Ein Urgestein schreibt Geschichte

von Sebastian Kühl 

„Menschen ohne Humor haben versäumt zu leben", meint Günter Thonke augenzwinkernd und lacht dabei sein ansteckendes Lachen. Er ist zwar im G.Thonke in seinem Büro und "Schatzkästchen"Ruhestand, doch von Ruhe kann keine Rede sein. Seit etwa 15 Jahren schreibt Günter Thonke über seine Heimatstadt Rathenow und das Havelland und hat in dieser Zeit eine Vielzahl von historischen Abhandlungen und Kommentaren verfasst, so wie Zeitungsartikel, die in verschiedenen Blättern der Region erschienen.
Bis er die Leidenschaft für das Schreiben entdeckte, war Günter Thonke Bäcker, der sein Geschäft vom Vater übernahm und es kurz vor der Wende an seinen Sohn übertrug. „Man muss den Staffelstab rechtzeitig weitergeben", weiß Günter Thonke. Mit 200 Beschäftigten in etlichen Filialen ist aus der kleinen Bäckerei von einst ein stattliches Unternehmen geworden.

Zu Beginn seiner Arbeit als Autor habe er noch „zu Fuß" geschrieben, wie Günter Thonke es nennt. Später zog dann moderne Technik bei ihm ein, erst mit einer elektronischen Schreibmaschine und dann mit einem Personalcomputer. Heute arbeitet er ganz selbstverständlich mit den multimedialen Möglichkeiten seines Rechners. Bei der Umstellung auf den PC musste er seine früheren Manuskripte von Hand übertragen und alles noch einmal abschreiben. „Man beseitigt alte Fehler und macht neue", kommentiert Günter Thonke diese mühselige Arbeit in seiner humorvollen Art. Angefangen hat seine schriftstellerische Arbeit damit, dass er eine Chronik seiner Familie schreiben wollte, deren Geschichte sich etwa 250 Jahre zurückverfolgen lässt.

Die Alten müssten erzählen, was sie erlebten und die Jungen müssten zuhören, findet Günter Thonke. „Ich hätte in meiner Jugend auch besser zuhören sollen", sagt er selbstkritisch. Doch oft mangele es den Leuten am Interesse für die Vergangenheit: „Wer Arbeit hat, hat keine Zeit und wer keine Arbeit hat, hat keine Lust", bedauert Günter Thonke, doch ist auch diese Bemerkung mehr Satire als Kritik. Was als Familienchronik für die Kinder und Enkel begann, wurde im Lauf der Zeit viel mehr. Unter anderem schrieb Günter Thonke über die Geschichte der Bahnhofstraße, in der er seit seiner Geburt G.Thonke als Referent bei der Inbetriebstellung des Havelland-Kioskwohnt, unterbrochen von der Lehrzeit in Potsdam und englischer Kriegsgefangenschaft. Hinter jeder Ecke und jedem Haus wartete eine Geschichte.
So wie die Anekdote, als er einst beim Friseurbesuch von einem russischen Soldaten für einen Mitarbeiter des Salons gehalten wurde. Der Soldat hatte es so eilig, dass Günter Thonke das Missverständnis nicht aufklärte, sondern dem Russen die Haare schnitt.

Während er so erzählt, klingelt das Telefon. Günter Thonke ist ein viel beschäftigter und gefragter Mann. Oft liest er im Torhaus des Memento-Vereins auf dem evangelischen Friedhof in Rathenow, aber auch AWO und Volkssolidarität können sich auf seine Einsatzbereitschaft verlassen. Selbst aus Amerika kommen Anfragen von ehemaligen Havelländern, die auswanderten oder flüchten müssten. Die Leute seien auf der Suche nach ihren Wurzeln, meint Günter Thonke. Bei seinen Lesungen, die immer mit einer guten Prise Humor gewürzt sind, können sie fündig werden. Günter Thonke hat auch schon erlebt, dass sein Humor nicht verstanden wurde. Das bedauert der umtriebige Ruheständler. „Man muss über sich selbst lachen können", meint er verschmitzt. In seinem Arbeitszimmer hortet er in dicken Aktenordnern sein umfangreiches Archiv. Neben seinen Texten und Veröffentlichungen enthält es alte Postkarten und Fotos mit Stadtansichten. Und auch selbst gefertigte Karikaturen und Zeichnungen finden sich hier. „Ich öffne mich für alles", erklärt Günter Thonke seine interdisziplinäre Kreativität. Ob über Brauereien, den Kirchenkampf, Napoleon, Bäckereien oder das Kriegsende. Es gibt wohl weder über noch unter der Erde etwas im Havelland, zu dem er nichts in seinem Archiv gesammelt hat oder zu dem er nicht schon etwas geschrieben hätte. „Ich bin ein Aufschreiber, aber kein Dichter", stellt Günter Thonke dabei klar.
G.Thonke mit Herrn und Frau Rahtgens Dr. Peter Seeger, Peter Wittstock, G. Thonke, Kathrin Süß

.... verteilt aus seinem "Schatzkästchen"

Inmitten Geschichtsinteressierter


Auf Ruhm und Reichtum kam es ihm niemals an. Stets gab er bereitwillig Textkopien oder die Hefte aus der Eigenproduktion zum Selbstkostenpreis weiter. Die Inspiration für all seine Projekte packt ihn manchmal, wenn er nachts nicht schlafen kann. Dann kommen ihm oft die besten Ideen. So wünscht sich Günter Thonke zum Beispiel eine Gedenktafel für das einstige Haveltor in Rathenow, das zusammen mit einem Ensemble historischer Gebäude einer Straßenverbreiterung weichen, musste. So mache er unermüdlich weiter seine Vorschläge für die Gestaltung der Stadt, auch wenn er nach eigener Aussage mit 77 Jahren bereits das „Krückenalter" erreicht habe. „Ich bin ein Urgestein", sagt er. Er wisse zwar nicht, wie viele Jahre er noch habe, aber das sei ihm auch egal. Und schließlich hätten seine vielseitigen Interessen auch einen ganz besonderen Vorteil scherzt Günter Thonke: „So gehe ich meiner Frau nicht auf den Geist."

Bilder: Sebastian Kühl/ Ronsard Grell/ IBE Wodtke

Mehr über Günther Thonke hier


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