Informativ
|
Geschichte(n)
|
Einkaufen
|
Dienstleistungen
|
Kontakt
Übersicht
Regionale Personen
Regionale Kunst & ...
Regionalgeschichte
Historische Souvenirs
Souvenirs der Rathenower Brautradition

Geschmack aus Sachsen-Anhalt

Weine aus der Saale-Unstrut-Region!

Erleben Sie die Vielfalt einheimischer Weine demnächst hier!

zurück Zu dieser Seite ist 1 Kommentar vorhanden! Seite drucken

 Die Bammer Jungmühle

von Grete Giesche

Als mein Vater noch lebte, war es seine größte Freude, sonnabends oder am Sonntag mit dem Rad über Land zu fahren. Mein Vetter und ich begleiteten ihn oft auf der Fahrt durch das Jerichower Land und durch den damaligen Kreis Westhavelland.
Am liebsten besuchte Vater die Müller. Er ließ sich ihre Mühlen zeigen und belebte sie danach mit guten Geistern oder bösartigen Kobolden.
Einmal waren wir in Bamme. Als am Abend eine Freundin meiner Großeltern, wir nannten sie „Tante Röschen", zu Besuch kam, sprachen wir von der Bammer Mühle. Die Tante stammte aus Bamme, und Vater frozzelte sie, ob einmal „de Katt mit ihren sieben Jungen" dort gehaust habe.
„Mockt mi keenen Schimmel swart", sagte die alte Frau, „de harr doar nich wohnt! Det is ne Wiewermöll weest un harr de ollen Wiewer wedder jungmoahlt. - Lach nich, du dummet Jöhr", fuhr sie mich an, „dit is woahrhaftich woahr. Mine Moddersch harr mi det oft jenuch verteilt, un mine Öllermodder harr noch de Lüt kennt!" Daraufhin taten wir lieb mit der alten Frau. Wir schmusten mit ihr, sie solle doch davon erzählen, Tante Röschen ließ sich erweichen und hub also an: „Also, det is inn'n Winta 1806/07 west. De Franzmänna, de harren sich in unse Dörp breet mockt un allet ratzekahl upjefrääten. Ihre Pär harren de Feller leer jefressen. Wat se nich jefressen, dit harren se zertrampelt. Dem Möller harren se de Säcke voll Koarn utem Schuppen jeklaut, un allet Barmen un Betteln harre nischt jenützt. De Koh harren se wechjetrieben, de Swin affjestoch'n un Häuhner un Gans' affjeschlacht't. De Möller harre sine Dochter in Rathenau mit'n Brillenschlieper verheirat't. Doa führ'n se imma zwischen Wiehnachten un Niejoahr hen. Nehm' Jeschlachtetet met un freun sich anne Enkelkinnerkens. Dit Joahr führ'n se schonst im November los. De Nachbarn wull'n schonst nachem Rechten kieken; denn de Bello, wat de Hofhund west is, den harren joa de Franzosen dotschloahn, äs he eenen von sie jebissen harr. Nur de Katt wier öwerjeblieb'n vont janze Viehzeuch. De sorchte joa sülwst for sich. De Möller nehm also eine Schuwkarre un sett de Fru rinne, weil se det mitte Been harre un trabte mit ehr na Rathnau. Icke weet nich, wat de Dochta for'ne Schnut mockt harre, äs de Ollsch so ohne allet ankähm. Too allem Ahrfluß wurde de olle Möllersche krank, un dünne hebben se se nachem Weinberch hinnebröcht. Harr woll de Möller bi sich dacht, einschichtich lewen, det wier ok keene Freude nich. He nehm sich een junget Menscher äs Fruu un ist met ehr in't Fröhjoahr na Bamme hentoomockt. Doa jo nu de Bammer von nischt nix wußt harren, wat in Rathnau passiert is, hebben de ollen Wiewer anjefangen zu tuscheln. Se sin sich einich west, de Molle, de wier woll eene Oltwiewer-mölle worr'n. Dünne hebben de Mutigsten sich een Herz faßt un den Möller druff anjesproch'n. De harre nur dumme jejrient un säht nischt. Druff hen zur Fru! De het ok nur jelächelt un säht ok nix. Doa steiht et bi de ollen Menschers fast, det dat, wat se annahm' deten, stimmt!
Nu joa! Se hebben dünne den Ollen direktemang druff annesproaken un de harre sich söben der ollsten to Vollmaundnach vor Walpurgis inneloajen. Alldieweil he meinte, doa künn'n se nich uffen Besenstiel nachem Rütschebarch rieten, wo sich Beelzebub mit ihn' verlustieren dät. So harren sich to de Tid de ollen Wiewer uffe Abenbank hinjepluslert. De Möllerslüed harren sich in Unkosten störzt, harren Stuten jebacken un Roggenkoff.ee uft'brüht. Dat looten sich de Söben jootschmecken un freuten sich wie de Kibitze, äs de Müller noch een Krug Holzäppelmost brachte. Dünne kern ok de groote Ogenblick, wo ihn' de Ernst det Lewens näherbröcht ward. De Möller setzte sich to sie uffe Bank, säht janz irnstlich: „Also, ji wüllen, dat ick ju wedder jungmahle?" Se nickköppten. „Nujoa", säht de Ollsch, „aberst doa sind jewisse Dinge, die ju bedenken mööten: Erstens: Wer een Kerl to Huus het, dat jeiht nich, det ick de Fru jungrnoahle. Wat sull son oller vertrockneter Bock mitte junge Fruu anfangen?" Doa stunn'n zwee uff, de to Huus ihre Männer harren, de jewili schon unjeduldich uff ehre Biersupp' luerten. Dünne säht de Möller: „Spitze Zungen könn'n ok nich jung mahlt werr'n! Det is ne Plag', de ulstarwen süll, un dit jeschieht nur, wenn de, de spitze Zun'n jebruken, utslarwen!" Doa fühlten sich wedder zwee annesproken, stunn'n uff un verschwanden. „Un drittens'', säht de Schalk von Möller to de dreien, de anne Bank annewassen wiern, „künn'n ji schriewen?" un äs se mitte Koppe schüttelten, „na, mockt nischt! Dünne mockt ji hier euer Krüüzchen. Aberst bedenkt! Doa jeht ihr aber de Verpflichtung in, alle Dummheiten eures früheren Lewens wedder to moaken. Wehe, ji mockt det nich!" Er hob sich vonne Bank, seggt janz irnstlich, nu will icke mal seihn, wie de Wind steiht un de Moll innen Wind dreh'n. Dieweil künnt ji jo de Sach arlejen!" So seeten de drei janz still und arlegten. Dünne stand de ein' uff. „Will man kieken, opper mit, de Moll torecht kümmt!" und verschwand uff Nimmerwiederseihn. De zweete rutschte uffe Bank hin und her, äs harre se Hummeln unterm Rock. So jriff nach dem Mostbecker. Da was aberst leer.

