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Johann Heinrich August Duncker
von Jupp Pütz

Erschienen zum 200. Geburtstag

„Der lebendig begabte Geist, sich in praktischer Arbeit ans Allernächste haltend, ist das Vorzüglichste auf Erden.“
Johann Wolfgang von Goethe

Er unterbrach sein ruheloses Hin- und Hergehen und starrte zum Fenster hinaus: Grau der Himmel, weiß die Erde. Die Dächer der unterhalb der Pfarrwohnung liegenden Häuser deckte der Schnee. Von der Havel her flog ein Krähenschwarm hinüber zum Weinberg, Schlafbäume suchend für den früh hereinbrechenden Abend. Wintermelancholie lag über der Landschaft.

Johann Jakob Dunckers Gedanken schweifen zurück ... fast erscheint es ihm, als sei es gestern gewesen, da Krähen und Raben üppigere Nahrung fanden als heute. Die Leichenfelder des Siebenjährigen Krieges ließen Rabe und Wolf träge und fett werden.

Der König in Potsdam hatte sein Ziel erreicht. Der Friede von Hubertusburg zwang Schlesien unter den preußischen Adler. Die Wunden des europäischen Krieges waren aber auch heute noch nicht vernarbt. Die hagere Gestalt des Pfarrers der Rathenower Stadtkirche fröstelte. Der Ofen strahlte nur eine mäßige Wärme in die kärglich eingerichtete Wohnstube; die Stellung eines protestantischen preußischen Predigers im Ackerbürgerstädtchen Rathenow war keine reich dotierte Pfründe.

Im Nebenraum, dem Schlafzimmer, rumorten die Weiberleute. Die Frau Pastor lag in Kindesnöten. Duncker nahm, von Angst und Vorfreude gleichermaßen getrieben, seinen Gang vom Fenster zur Stubentür, von der Stubentür zum Fenster wieder auf. Eben wollte er erneut die auf dem Tisch liegende gewichtige Lutherbibel aufschlagen, ein Kraft- und Trostwort zu suchen, da steckte eine helfende Nachbarsfrau den mit schiefsitzender Haube bedeckten Kopf durch die Türspalte des Schlaf gemaches und rief das heimlich ersehnte Wort dem Eheherrn zu: „Herr Pastor, es ist ein Junge!“

Der Kalender wies den 14. Januar 1767, als Johann Heinrich August Duncker im ärmlich-einfachen Schlafgemach des Predigerehepaares das Licht der Welt er­blickte ...
In diesem Jahr schrieb ein deutscher Literat, ein gewisser Gotthold Ephraim Les­sing, ein Lustspiel und nannte es „Minna von Barnhelm“.

II.
August Duncker war ein echter Junge. Nach der Schule strich er mit Gleichaltrigen durch die engen Straßen des Städtchens. Von der Magazininsel bis zum Jederitzer Tor erstreckte sich der Schauplatz seiner jugendlichen Tatenfreude. Das änderte sich, als Vater Duncker seinen Sprößling nach Salzwedel zum Gymnasium brachte.
August war ein fleißiger Schüler. Neben Latein war vor allem die Physik für ihn interessant. Das Erbe des Vaters zeigte sich in einem frischen Redetalent.
Ostern 1785 feierte er einen Triumph mit seiner selbstverfaßten Redeübung „von den aerostatischen Maschinen“, die er, unterstützt von einigen Kameraden, dem aufhorchenden Lehrerkollegium vortrug.

 

aktuelle Ansicht des Geburtshauses von J.-H.- A.-Duncker auf dem Rathenower Kirchberg

