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Mit einem Glöckchen wurden die Schläfer geweckt

Woher das Klingelbüdelfenn bei Großwudicke seinen Namen hat

von Hermann Holzendorf

 

Kantor Eggert, um die Jahrhundertwende Lehrer in Wudicke, war als Heimatfreund und -forscher Schöpfer folgender Geschichte: Schon immer waren die Wudicker Bauern und Kossaten ein fleißiges Völkchen, mußten es wohl auch sein, denn ihr märkischer Sand gab freiwillig nicht viel her.

Kein Geld für das Kirchendach
So hatte ihre Woche sechs übervolle Arbeitstage, und vom siebenten waren oft nur die zwei Stunden freie Zeit, die sie in der Kirche saßen und versuchten, den Kampf gegen das Einschlafen zu gewinnen. Eine Weile gelang ihnen das auch, aber spätestens bei der Abmahnung des Pfarrers, beim Ausgang doch nicht den Teller der Kollekte zu übersehen, hatten seine Schäfchen abgeschaltet. Die Folge: kein Geld, um das Kirchendach zu reparieren, kein Geld, um die Orgelpfeifen von ihrer Heiserkeit zu kurieren. Da hatte der Küster einen Einfall. Frau Pastor und Frau Küster nähten aus schwarzem Samt einen taschentuchgroßen Beutel, der oben einen Drahtring zum Offenhalten und unten ein Glöckchen bekam. Der Erfolg beim sonntäglichen Gottesdienst war durchschlagend. Von den beiden Seitengängen und dem Mittelgang in der Kirche erreichte der Küster mit dem an einem Fahnenstock befestigten Beutel jeden Schläfer, der zarte Ton des Glöckchens drang wie die Posaunen von Jericho in ihre Ohren und ließ die Kollekte sprunghaft ansteigen. Der Gemeindekirchenrat kam zusammen, um zu beraten, wie man den Erfinder des „Klingelbeutels“ belohnen könnte. Nicht mit schnödem Mammon versteht sich. Halt, da war doch noch ein kleines kircheneigenes Ackerstück, das kein Bauer in Pacht nehmen wollte.

„Klingelbeutel“ hatte drei Erfolge
Eine Ecke, halb sumpfige Wiese, halb Sandacker, der größte Teil davon eine einzige „Schiinfläje“ (Scheinfläche, unfruchtbare Sand- oder Kiesfläche) von der es hieß: Da verhungern selbst die Spatzen in der Ernte! Aber immerhin, drei Erfolge hatte die Erfindung des Künstlers. Erstens: Kirchendach und Orgel konnten bald repariert werden. Zweitens: Der Küster hatte einen eigenen Acker. Drittens: Die bis dahin namenlose Feldflur hatte endlich auch einen Namen – Klingelbüdelfenn.

 

 

 

Redaktionell bearbeitet von Michael Borgmeier


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