Die Reste der Bockwindmühle von Bamme
Bild aus der Märkische Volksstimme Juli 1987

„Nachdenken mockt durstig! Will man an'nen Brunn'n joahn!" un wier ok nich mehr to seihn. De dritte aber saß janz still un dachte nach. Se würd dünne woll wedder allen Jungkerls de Koppe verdrehn, un de zinnern Deerns wer'n wedder „Olle Hexe" hinner ihr herkrieschen. Nachher, don würd se wedder son Saufkirl un Fuuldirt zum Mann bekomm'n. wie der Selige gewesen, jedet Joahr int Wochenbett komm'n un de Kinnings bis uff de eene Deern uffen Kirchhof bringen. De würd' ihr, wenn se oll is un nicht miehr so ville schaffen künn, nich eenen Bissen Brot günnen un ehr jeden Happen innen Mund teilen! Nee! Wenn se dit allet noch eenmoal durchsteihn süll . . . nee . . . danke! Se harre von'l irste Moal de Näs' füll! Se bedachte sich aberst. Doa se sich nich nachseggen loaten wüll, se harren de Mollerslüed in Unkosten störzt, fummelt se inne Rocktasche rümme, bis se eenen Jroschen funnen harr. Den legte se neben den leeren Mostkrug. Dünne schmiß se de Döör so hart int Schloß, doamit es de Möller joa ok milkreg, daß se jangen wier.
De Möller harre mit sine Fru innen Schatten vom Stall stan'n. As nu rle letzte Ollsch furf wier, harre he sine junge Fru ümme Talje faßt, lächle un jaw ehr eenen Kuß. „Dil is woll för Soffi alltoostraker Toback wesl! Nu wer'n se uns woll in Ruhe loaten. Stine, die hebben nich eenmoal merkt, del de Moll' keene Oltwiewermöll ist! Nee! Eene Jungmännermölle is se! Jew mi man een Puß, Stinekin! De harren doch marken müßt, dat de Moll mi jung moahlt harr!" Soweit Tante Röschen.
Nur einmal hat also die Mühle das Wunder vollbracht. Zwar hat sie noch 120 Jahre mit ihren Flügeln „den Wind geschnitten". Unser Tantchen hat es nicht mehr erlebt, dass die Mühle den Betrieb einstellte.
Redaktionell bearbeitet von Hans- Jürgen Wodtke im Juni 2007

Dieser Artikel wurde im Rathenower Heimatkalender 1982, Seite 31-33, veröffentlicht und wurde mit Gestattung des Rathenower Heimatbundes e.V. daraus übernommen


  Kommentare

[<<] 1 [>>]


Kommentar:1
von:Frank Gallner
am:25.03.2011
um:13:08:02
Kommentar:Schöner Artikel, hatte dort vor einiger Zeit ein paar Verwandte und war als Kind ab und zu mal da. Leider leben diese dort nicht mehr.

[<<] 1 [>>]

zurückSeite drucken
Regionale Dienstleister

Ausgewählte Dienstleister aus dem Havelland stellen sich vor

Werfen Sie einen Blick auf unser aktualisiertes Angebot!
 

 
© Havelland-Kiosk - All rights reserved - Powered by wodtke media