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Walther Specht - Ein havelländischer Heimatforscher

von Hans-Joachim und Ines Specht

Am 05.03.1873 wurde er in Rathenow geboren.
Dem Sohn eines Rathenower Lehrers standen schon seit früher Kindheit vielseitige Bildungsmöglichkeiten offen. Nach abgeschlossener Gymnasialzeit und folgender Lehrerausbildung kehrte er wieder in seine Heimatstadt zurück.
Seine Unterrichtstätigkeit übte er zunächst an der Hagenschule (heute Feuerwehrdepot) und später an der Jahnschule aus. Von Jugend an beschäftigte er sich mit der Heimatgeschichte.
Ab 1907 verwaltete er ehrenamtlich die Rathenower Stadtbücherei, die mit ihren 700 Bänden einen für die damalige Zeit stattlichen Bestand besaß.
1908 übernahm er auch noch das Amt des Stadtarchivars, das er, abgesehen von seinem Militärdienst, bis April 1920 versah.
Nach 1945 übte er dann noch das Amt des Kreisarchivars aus.

Bereits 1902 begann er mit der Veröffentlichung heimatkundlicher Beiträge als 8 seitige Beilage zum "Kreisblatt für das Westhavelland" unter dem Titel "Hie guet Brandenburg allewege". Diese Blätter für die Heimatkunde waren nummeriert und mit laufenden Seitenzahlen versehen. Damit waren sie zum Einbinden vorgesehen. Die Bände Nr. 1 bis Nr. 7 erschienen in der Zeit von 1902 bis 1922.

Später gab er nach dem gleichen Prinzip Beilagen in der "Rathenower Zeitung" unter dem Titel "Mein Havelland" heraus. Diese Blätter aus der Heimatkunde stammen aus der Zeit von 1934 bis 1938 und sind in den Bänden 1 bis 3 zusammengefasst. Für den Inhalt dieser Bände gewann Walther Specht kompetente Autoren, deren teils sehr umfangreiche Beiträge in Fortsetzungen erschienen. Artikel von ihm selbst fehlten dabei nie.

Große Verdienste erwarb er aber auch durch die Einführung eines Heimatkalenders. Ihm ist es zu verdanken, dass in Rathenow über 100 Jahre lang, mit kurzen Unterbrechungen, ein Heimatkalender herausgegeben werden konnte. Im ganzen Land Brandenburg schaffte das keine andere Kreisstadt.

1902 erschien die erste Ausgabe unter dem Titel "Der Havelbote", herausgegeben im Selbstverlag von Friedrich Johnsen und Walther Specht. Diese Ausgabe war kreisübergreifend und schloss umliegende Gemeinden mit ein. Dieser Kalender besaß ein kleineres Format als die späteren, aber eine hübsch aufgemachte Titelseite. Der Blick auf die Rathenower Altstadt mit Kirchturm bildet den Mittelpunkt. Er bildete mit dem Verzeichnis der Märkte und Messen, Kalendarium und dreizehn Seiten Werbeanzeigen nur von Rathenower Betrieben also den Vorläufer der später folgenden Kalender. Die Namen veränderten sich von "Kalender des Kreises Westhavelland", "Havelländsicher Heimatkalender" und "Kalender für Rathenow "– Westhavelland". Die Titel wechselten, seine Grundidee blieb aber erhalten.

Seit 1908 erschienen die Kalender, von Walther Specht redigiert, dann bis auf Kriegs- und Nachkriegszeit ziemlich regelmäßig. Sehen wir uns die ältesten an, so fällt auf, dass Walther Specht aus verschiedensten Wissensgebieten berichtete. Die Palette seiner Forschungsarbeit war von Anfang an sehr breit angelegt. Er schrieb über Volkskunde, aus der Tierwelt, über Bauwerke der Heimat, verfasste Dorfchroniken, berichtete über Geschichte und Entwicklung der Rathenower Gewerke und historische Begebenheiten unserer Stadt. Er würdigte bedeutende Persönlichkeiten, die eine Beziehung zu Rathenow hatten. Bis Anfang der dreißiger Jahre trug er die alleinige Verantwortung für den Kalender.

Reproduzierte Rathenower WanderbücherVon den Nazis wurde ihm Mitte der dreißiger Jahre die weitere Herausgabe der Broschüre verwehrt. Da er öffentlich gegen die Nazis auftrat, wurde er ebenfalls aus dem Schuldienst entlassen. Bis Kriegsende wurden die weiteren Heimatkalender von seinem Bruder Siegfried Specht herausgegeben.

Zu den Schriften, die in vielen Rathenower Haushalten ein "Muß" bildeten, gehörten die drei Wanderbücher von Walther Specht, in denen er Sehenswürdigkeiten unserer Stadt und ihrer Umgebung in Spaziergängen oder Radwanderungen einordnete.

Der Verkehrsverein brachte 1927 die "Chronik der Stadt Rathenow" heraus, die von Walther Specht verfasst war. Walther Specht gibt uns hier in extrem geraffter Form einen Überblick über die Geschichte unserer Stadt bis zum Jahre 1925.

Für die Hand des Schulkindes schuf er das "Havelländische Heimatbuch", dessen erste Auflage 1925 erschien. Hier führt der erfahrene Lehrer und Methodiker die 9 bis 10jährigen vom Grundriss der Schulklasse ausgehend, in das heimatliche Umfeld ein. In Text und Bild machte er die Kinder mit unserer Stadt bekannt. Ein Blick vom Kirchturm beleuchtete die weitere Umgebung. Geschichten und Sagen aus dem Havelland fehlten nicht, machten neugierig und regten die Lesefreudigkeit der Kinder an. Erläuternde Zeichnungen dazu führte er selbst aus.

Walther Spechts musische Seiten dürfen nicht unerwähnt bleiben. Lassen sich seine Artikel wegen ihrer ungeheuren Vielzahl nicht auflisten, so möge doch noch erwähnt sein, dass er auch Illustrationen in enormer Vielzahl fertigte. Viel gesungen wird auch das Havelland-Lied. "Es kommt mit hellen wogen gleich einem Silberband ..." Der Text stammt vom Rathenower Zahnarzt Max Krause, vertont hat es Walther Specht.

 Die letzte Ruhestätte von Walther Specht auf dem evangelischen Friedhof in Rathenow

Walther Specht führte seine Forschungsarbeit mit pedantischer Genauigkeit aus. Das sehr wertvolle Rathenower Stadtarchiv bot als Quellen originale Schriftstücke und Urkunden aus alten Zeiten an.

Bis Ende 1944 druckte die Havelzeitung regelmäßig Walther Spechts Aufsätze unter der fett gedruckten Leiste "Aus havelländischen Truhen". Diese kurzweiligen heimatgeschichtlichen Berichte bildeten damals eine besonders begehrte Lektüre. Fotos und Illustrationen von ihm selbst belebten die Texte.

Als Historiker beschäftigte sich Walther Specht immer wieder mit den Schicksalsschlägen unserer Region. Seinem nimmermüden Forschungsdrang verdanken wir eine Fülle von Einzelheiten aus unserer Heimatgeschichte.

Am 06.07.1948 verstarb nach einem schaffensreichen Leben der Lehrer und Heimatforscher Walther Specht.


Anmerkung der Redaktion:
Sowohl die "Chronik der Stadt Rathenow" als auch die "Wanderbücher Teil 1 bis 3" sind als Reproduktionen im Havelland-Kiosk erhältlich.


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