1845 wurde Böhne vom Elbe- Hochwasser bedroht
von Gerhard Seiffert
Obwohl auch aus den Haveldörfern Hilfskräfte zur Sicherung der Elbdeiche entsandt worden waren, brach das Elbewasser am Mittwoch, dem 1. April 1845, durch. Einen Tag später kamen die Fluten der Elbe mit Hoher Geschwindigkeit in Richtung Havel dahergebraust.
 |
|
Bei der Heuerte
|
Der Königsgraben bei Böhne war nicht imstande, die großen Wassermassen aufzunehmen und abzuleiten. Die Wasserflut überschwemmte Wald und Flur und stürzte sich dem Bett der Havel zu. Die Havel liegt hier annähernd 4m tiefer als die Elbe.
Damit sich das Elbewasser nicht in das Dorf ergießen könne, wurde in der Eile vor dem Westende des Ortes ein Damm aufgeworfen. Er verwehrte der Flut den Eintritt. Zwischen Böhne, Bützer, Vieritz, Buckow und Rathenow hatte sich eine einzige Wasserfläche gebildet.
Der Kossat Krüger aus Vieritz fuhr Donnerstag gegen Abend, von Rathenow kommend, den Brautwagen des Schmieds Bittkow mitten durch die Wassermassen. Das war ein tollkühnes Unternehmen! Er ist aber gut hindurch gekommen.
Drei Tage, von Donnerstag, dem 2. April, bis Sonnabend, den 4. April, dauerte der Wasserzufluß von der Elbe. Danach begann der Abfluß. Nach 14 Tagen waren die Felder mit Ausnahme der Niederungen wieder frei von Wasser. Nun erst zeigte sich der durch die Überschwemmung angerichtete Schaden in vollem Umfang.
Sämtliche Brücken über den Königsgraben, etwa um 1786 angelegt, waren fortgerissen und weggeschwemmt. Auch das in dem Gutsforst, im „Pappert", aufgestapelte Holz war fortgeschwemmt worden. Die Trift vom Dorfe nach Rathenow war nicht zu passieren. Die Flut hatte 12 Fuß (ein Fuß etwa 0,3 m) tiefe Löcher von ziemlicher Breite hineingerissen. Sie war in den ersten vier Wochen, so lange dauerte die Auffüllung, nur mit dem Kahn zu befahren. Die Upstallwiesen waren so stark versandet, daß sie erst geräumt werden mußten, und der Acker war so aufgeschwemmt, daß es geraume Zeit bis zur Sommerbestellung dauerte.
 |
|
Polnische Schnitter bei der Getreideernte
|
Kantor Levin hat auch einen kurzen Überblick über den damals üblichen „Hofedienst" gegeben, den Frauen und Männer aus Böhne auf den Gütern zu leisten hatten. Die Männer mußten in der Woche einen Tag für den Gutsbesitzer arbeiten. Von Johannestag ab (24. Juni) erhöhte sich der Dienst auf 2 Tage und in der Roggenernte sogar auf 3 Tage, bis alles abgemäht war. Zusätzlich mußte noch ein Harker für die Getreideernte gestellt werden, das waren entweder die Kinder oder die Ehefrau.
Der Hofedienst der Frauen begann mit den ersten Frühjahrsarbeiten im Garten. Die Frauen waren an einem anderen Tag als die Ehemänner verpflichtet. Alle Frauen mußten mit der gleichen Arbeit beschäftigt werden. War aber nicht für alle genug Arbeit da, oder die Herrschaft, befürchtete, daß das Essen, das sie zu reichen verpflichtet war, sich nicht bezahlt machen würde, so ließ sie die Arbeit so lange liegen, bis für alle Frauen genügend vorhanden war. Mitunter wurden auch Tagelöhner für solche Arbeiten eingesetzt
Quelle: VK Gerhard Seiffert in der Märkischen Volksstimme im August 1985
Fotos: unbekannt, vermutlich Bestandteil des Pressebeitrages Redaktionell bearbeitet von Hans- Jürgen Wodtke im Juni 2007 Kommentare sind zu dieser Seite nicht vorhanden! |
|
|
|
|

|