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Plan der Schwedenvertreibung wurde 1675 in Böhne beraten

von Gerhard Seifert

Böhner Schwedenhaus
Das Böhner Schwedenhaus ( Ostansicht) erbaut 1661 von  Jacob Friedrich von Briest

Das Dorf Böhne, um 1420 wird es auch in Chronisten Tredebohne oder Villa Bohne genannt, besaß später zwei Rittergüter. Sie befanden sich- im Besitz der Familie Briest. Einer dieses Namens ging später in die Geschichte ein, weil er sich beteiligt hatte an der listreichen Vertreibung der Schweden aus Rathenow im Jahre 1675. Dieser Landrat von Briest beherbergte 1675 am Abend des 14. Juni den Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich  Wilhelm (später der Große Kurfürst, genannt), sowie einige seiner hohen Offiziere in seinem Hause in Böhne  zur Beratung über den Angriff auf Rathenow. Dieses Haus wird heute noch als das „Schwedenhaus" bezeichnet und steht unter Denkmalschutz.
Der durch die Schwedenvertreibung und andere Kriegstaten   bekannt gewordene Marschall Derfflinger war einer dieser hohen Offiziere,
Georg von Derfflinger

Georg von Derfflinger

Es ist überliefert, dass dieser an, dem besagten Tage um 23 Uhr mit einigen Dragonern Böhne in Richtung Rathenow verließ. Infolge der schlechten Wege kam er aber erst gegen 2 Uhr vor Rathenow an. Erzählt wurde, daß sich auch der Landrat von Briest an der Schwedenvertreibung aktiv beteiligt hat.
Er war mit den Soldaten nach Rathenow gezogen. Am Morgen des I5. Juni 1675 soll er vor dem   Haveltor vor Rathenow  mit einer Ladung Bier gestanden und den  schwedischen  Wachen  zugerufen haben: Mokt up, ick bin Briest, ick breiig je Behr." Der "Kutscher des ersten Wagens soll Marschall Derfflinger gewesen sein.
Heute wissen wir, dass die List  und   das Überraschungsmoment entscheidend waren für die
Vertreibung der Schweden aus Rathenow und ihre Verfolgung durch die sumpfige Gegend bis Fehrbellin, wo sie vernichtend geschlagen wurden. Viele Legenden wurden später in Böhne über Briest, den Kurfürsten und Derfflinger erzählt.
 
Denkmal des Großen Kurfürsten in Rathenow

Denkmal des Großen Kurfürst in Rathenow

Offenbar verfiel Böhne dann wieder über ein Jahrhundert lang in den Dornröschenschlaf. Erst 1806, als sich die Heerscharen Napoleons gen Osten bewegten, sind wieder Überlieferungen vorhanden, die ein Pastor Grabenhorst im Kirchenbuch aufgezeichnet hat Er erwähnt, daß die Bewohner des Ortes durch plündernde Franzosen sehr gelitten haben, sowohl 1806 als auch 1813, als diese, von den Russen und Preußen verfolgt, wieder durch den Ort zogen. Die Völkerschlacht bei Leipzig setzte ihrem Treiben wenige Monate später ein Ende.

Die Bewohner von Böhne lebten - damals wie heute vorwiegend von der Landwirtschaft.  Deshalb ist in der Chronik auch vermerkt, wenn es Probleme mit dem Dreschen des Getreides gab. Das war z. B. 1823 bis 1827 der Fall. Für den Scheffel Roggen (40 Kilogramm) wurden nur 1.75 bis 2,25 Taler gezahlt. Das änderte sich erst 1826, als in England eine Missernte war. Dann gab es für den Scheffel Getreide 9 Taler. Doch nun kam ein anderes Missgeschick auf die Dorfbewohner zu. In den Jahren 1829 bis 1831 gab es große Überschwemmungen durch die Havel, starke Froste kamen hinzu, so daß kein Getreide verkauft werden konnte.
VK Gerhard Seifert in der Märkischen Volksstimme vom 20.07.1985
Foto: Wodtke (1)
Repros: Archiv des Havelland-Kiosk  (2)

Mehr Infos: hier


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