Albrecht Brommauer- ein Ostpreuße im Havelland
von Wolfram Bleis
Albrecht Brommauer zum Gedächtnis
Am Dienstag, dem 7. September 2004, verstarb plötzlich der Vorsitzende unseres Rathenower
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Albrecht Brommauer
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Heimatbundes Albrecht Brommauer. Es ist immer im wahren Sinn des Wortes „unglaublich", wenn man eine derartige Nachricht erhält. Der Gedanke taucht auf, das kann überhaupt nicht sein! Du hast doch noch vor einer Stunde mit ihm telefoniert, um den nächsten Termin für heute abzustimmen! Aber Albrecht kann diesen Termin nicht mehr wahrnehmen, und er wird auch keinen weiteren Termin mehr wahrnehmen können. Erst ganz allmählich wird einem diese Tatsache bewußt und legt die Gedanken an die gemeinsamen Erlebnisse der vergangenen Jahrzehnte frei.
Seit Herbst 1977 leitete Albrecht Brommauer ununterbrochen das Redaktionskollegium für die Herausgabe des „Rathenower Heimatkalenders", nachdem er bereits vorher mehrere Jahre in der Redaktion mitgearbeitet hatte.
Albrecht Brommauer war nie der Mann lauter Worte. Er vertrat sein Anliegen, die jährliche Herausgabe des Kalenders, mit einer unendlichen Beharrlichkeit und Geduld, einer außerordentlichen Sorgfalt und einer an Pedanterie grenzenden Genauigkeit. Gerade solche Eigenschaften haben es möglich gemacht, daß der Rathenower Heimatkalender allen Schwierigkeiten vor, während und nach der Wende zum Trotz bis heute regelmäßig und pünktlich erscheinen konnte.
Wie in vielen Fällen trifft auch für Albrecht Brommauer zu, daß es gerade die „Zugezogenen" sind, die sich mit besonderer Anteilnahme der Geschichte einer Region widmen. Geboren in Ostpreußen, wurden für ihn das Havelland und Rathenow zur neuen Heimat. Gerade der Gedanke, eine neue Heimat gefunden
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Letze Ruhestätte von Albrecht Brommauer auf dem evangelischen Friedhof in Rathenow
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zu haben, löst oft das Interesse an der Geschichte der Region aus, in der man jetzt seine neuen Wurzeln wachsen lassen möchte. Der Neuankömmling sieht Dinge, die dem Ortsansässigen oft verschlossen bleiben, weil er sie unbewußt als selbstverständlich und gewöhnlich ansieht. Erst wenn es Menschen gibt, die mit Sinn für die schönen und reizvollen Dinge einer Region darauf aufmerksam machen, wie wichtig die Werte der Heimat für unser aller Leben sind, werden diese Dinge auch von vielen anderen Menschen wahrgenommen.
Das zu vermitteln, war Zeit seines Lebens das Anliegen von Albrecht Brommauer. Wir, die wir ihn ein kürzeres oder längeres Stück des Weges begleitet und unterstützt haben, können sagen, er hat viele Menschen erreicht und das Bewußtsein für die schönen und wissenswerten Dinge aus unserer Region gestärkt und entwickelt.
Wir können sagen, Albrecht Brommauer hat sich um Rathenow und das Havelland verdient gemacht.
Quelle: Rathenower Heimatkalender 2006
Porträtfoto: Wilhelm
Albrecht Brommauer, Vorsitzender des Rathenower Heimatbundes e.V. und Lektor des Rathenower Heimatkalenders
von Erika Guthjahr
Der Ratenonower Heimatkalender, geschichtlicher Abriss
Seit über einhundert Jahren gibt es nun schon den Rathenower Heimatkalender. Außer in Krisenzeiten, wie Kriegen und anderen Notzeiten, erschien er ziemlich regelmäßig. Der unvergessene Heimatforscher Walter Specht brachte im Jahr 1902 ein heimatkundliches Jahrbüchlein unter dem Titel. Der Havelbote heraus. Es erhielt ein Kalendarium, Markttermine brandenburgischer Orte, Hinweise für die Landwirtschaft Wissenswertes über Sonnen- und Mondfinsternisse und Erzählungen aus der Rathenower Stadtgeschichte. Unter dem Titel „Im Elend "schilderte Specht die ergreifenden Ereignisse ab dem 4. Dezember 1394, als die Rathenower von den Soldaten des Erzbistums zu Magdeburg aus der Stadt getrieben wurden und bei grimmiger Kälte in den Wäldern oder bei Bekannten in den Nachbarorten Zuflucht suchten. Erst nach zwei Jahren konnten sie in die völlig ausgeplünderte Stadt zurückkehren.