Geburtshaus von J.-H.- A. Duncker auf
dem Rathenower Kirchberg

Es schien zwar unmöglich, aber irgendwie schaffte es Vater Duncker doch, daß sein Filius die Universität zu Halle bezog, sich des Studiums der Theologie zu befleißigen. Bei dem dürftigen Monatswechsel, den der alte Herr dem Studiosus schickte, können wir annehmen, daß der findige Jünger der Alma mater durch die Erteilung von Nachhilfeunterricht zusätzliche Groschen auftrieb, seine Existenz etwas weniger asketisch zu gestalten, zumal das Hall'sche Bier zwar süffig war, aber nicht kostenlos ausgeschenkt wurde.
Der Wissensdrang des jungen Mannes wurde von der Theologie allein nicht befriedigt, neben Dogmatik und Homilektik blieb er der Physik treu. Er beschäftigte sich mit den Lehren und Gesetzen der Optik.
Bei seiner handwerklichen Geschicklichkeit blieb es nicht bei der Theorie. Hier kam ihm der Handfertigungsunterricht an den Francke'schen Stiftungen entgegen. Die Leiter jener vom protestantischen Theologen und Pädagogen August Hermann Francke 1695 gegründeten Erziehungsanstalt verfolgten eine überraschend „moderne" Idee: um die Einseitigkeit des Unterrichts aufzulockern, führten sie zur „Recreatio“, also zur Erholung, Drechseln und Glasschleifen ein, damit künftige Berufswahl gegebenenfalls erleichternd.

 

Neben Studium und Bierkomment fand August Duncker die Zeit das Schleifen optischer Linsen zu erlernen. Reiften hier schon Überlegungen, das künftige geringe Predigereinkommen durch handwerkliche, unternehmerische Tätigkeit aufzubessern?
Dem sei wie es wolle, jedenfalls besteht er die vorgeschriebenen theologischer, Examina mit Erfolg.

Der Zweiundzwanzigjährige kehrt zurück, um dem alternden Vater in der Seelsorge zu helfen...
Man schreibt das Jahr 1789. Der Menschenverächter in Sanssouci ist seit 3 Jahren tot.
Europa horcht nicht mehr auf den Marschtritt preußischer Grenadiere; alle Augen sind auf Paris gerichtet. Dort vollzieht sich das Unerhörte: das Bürgertum verkündet im Staub der niederstürzenden Bastille die Menschenrechte! An der Universität in Jena hält Professor Schiller seine Antrittsvorlesung: „Was, heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“...

 

Ducker-Denkmal vor dem Rathenower Hauptbahnhof

Das Duncker- Denkmal auf dem Rathenower Bahnhofsvorplatz erinnert an den Begründer der optischen Industrie in Rathenow

 

III.
Doch Rathenow lag weitab von der großen Welt. Nur leise und verzerrt drang der Lärm der Weltgeschichte in seine Mauern. Der junge Duncker teilte sich mit seinem schwerhörig und kränklich gewordenen Vater die Einkünfte der Archidakonatsstelle, das sind ganze 400 preußische Taler im Jahr. Da war Schmalhans Küchenmeister im Hause Duncker.
Noch dürftiger wurde das Einkommen, als August Duncker heiratete und seine Frau ihm mit der Zeit drei Kinder gebar, zwei Töchter und einen Sohn. August Duncker erinnerte sich seiner in Halle erworbenen handwerklichen Fertigkeiten auf dem Gebiete der Optik. Da er als hauptamtlicher Prediger kein Gewerbe betreiben durfte, mußte er einen Ausweg suchen, trotz Predigeramt Nebeneinkünfte zu erlangen.
Er schrieb eine Bittschrift an König Friedrich Wilhelm III. von Preußen wohl wissend, daß auch der weichliche Nachfolger des „Alten Fritz" Interesse für alles hegte, was mit Militär zusammenhing.
Und so ersuchte er um die Genehmigung zur Gründung einer optischen Industrieanstalt, in der er invalide Soldaten und Militärwaisenkinder beschäftigen wolle.

 

Am 10. März 1801 erhielt er die königliche Konzession. Das Fundament für Rathenow als Stadt der Optik konnte gelegt werden! Duncker brauchte dazu notwendig Kapital und kaufmännische Erfahrung. Beides besaß er nicht. Da bot sich ihm der Feldprediger des in Rathenow garnisonierenden Leibcarabinier-Regimentes, Samuel Christoph Wagener, an. Er hatte sowohl Geld als auch kaufmännische Kenntnisse.
Duncker leitete die technische Fertigung, Wagener sorgte für den Verkauf der Fabrikate.
Preußen aber besaß die erste optische Fabrik. Damit erhielt die Brillenstadt Nürnberg eine Konkurrenz, die ihr später gefährlich werden sollte…

IV.

