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Von Kluge wurde in Böhne heimlich beigesetzt

von Erika Guthjahr (†)


Die Paracelsus-Straße und die Friesacker Straße werden auf der Nordseite durch den Lutherplatz verbunden. Der Name diente wohl der Erinnerung ah den großen Reformator, für den es hier allerdings keinerlei Gedenkstätte gibt.
Bis 1945 gab es hier nur wenige Wohnhäuser und einige Wohnbaracken.
Der Heimatforscher Walter Specht, dessen Wohnung in der Kleinen Hagenstraße ausgebrannt war, wohnte nach dem Krieg in der Nr. 3 am Lutherplatz. Während des Zweiten Weltkrieges war er Mitarbeiter der „Havelzeitung" und gab deshalb alle anderen Ämter, auch die Leitung des
Günther von Kluge

GFM Günther von Kluge lebte von 1930 bis zu seinem Freitod mit seiner Familie in Böhne

 Heimatkalenders, ab. In der Zeitungsredaktion, wo durch den Krieg zu wenig Mitarbeiter zur Verfügung standen, war er stets zur Stelle, wenn sich in Rathenow oder in der Umgebung etwas Bedeutsames ereignete. Mit dem Fahrrad fuhr er umher, scheute weder Hitze noch Kälte, wenn es um Erkundigungen ging. Ein Beispiel von dieser unermüdlichen Einsatzbereitschaft zeigte sich bei  dem Sterbefall des General-Feldmarschalls von Kluge, dem Böhne gehörte.
Der Chefredakteur der „Havelzeitung", Friedrich Franz Babenzien, berichtete darüber: „Am 21. August 1944 kam der Schriftsteller Weiß, der in Böhne wohnte morgens mit der Meldung  „Der Feldmarschall ist da“
 Sofort wollte ich Specht hinschicken, um ihn befragen zu lassen, als Weiß sagte: 'Kluge ist tot, in der Kirche steht sein Sarg, ich habe ihn selbst gesehen. Gestern Abend wurde er gebracht! Als Walter Specht davon hörte, schwang er sich sofort auf das Fahrrad und fuhr hinaus, um Näheres zu erfahren. Mittags kam Specht nach Hause. Er hatte den in der Kirche aufgebahrten Feldmarschall gesehen. "
Mittlerweile gingen auch in Rathenow Gerüchte um. Ein Frisör erzählte seinen Kunden beim Rasieren, dass Kluge tot sei. Er erhielt sofort Besuch von einem Beauftragten derNSDAP, der ihm befahl, solche
Böhner Mousoleum

Neben dem Böhner Familien- Mousoleum fand Günther von Kluge seine letzte Ruhestätte

 Reden zu unterlassen. Der Generalfeldmarschall befinde sich an der Front. Nun rief Babenzien die Gestapo in Berlin an, um Genaueres zu erfahren. Man verwies ihn mit ganz energischer Stimme: „Kluge befindet sich an der Front. Wer etwas anderes behauptet, muss mit schwersten Folgen rechnen!" Indes war der Sohn von Kluge in der Zeitung erschienen, um Todesanzeigen drucken zu lassen. Das bedurfte amtlicher Genehmigung, die in Berlin erfolgte. Babenzien stellte den Antrag, bekam aber keine Antwort. Zu den Beisetzungsfeierlichkeiten fuhren dann Walter Specht, die Redakteurin Inge Wildau und der Standortälteste des Rathenower Militärs nach Böhne. Die Beerdigung erfolgte in aller Stille ohne staatliche Ehren.
Was war eigentlich wirklich geschehen?       
Widersprüchliche Gerüchte gingen um; Der Feldmarschall sei von einer Fliegerbombe  getroffen und
Gedenkstein für die Familien von Briest, von Briesen und von Kluge