Dieser erste Kalender im A6-Format war das Vorbild kommender Kalender-Generationen. Specht wählte später das A5 Format, wie es noch heute üblich ist. Er führte ihn als. Westhavelländischen Heimatkalender' bis 1944. Specht starb im Jahr 1948.
Erst neun Jahre später ließen Natur- und Heimatfreunde die Tradition wieder aufleben. Innerhalb des Kulturbundes fand sich eine Gruppe mit geschichtlichen und heimatkundlichen Kenntnissen, die den Kalender in ehrenamtlicher Arbeit gestaltete. Der Lehrer Emil Freimuth übernahm zunächst die Leitung bis 1967. Die Ausgabe 1968 gestaltete Gerda Hufenreuter aus Brandenburg/H. Ab 1969 führte Oberlehrer Ernst Adermann bis zu seinem Tode 1978 die Regie.
Albrecht Brommauer, 25 Jahre für den Rathenower Heimatkalender
Danach übernahm Albrecht Brommauer dieses Amt, das er 25 Jahre mit verbissener Beharrlichkeit
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Bis zu seinem Tode am 7. September 2004 kümmerte sich Albrecht Brommauer ein Vierteljahrhundert um die Herausgabe des Rathenower Heimatkalenders.
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versah. Mancherlei Schwierigkeiten, wie Papiermangel und Zensur, erschwerten bis 1990 seine Arbeit. Er formulierte es so: In der DDR war alles Schriftgut lizenzpflichtig. Dazu mussten Gutachten und Genehmigungen eingeholt werden. Für den Rathenower Heimatkalender stellten diese die Abteilung Kultur beim Rat des Kreises, die Kreisleitung der SED und die Abteilung Kultur beim Rat des Bezirkes Potsdam aus. Das Papier-Kontingent musste ein Jahr vor dem Druck abgesichert sein. So kam es, dass etwa ein Dreivierteljahr verging, bis der Druck erfolgen konnte."
Es war der Rührigkeit Brommauers zu verdanken, dass der Kalender trotz aller Widrigkeiten immer pünktlich erschien.
Im Jahr 1990/1991 entstand aus der Fachgruppe Heimatgeschichte der Rathenower Heimatbund e.V., ein unabhängiger Verein, der den Heimatkalender seither herausgibt.
Als Albrecht Brommauer am 7. September 2004 plötzlich starb, befand sich der Kalender für 2005 bereits im Druck. Seine Gedanken und Pläne kreisten bereits um die Vorbereitungen des Kalenders 2006. Man kann sagen, dass die Heimatgeschichte und Gestaltung des Kalenders zu seinem Lebensinhalt geworden waren. Die Auswahl der Artikel, um
deren Vielseitigkeit er stets bemüht war, die pünktliche Entgegennahme der Texte, das Bemühen um Werbeanzeigen und um öffentliche Zuschüsse sowie schließlich auch der Vertrieb füllten seine Tage voll aus. Immer war er mit dem Fahrrad unterwegs, auch seinen so geliebten Garten erreichte er per Rad. Obwohl der Heimatbund über eine Reihe von Mitgliedern verfügt, nahm er die organisatorischen Aufgaben und meist auch die Lektoratsarbeiten selbst in die Hand. Redaktion, Lieferung, Kassierung alles machte er selbst. Zwar sprach er immer wieder davon, „in den nächsten Jahren" einen Jüngeren an diese recht vielseitige Aufgabe heranführen zu wollen, doch dringend zu sein erschien ihm das nicht. Albrecht Brommauer hinterlässt eine Lücke, die nicht leicht zu schließen sein wird. Dennoch sollte es möglich sein, dass der Heimatkalender weiterhin erscheint.
Quelle: BRAWO
Foto: Hübner
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