Erste optische Produktionsstätte in Rathenow

Erste optische Produktionsstätte in Rathenow

Samuel Chr. Wagener gab 1803 eine vielbeachtete Chronik heraus "die Denkwürdigkeiten der Churmärkischen Stadt Rathenow“. Darin beschreibt er den Anlaß der Gründung des Unternehmens folgendermaßen:
„Der Wunsch, die Beschäftigungsarten des hiesigen Kunstfleißes zu vervielfältigen und die Jugend nach und nach an nützliche Erwerbstätigkeit zu gewöhnen. Künstlern und Handwerkern einigen Verdienst mehr zu verschaffen und für die altbrandenburgischen Provinzen einen neuen Manufakturzweig zu eröffnen, veranlaßte den Prediger, Herrn Duncker, und den Herausgeber dieser Rathenowgraphie, sich im Jahre 1800 miteinander zur gemeinschaftlichen Errichtung einer optischen Industrieanstalt  zu verbinden, darin fabrikmäßig alle Arten von Sehwerkzeugen gefertigt werden ...“

 

Soldatensöhne, die die Rathenower Garnisonsschule besuchten, waren die ersten Brillenschleifer im Dunckerschen Betrieb. Später lernte Duncker schulentlassene Jugendliche zum Schleifen der Gläser an.
Die Bodenräume des Archiediakonatsgebäudes und seine Stallungen dienten als erste Arbeitsstätten.

 

Nachbau der Duncker' schen Vielschleifmaschine im Rathenow Otikmuseum

Nachbau einer Duncker'schen Vielschleifmaschine im Rathenower Optikmuseum

Nach unermüdlichen Versuchen konstruierte Duncker eine durch Kinderkraft zu betätigende Maschine, die er sich als „Vielschleifermaschine“ patentieren ließ.
Mit dieser Vorrichtung wurden auf nassem Wege auf stillstehenden Schalen sowohl konvexe als auch konkave Gläser geschliffen. Der Schliff mikroskopischer Linsen konnte ebenfalls mit der Maschine durchgeführt werden. Erstaunlich ist die unerhörte Arbeitskraft Dunckers. Sie wird auf das glücklichste durch die schon erwähnte praktische technische Begabung ergänzt. Er gibt sich nicht zufrieden mit der öffentlichen Belobigung seiner Brillengläser und Linsen, er, der keinerlei Belehrung darüber empfangen hat, nimmt auch die Fabrikation von Brillenfassungen in verschiedenen Materialien wie Horn, Eisen, Stahl auf. Ja, er leitet auch seine jugendlichen Arbeiter an, Brillenfutterale anzufertigen. Nicht genug damit, gibt er ein selbst gefertigtes Kupferstichwerk über Giftpflanzen heraus, das lange Jahre im Schulunterricht dankbare Verwendung findet.
Und das Unwahrscheinliche ist, seine seelsorgerische Tätigkeit kommt dabei nicht zu kurz! Seine Predigten erfreuen sich großer Beliebtheit.

 

V.
Das Jahr 1806 dämmerte herauf. Es sollte das Sterbejahr des ehrwürdig-unglückseligen Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation werden. Napoleon stieß das ungefüge Gebilde, das in den Gräueln des Dreißigjährigen Krieges den Todesstoß erhalten hatte, ins Grab.
Mit wenigen Ausnahmen krochen die deutschen Fürsten vor dem Korsen auf dem Bauch. Sechzehn deutsche Fürsten bildeten unter seinem Protektorat den Rheinbund und erklärten dem Reichstag zu Regensburg, daß das Heilige Römische Reich aufgehört habe zu bestehen. Fortan gab es keinen deutschen Kaiser mehr, sondern nur noch einen Kaiser von Österreich.
Gegen die Stellung von 63 000 Soldaten als Hilfskontingent für die französische Armee durften die Rheinbundfürsten mit der ironischen Zustimmung Napoleons sich künftig König, Großherzog oder Herzog nennen.

