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 Bankgespräche

von Günter Thonke (2004)

Fast täglich führe ich auf meiner Bank Gespräche. Ich sage meiner, obwohl diese Bank städtisches Eigentum ist. Mit meinem langen Leben habe ich bestimmt indirekt meinen Obulus als Steuerzahler dazu getan, wie es auch die anderen hier wandelnden Oldtimer meinen.
Die Themen gehen uns alte Zausel nie aus. Zumeist ärgern uns die jungen Nachgewachsenen, die am Abend auf unserer Bank auf dem Rückengeländer sitzend dies und anderes genießen. Auch stört uns die Gegenwart mit ihrem schnellen Wandel. Da kriegen wir vieles nicht mehr auf die Reihe. Aber mit ohne Handy bleibt uns die innere Ruhe.
„Schau mal nach die Bauchnabel von die jungen Dinger, für die ihre Nieren kannste deine mal in Spiritus lejen lassen. Die schaffen keene Joldene Hochzeit wie du, wenn se überhaupt noch heiraten! Wie hast du det bloß jeschafft, et so lange auszuhalten?" „Icke habe Dreie hinter mir, aber mit ne Vierte will et nich mehr klappen. Da ziehe ich den Hut vor jewisse Leute!" „Ach weeste Kaahlheinz, inne Hormonzeit habe ick immer jesacht, „wie du willst, Luise". Dann wurde se feurig, aber ihre Luft war raus und mein Stress war et nich geworden.
Jetzt int Alter habe icke et mit de Ohren und Durchzuch!" Zu meine habe ich immer jesacht: „Wie de meinst Berta! Und die hat imma jemeint bis heute!" „Is ja ejal, ihr habt ja noch eene Kommandantin zu Hause, braucht nur den Müll und de Treppe machen. Mia bleibt aber ooch allet. Jetzt wees ick erst, wat Haushalt machen heest. Nur de Fraun imma Recht jeben, wär nich mein Ding. Doch det muß icke wohl alleene ausbaden." „Mensch, nehm dir doch Eene als Ich-AG. Kredit krichste doch bei 'ne Bank. Wenne Koppstand machst, borjen se dir dein Jeld!" „Wär't gloobt wird selich.
Det is wie mit de Heimatsprache. Da weess keena mehr wiet richtich is. Det jing mir schon imma so!" „Ja so is det Lehm, imma ruff unt runta, rin und raus." „Zum Jlück vajessen wa det Beschissene schnell unt det Schöne bleipt in'n Sinn, wenn et ooch schon manchetmal Raupen in'n Kopp sint!" „Denn bewecht man euren Teumarismus und macht Platz vor junge Leute.
Hoffentlich steht unse Bank morjen noch mit de Leehne dran füa uns Alte unt dea Papiarkorb liecht nich umjekippt inne Büsche!"


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