In der guten alten Zeit, als noch alles seinen Trott ging, da hatten die Menschen nur andere Sorgen als heute gehabt und einige die fanden in Nischen ihr Brot. Sie waren mutig, etwas zu unternehmen. Das Bier brauten da schon die großen Brauereien und kleine Mengen an Braunbier lose zu verhökern, das wäre unter ihrer Würde gewesen. Karl Piel aus der Großen Burgstrasse aber zog mit seinem Zossen, der auf seine Bimmel reagierte, durch die Stadt und über die Dörfer. Aus den Fässern auf dem grünen Wagen zapfte er eimerweise Braunbier. Im Sommer wurde daraus ein erfrischender Trank. Das Bier wurde verdünnt in Flaschen gefüllt, mit einem Löffel Zucker angereichert und verkorkt im Keller einige Tage gelagert. Normalerweise war es danach sprudelnd frisch, doch war zuviel Zucker genommen worden oder wurde es zu warm gehalten, so konnte man die Decke weißen, wenn es unter hohem Druck die Flasche verließ. Karl Piel führte den Familiennamen eines damaligen Stummfilmhelden im Schilde und böse Buben sangen: „Harry Piel sitzt am Nil, wäscht sich die Beene mit Persil!“ Es hat ihm nicht geschadet, eher war es Werbung für ihn. Vielleicht wurde er auch über hundert Jahre alt, da er sein Bier auch selber getrunken hatte.
Anders ist es den Rossschlächter Otto Rumland ergangen. Er hatte nicht dieses biblische Alter erreicht. Aus welchem Rum-Land er einst gekommen war, das wusste das Rathenower Kind selbst nicht. Vom Rossschlachten reichte es zum Leben kaum und er hatte noch ein anderes Zubrot. Als die Kälte noch nicht aus der Steckdose kam, da verkaufte er das Stangeneis aus der Brauerei mit seinem Eiswagen. Bimmelnd lockte er die Frauen und Kinder mit „Vanille- ,Schoko, Erd- und Himbeereis, ehe diese mit Eimer oder Schüssel für eine Viertel Zelle Roheis für den häuslichen Eisschrank erschienen. Darin taute es vor sich hin, um die Butter nicht zerfließen und andere Dinge frisch zu halten. Speiseeis erzeugte man in einer rotierenden Büchse mit dem mit Viehsalz zerstampften Roheis aus den Eiskellern, welches es einst zuvor nur im Winter von Teichen geerntet gab. Eine Eiskellerruine steht noch auf dem Reichsbahngelände denkmalgeschützt. Damals gingen im Winter die Maurer eisen und die Zimmerleute schippten Schnee.
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