Gedenktafel an Duckers Geburtshaus in RathenowPreußen unter seinem König Friedrich Wilhelm III. hatte geglaubt, durch mehrmaligen Frontwechsel auf dem diplomatischen Parkett, durch seine Nichtbeteiligung am 3. Koalitionskrieg gegen Frankreich und Anbiederung an Napoleon die größeren Vorteile aus dem Zusammenstoß der europäischen Großmächte erhandeln zu können.
Napoleon aber bot England das vorher Preußen zugesagte und bereits von preußischen Truppen besetzte Land Hannover an und provozierte dadurch Preußen bewußt zum Krieg.
In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt unterlag die veraltete, nach friderizianischer Lineartaktik fechtende preußische Armee den französischen Trup­pen hoffnungslos. Der preußische Staat brach zusammen. Das Diktat des übermütigen Siegers zwang Preußen mit dem Tilsiter Friedensvertrag von 1807 in die demütige Rolle eines machtlosen Kleinstaates …

Rathenow hatte durch durchziehende Truppen, preußische wie französische, gleichermaßen zu leiden. Harte Kontributionen schmälerten bescheidenen Wohlstand, machten die Armut noch bitterer.
Da es an Kaufkraft gebrach, ging die Produktion der Optischen Anstalt zurück.
Samuel Christoph Wagener zog sein Kapital aus dem ihm nun als unsicher erscheinenden Betrieb. Duncker, jetzt alleiniger Firmeninhaber, mußte über  l.000 Taler Schuld an Wagener abtragen. Dazu kam noch die allmähliche Rückzahlung anderweitiger Leihkapitalien. Erst seinem Sohn Eduard sollte es möglich werden, die Schuldenlast zu tilgen. Duncker mußte seine ganze Findigkeit einsetzen, um den Betrieb mit 5-8 Beschäftigten kümmerlich am Leben zu erhalten. Erst als die Befreiungskriege das verhaßte Joch der Fremdherrschaft zerbrachen, ging es mit dem Geschäft allmählich wieder aufwärts.
1815 hatte er bereits 30 Arbeiter eingestellt und mußte infolgedessen die bisherigen Betriebsräume, weil zu klein geworden, verlassen, um die sogenannten Prediger-Witwen-Häuser, Kirchgang 4-5, zu mieten.

VI.
Seiner zunehmenden Schwerhörigkeit zu begegnen, verbesserte Duncker das von ihm entwickelte Hörrohr.
Diese sogenannte Duncker'sche Hörmaschine  erhielt das preußische Patent und fand lohnenden Absatz. Nach 1815 beginnt im Hause Duncker zaghaft eine wirtschaftliche Behaglichkeit aufzublühen. Bislang war man aus drückenden Geldsorgen selten herausgekommen. Duncker war eben kein Geschäftsmann, man muß es nochmal sagen. Die ersten pekuniären Früchte des nimmermüden Fleißes konnten dem Duncker'sehen Haushalt endlich zugute kommen, als die Katastrophe hereinbrach!Der preußische Staatskanzler von Hardenberg bediente sich zur vollsten Zufriedenheit einer

Denkmal für die rathenower Optikbegründer Duncker/ Busch

Denkmal für J.-H.-A. Duncker, Sohn Eduard Duncker und Enkel Emil Busch, die Begründer Optik in Rathenow,