An der Stelle des Mousoleums steht heute dieser Gedenkstein zur Erinnerung

 schwer verwundet - er sei getötet - er habe sich erschossen, weil er am Attentat des 20. Juli beteiligt war - er war verhaftet gewesen und habe sich auf der Fahrt nach Berlin durch Selbstmord der Verantwortung entzogen.
Tatsache war, das er in dem Verdachtstand, Mitwisser des Attentats gewesen zu sein. Einer dadurch zu erwartenden Bestrafung entging er durch Freitod.
Die Leichenschau bestätigte, dass er Gift genommen hatte.
Fast zehn Jahre später, 1953 veröffentlicht der Tagesspiegel folgende Auszüge aus einem Brief Kluges an Adolf Hitler: „Wenn sie diese Zeilen' lesen, bin ich nicht mehr. Ich  begebe mich dahin, wo schon Tausende meiner Kameraden sind. Ich weiß nicht, ob mein Nachfolger die Lage noch meistern wird. Ich wünsche es ihm. Sollte es aber nicht der Fall sein und die neuen heißersehnten Kampfmittel, insbesondere die der Luftwaffe nicht durchschlagen, dann, mein Führer, entschließen sie sich, den Krieg zu beenden. Das deutsche Volk hat so namenlos gelitten, dass es Zeit ist, dem Greuel ein Ende zu machen. Es muss Wege geben, dieses zu erreichen und vor allem zu erreichen, dass das Reich nicht dem Bolschewismus zufällt!... "
Quelle: Lokalpresse vom ?
Redaktionell von Hans- Jürgen Wodtke im Juli 2007 bearbeitet
Bilder: Michael Crone, Günther Thonke und Archiv des Havelland-Kiosk

mehr Infos zum Thema unter: "Der Sarg stand in der Kirche"
                                                      "G.v.Kluge, Generalfeldmarschall und Gutsherr von Böhne"

Anmerkung der Redaktion: Günter von Kluge wurde in Anwesenheit der Familie und von Freunden der Familie sowie unter Anteilnahme der Böhner Bevölkerung und der Bedinsteten des Gutes mit militärischen Ehren unweit von Böhne, neben dem Familien-Mousoleum, erdbestattet. Der Leichnahm wurde 1945, nach dem Einmarsch der Roten Armee , von Unbekannten aus der Gruft entfernt. Der Verbleib des Leichnams konnte bisher nicht geklärt werden.


  Kommentare

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Kommentar:1
von:Wolfgang Schulze
am:16.11.2008
um:17:28:01
Kommentar:Nach Kriegsende wurde nach Aussagen von Augenzeugen Marianne Mewes und Tochter Martha Mewes und auch aus anderen Bekanntschaften (Schäferei) und Verwandschaften, damals lebende Bürger, des Dorfes, die beobachtet haben und laut Aussage gesehen haben, dass russisches Millitär, den Generalfeldmarschall von Kluge ausgegraben haben. Man könnte sich auch mit dem Sohn und den beiden Töchtern der Familie Kluge in Verbindung setzen, eventuell durch das Deutsche rote Kreuz, wo beide oder eine der Töchter gearbeitet haben. Fragen Sie bei Interesse noch lebende gebürtige Böhner (sollte es sie noch geben)
Redaktion:
Vielen Dank für die Informationen. Es zeigt uns, dass auch nach über 60 Jahren noch lange nicht alles Wissen zu bestimmten Themen zusammen getragen ist. Das macht ja auch unsere Geschichte so spannend.

Ergänzungen zum Eintrag:
In der Vergangenheit gab es umfangreiche Untersuchungen zum Verbleib des Leichnams von Kluges. Daran haben sich verschiedenen Personen beteiligt.

Bekannt ist das Michael Crone, Enkel des Günther von Kluge, gemeinsam mit Philipp Freiherr von Boeselager umfangreiche Untersuchungen vorgenommen haben. Ihre Bemühungen waren bisher ohne Erfolg.

Die Vermutungen, dass der Leichnam von Kluges durch die Rote Armee der Gruft neben dem Mausoleum entnommen wurde liegt nahe, ist aber nicht verbürgt.

Zum Zeitpunkt des Geschehens haben sich nach Angaben von Zeitzeugen bis zu 40.000 Rotarmisten im Gebiet zwischen der Böhner Schäferei ( Mausoleum) und der Vieritzer Bünsche aufgehalten.
Von Zivilisten wurde in dieser Zeit deshalb das Gebiet aus verständlichen Gründen gemieden bzw. war ein passieren unmöglich.
Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Angaben der erwähnten Personen um Annahmen handelt. Aus deren Annahmen sich aber nicht der Verbleib des Leichnams ableiten lässt.
Hans- Jürgen Wodtke

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