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Böhne vor mehr als 60 Jahren - Erinnerungen

von Käthe Neuling

Käthe Neuling (2005)

Käthe Neuling bei der
2. Böhner Geschichtswerkstatt

Für mich gibt es aus der Vergangenheit sehr viel gute aber auch weniger gute Erinnerungen. So auch aus der Zeit kurz vor und nach dem Ende des 2.Weltkrieges. Damals gehörte Böhne noch zum Kreis Jerichow II. Die Einwohnerzahl betrug ca.350. Wir hatten hier im Dorf ein Kolonialwarengeschäft mit Bäckerei, welche Familie Küsel betrieb, eine Bockwindmühle auf dem Mühlenberg an der Havel, die der Familie Süßdorf gehörte, welche auch eine Bäckerei im Dorfe besaß, zwei Gaststätten, zum einen der Gasthof Bertzau und zum anderen der Gasthof mit Poststelle Küsel, ein Gut der Familie von Kluge sowie große und kleinere landwirtschaftliche Betriebe. Es gab 22 Hofstellenbesitzer, die ein Küchenfischereirecht für Havel und Königsgraben hatten. Mitten im Dorfe gab es die Schmiede Güldenpfennig/Pritzkow, wo man Pferde beschlagen, Sensen, Hacken usw. schärfen ließ, eine Volksschule, in der Lehrer Mertens von der 1.bis zur 8.Klasse unterrichtete, einen gemischten Chor im Dorf leitete und auch die Orgel in der Kirche spielte. Sogar einen Standesbeamten, Namens August Schmidt gab es bei uns im Ort. Das Gemeindebüro mit Bürgermeister Leue, wo in dieser Zeit Lebensmittelkarten ausgegeben und sämtliche Registrierungen, z.B. bei An- und Abmeldungen erfolgten, befand sich in der Dorfstraße 30. Auch Fliegeralarm und Entwarnung wurden von dort aus mit einer Handsirene signalisiert.
Viele Böhner Familien hatten im Krieg evakuierte Familien, größtenteils aus Trier, Hamburg und Köln bei sich aufgenommen, weil wegen der Bombenangriffe die Menschen in Sicherheit gebracht werden sollten. Böhne blieb zum Glück vor derartigen Angriffen verschont. Das nahende Ende des Krieges ließ sich für uns hier speziell darauf schließen, dass immer mehr Menschen aus den Ostgebieten vertrieben wurden und hier durchkamen, Unterkunft suchten, meist für eine Nacht und dann weiter zogen. Einige Familien jedoch fanden in Böhne ein neues Zuhause.

So richtig bewusst wurde das direkte Ende des Krieges, als es hieß, dass in Rathenow 12 Tage lang verstärkt gekämpft wurde und uns dies in Angst und Schrecken versetzte. Es wurde auch über die Havel hinweg auf unser Dorf geschossen. Dabei geriet lediglich der Stall auf dem Pasterhof in Brand, alles andere blieb verschont. Dennoch gingen die verheerenden Folgen des Krieges nicht ganz an uns vorbei.16 der eingezogenen jungen Männer, teilweise Familienväter aus Böhne kehrten nicht mehr nach Hause zurück. Auch 6 unbekannte Soldaten wurden in den letzten Kriegstagen auf dem Böhner Friedhof beigesetzt, was die noch heute vorhandene Grabstelle bezeugt.
Gaststätte zur Post in Böhne am nördlichen Dorfeingang Böhner Dorfstraße in Richtung Vieritz/ Bützer

Gaststätte zur Post

Kolonialwarengeschäft und Bäckerei Küsel (r.v.)

Böhner Dorfstraße im Bereich der Kreuzung mit der Wald- und Havelstarße

Ruhestätte für Walter Radloff und weitere gefallene  deutsche Soldaten auf dem Friedhof in Böhne

Gaststätte Bertzau ( li)
Bürgermeisterei und Lehrerwohnung (re)

 Ruhestätten für in den letzten Kriegstagen in Böhne gefallene deutsche Soldaten

Die Tage und Wochen nach Kriegsende, im Mai 1945 hier vor Ort sind mir noch dahingehend in Erinnerung, dass bald darauf die Rote Armee mit Panzern einzog. In der Havelstraße spielte eine Militärkapelle auf. Für einige Zeit musste den russischen Soldaten in den Häusern Quartier gewährt werden. Meine Eltern zum Beispiel mussten ihr Wohn- und Schlafzimmer sowie die Küche eine Zeit lang zur Verfügung stellen. Es war schon recht ungewöhnlich, aber man hat es eben so hingenommen.
Bei Möhrings auf dem Hof in der Waldstraße richtete man eine Wäscherei ein. Einige Frauen verpflichtete man, dort zu waschen. Zur Belohnung wurde Brot verteilt.
 
Seit jenen Tagen und Wochen 1945 gingen derweil 60 Jahre durchs Land,begleitet von gesellschaftlichen Veränderungen.Es stehen und entstehen Denkmäler,welche an die Vergangenheit in ihrer geschichtlichen Ursprünglichkeit erinnern.

Bei all den Verbindungen von Mensch zu Mensch,von Generation zu Generation sollten in jeder Hinsicht die menschliche Würde und die gegenseitige Achtung bewahrt bleiben. Das wünsche ich mir für Gegenwärtiges und Zukünftiges.
Fotos: Wodtke (2) , Repro: Archiv des Havelland-Kiosk (3)

Redaktionell bearbeitet von: Hans- Jürgen Wodtke am 28.01.2006


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