Duncker'schen Hörmaschine. Um mit ihm einige Verbesserungen abzusprechen, lud der Staatsmann den Erfinder nach seinem bei Glienicke, unweit Potsdam, gelegenen Landgut ein.
Das Schreiben rief in der Familie Duncker beträchtliche Aufregung hervor: der schlichte Prediger soll vor den preußischen Kanzler treten!
Der Mann im hochgeschlossenen dunklen Rock, mit peinlich weißem Vatermörder und akkurat geschlungenem Halstuch, den feierlich schwarzen Biberhut auf dem schütteren Haar, drückte sich befangen in die Ecke der Berliner Postkutsche. Und als ihn die elegante Equipage des Ministers in Berlin abholte zur Fahrt nach Glienicke, stieg die Beklommenheit des also Geehrten womöglich noch.
Hardenberg gab sich weltmännisch-herablassend. Bald lenkte er das Gespräch auf das Hörrohr. Die schüchterne Zurückhaltung, aus Angst gesellschaftliche Formen zu verletzen, wich einem offenen sachlichen Gespräch. Als Duncker verabschiedet wurde, mag der Diplomat dem schlichten würdevollen Rathenower Bürger achtungsvoll nachgeblickt haben...
Das Hardenberg'sche Renommee verhalf dem Betrieb zu weiteren Erfolgen.
Im August 1819 setzte sich Vater Duncker erneut in die Berliner Postchaise. Diesmal galt der Besuch der Tochter Jeanette und ihrem Ehemann, Kaufmann Busch, in Berlin.
Nach wenigen Tagen erkrankte Duncker schwer. Ein heftiges Nervenfieber erschütterte Körper und Geist. Er, der Nimmermüde, lag hilflos in den Kissen. Er erkannte nicht den berühmten Arzt, der mit dem Tode um das Leben seines Patienten kämpfte. Das Ehepaar Busch hatte den Geheimen Rat Dr. Heim an das Bett des Kranken geholt.
Nach monatelangem Ringen gelang es zwar dem großen Mediziner, den Körper August Dunckers zu erhalten, aber der Zweiundfünfzigjährige, der von Tochter und Schwiegersohn begleitet, nach Rathenow zurückkehrte, vegetierte in unheilbarer geistiger Umnachtung. Die tückische Krankheit hatte aus dem arbeitssamen, klugen und gütigen Manne einen kindisch lallenden Greis gemacht. Aber das Schicksal war noch grausamer! 23 Jahre, qualvoll für seine Angehörigen, unbemerkt von dem stumpfen Geist, war August Duncker noch zum Leben verurteilt.

 

Sein Sohn Eduard, eben 22 Jahre alt, übernahm das Geschäft und führte es mit zäher Beharrlichkeit allmählich aufwärts.

Endlich, am 14. Juni 1843, hatte die Marter ein Ende, August Duncker schloß für immer die Augen. ..

 

Grabstätte von Ducker auf dem evangelischen Friedhof in Rathenow

Letzte Ruhestätte der Familie J. H. A. Duncker auf dem evangelischen Friedhof in Rathenow

Das Spiel des Zufalls wollte es, dag im gleichen Jahr in Tübingen am Neckar ein großer Geist nach jahrzehntelanger Zerrüttung in die Todesnacht versank: Friedrich Hölderlin.
Es scheint kein Vergleich möglich zwischen diesen beiden Toten; der eine, ein schlichter rechtschaffener Hausvater und Handwerker, der andere, ein Genius des deutschen Volkes, ein zu spät geborenes Kind des antiken Griechenlands, an Deutschland leidend.
Und doch, der enge Lebenskreis des einen überschneidet sich dennoch mit dem himmelweit geschwungenen Lebenskreis des ändern; der Schnittpunkt heißt Humanität.
Hier bescheidene, aber praktisch wirksame Hilfe für den unter sozialer oder körperlicher Not leidenden Menschen, dort der Ruf an die Nation, deren feudale Oberschicht in ihrem verknöcherten Kastenhochmut die klagende Stimme Hyperions nicht vernehmen will...

 

VII.
200 Jahre sind vergangen, seit dem dunklen Wintertag, da August Duncker zur Welt kam.
Eine sozialistische Produktionsgenossenschaft trägt mit ihren begehrten Erzeugnissen seinen Namen in viele Länder.
Ob er wohl einverstanden gewesen wäre, wenn man ihm mitgeteilt hätte, dag einst ein großer optischer Betrieb Rathenows seinen Namen adoptieren würde? Ich glaube, ja. Seine auf das Gemeinwohl bedachte Gesinnung hätte in einer PGH etwas Grundvernünftiges gesehen.
Darum ist die Übernahme des Namens „Johann Heinrich August Duncker“ keine Anmaßung, keine Anbiederung, sondern etwas zwingend Folgerechtes!

Fotos/ Repros: Nadine und Hans- Jürgen Wodtke

Dieser Artikel erschien im Rathenower Heimatkalender 1967 und wurde mit Gestattung des Rathenower Heimatbundes e.V. daraus übernommen


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