Erika Guthjahr - Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow
von Dr. Heinz- Walter Knackmuß
Bürgermeister Ronald Seeger ging anlässlich des 90. Geburtstag von Erika Guthjahr ausführlich auf die Biografie der Rathenower Ehrenbürgerin ein:
Erika Guthjahr wurde am Montag, dem 12. September 1916 in Rathenow geboren. Es war kurz vor Mitternacht, wie ihre etwas abergläubische Mutter berichtete und dass sie Furcht hatte, ihr Kind könnte am 13. September geboren werden. Die Konstellation der Gestirne war wohl aber doch günstig.
 |
|
Erika Guthjahr- Porträt von Michael Student
|
Schon seit der frühesten Kindheit war das Zeichnen ihre Leidenschaft. Alles Papier wurde bemalt und wenn kein Papier da war, musste der Sand herhalten. Schon damals malte sie Sonnenblumen, die sie das ganze Leben als künstlerische Aufgabe begleitet haben.
Von 1923 -1935 besuchte sie das Viktoria-Luise-Lyzeum in Rathenow. Nach der Schule begann sie eine optische Lehre als Industriekaufmann bei Stegmann und Seeger. Nach dem Lehrabschluss arbeitete sie in der Firma Nitsche und Günther in der Kanzlei, im Versand und im Werbebüro.
Besonders freute sie sich über die Geburt ihres Sohnes Udo im Jahre 1944, der leider viel Unrecht durch den DDR-Staat erfahren musste und viel zu früh gestorben ist.
Als dann im Jahre 1947 ihre Tochter Ulrike-Marie geboren wurde, hatte sich ihr Leben auch in dieser Hinsicht erfüllt, Ihre Tochter musste ebenfalls durch den DDR-Staat schlimmste Erfahrungen machen. Erika Guthjahr liebte ihre vier Enkelsöhne über alles.
1946 besuchte sie ein Jahr lang die Wredowsche Zeichenschule in Brandenburg.
1948 wurden die pädagogischen Kenntnisse am Lehrerbildungsinstitut in Ludwigsfelde erweitert und sie übernahm 1949 (bis 1977) die Aufgaben als Kunsterzieherin und Deutschlehrerin an der Bruno- H.-Bürgel-Schule in Rathenow. Viele Generationen von Schülern sind durch ihre Hände gegangen. Als Kunsterzieherin an den Schulen hatte sie ihr ganzes Berufsleben über Arbeitsgemeinschaften für Kunsterziehung ehrenamtlich betreut.
Von 1977 -1991 war Guthjahr Dozentin an der Volkshochschule in Rathenow für künstlerisches Gestalten.
Seit 1995 gab sie Malkurse in der Rathenower Diakonie, Zahlreiche Ausstellungen in Rathenow, im Land Brandenburg und in Prag machten sie auch als Künstlerin bekannt.
Die erste Ausstellung war vom 30.11. bis 10.12.1946 in Rathenow, in der ehemaligen Hagenschule (jetzige Feuerwehr).
Es folgten unzählige Ausstellungen im Rathenower Kulturhaus, in der Musikschule in Rathenow, in der Volksbank Nennhausen und natürlich im Chorraum der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Malen und Zeichnen war ihr Hobby bis ins hohe Alter. Alle Berichte des Gesundheitsamtes tragen seit 1990 als Logo unter anderem die Kiefer vor Semlin von Erika Guthjahr.
Sie fand es wichtig, auch im Alter noch Aufgaben zu haben. So bliebe man geistig fit, meinte sie. Sie war nicht der Mensch, der nur vor dem Fernseher sitzen konnte.
Seit 1954 betrieb Erika Guthjahr die Wetterbeobachtungsstation Nr. 120413800, zuerst für das Wetteramt in Potsdam und später für den Deutschen Wetterdienst in Offenbach mit phänologischen Beobachtungen (verschiedenen Wachstumsphasen der Pflanzen).
Seit 1971 gab sie jedes Jahr einen Bilderkalender mit heimatlichen Motiven heraus.
Erika Guthjahr war auch immer an heimatkundlichen Themen interessiert. Inzwischen sind „Sagen und Geschichten aus dem Havelland" (1991), „Alte Rathenower Bauten" (1992), „Havelländischer Jahreslauf" (1994) und „Altes Handwerk im Havelland" (1999) erschienen.
1996 zum 80. Geburtstag wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Rathenow.
Sie war seit 1996 aktives Gründungsmitglied des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt- Marien- Andreas-Kirche in Rathenow e. V. und hat sich besondere Verdienste bei der Organisation der zahlreichen Ausstellungen in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche erworben, die dazu beigetragen haben, dass die Kirche der kulturelle Mittelpunkt der Stadt wurde.
Als Mitglied im Kuratorium des Förderkreises hat sie viele Anregungen für die Arbeit und die Ausstrahlung des Förderkreises gegeben. Mit der Idee Spenden für den Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt- Marien- Andreas- Kirche statt Geschenke zu ihrem 80, Geburtstag zu erbitten, hat sie vielen ein Vorbild gegeben. Anfragen aus verschiedenen heimatkundlichen Gebieten gingen so zahlreich bei ihr ein, dass es ihr schwer fiel, alle zu beantworten.
|

|
|
Letzte Ruhestätte der Familie Guthjahr auf dem evangelischen Friedhof in Rathenow
|
Am 23. Februar 2005 starb sie an den Folgen eines schweren Schlaganfalls mitten aus einer von vielen Planungen gekennzeichneten Schaffensperiode.
„Sie war in ihrem Leben eine sehr streitbare Frau und kämpfte bei der Sanierung der Schleusenbrücke für den Bestand einer alten Eiche, an die sie sich noch anketten wollte, um ihre Fällung zu verhindern", berichtete ihre Tochter Ulrike Wetz. Doch die Holzfäller waren schneller.
Am Dienstag, dem 12. September 2006 wurde deshalb zu ihrem 90. Geburtstag zu ihrer Erinnerung von den Enkelsöhnen in Anwesenheit von vielen Freunden eine kleine Eiche an der Schleusenbrücke gepflanzt. Die neue Eiche wächst nun genau gegenüber der viel umkämpften und dann doch gefällten Eiche.
Quelle: BRAWO vom 17.09.2006
Redaktionell angepaßt durch Redaktion des Havelland-Kiosk
Nachruf zum Tode von Erika Guthjahr als
pdf-Dokument
Mehr über das Schaffen von Erika Guthjahr hier
Kommentare sind zu dieser Seite nicht vorhanden! |
|
|
|
|

|