Eine Reise in die Vergangenheit: Die ehemaligen Gutshäuser von Groß und Klein Behnitz im Havelland
von Hanspeter Fritzsche und Karl-Joachim Giese (1999)
Die beiden Dörfer Groß und Klein Behnitz südwestlich von Nauen gehören nicht gerade zu den bekanntesten Orten im Havelland. Besonders die liebliche und sehr waldreiche, seit längerem durch markierte Wanderwege erschlossene Umgebung wartet noch auf Entdeckung durch naturhungrige Stadtbewohner. Längst ist der Bahnhof an der im Herbst 1998 wiedereröffneten Linie Berlin - Hannover stillgelegt und lediglich Wohnhaus. Das Gutshaus in Groß Behnitz - Schloß genannt - ist 1947 durch Fahrlässigkeit abgebrannt und die Ruine längst abgerissen.
Aber noch immer gibt es Zeugen der wechselvollen Jahrhunderte, eingebettet in die deutsche Geschichte und die großer Persönlichkeiten.
Während Groß Behnitz eine völlige Neugründung war, knüpfte Klein Behnitz an die vorhandene kleine slawische Siedlung am Ostufer des Klein Behnitzer Sees an.
Der Name Behnitz ist slawischen Ursprungs und bedeutet soviel wie Niederung, nach anderer Deutung „Siedlung der Nachkommen des Ben", wahrscheinlich eines Adligen oder Heerführers.
Das Gebiet am Ende der Beetzseenkette ist uraltes Siedlungsland. Schon in der mittleren Steinzeit lebten hier Menschen. Etwa seit 500 unserer Zeitrechnung besiedelten slawische Stämme das Havelland, nachdem die germanischen Sueben während der Völkerwanderung das Land verlassen hatten. Scherbenfunde lassen die verschiedenen Epochen der slawischen Besiedlung erkennen. Die Slawen des Havellandes gehörten zum Stammesgebiet der Heveller (neuhochdeutsch = Havellandbewohner).
Anzunehmen ist, daß die in der Mark Brandenburg bekannte Familie von Rochow vom Markgrafen mit der Gründung unserer Dörfer beauftragt wurde. Das Landbuch Karls IV. von 1375 vermerkt, daß die Rochows „von alters her" die Dörfer Behnitz besessen hätten. Gründer war vermutlich Wichard von Rochow.
Unter dem Markgrafen Jobst von Mähren wurden bei seinen Aufenthalten 1403 und 1409 alle markgräflichen Rechte an den Dörfern Groß und Klein Behnitz an die Rochows verkauft. Damit nimmt die Geschichte der Güter ihren Lauf.
Hans von Rochow, zu dieser Zeit Gutsherr in Klein Behnitz, besaß schon zwei Hufen in Groß Behnitz, die er wohl vom Markgrafen Jobst von Mähren erhalten hatte. Mit diesen zwei und fünf weiteren, wüst gewordenen, bauten die Rochows auch ein Gut in Groß Behnitz auf, so daß sie nun in beiden Dörfern saßen.
Um 1500 besaß Christoph von Rochow die Güter in Groß und Klein Behnitz. Nach seinem Tode um 1536 beerbte ihn sein Bruder Joachim, Stammvater der Gollwitzer Linie.
Die Rochows vergrößerten ihr Gut in Groß Behnitz auf 10, später auf 14 Hufen. Die Leibeigenen - „Untertanen" - konnten sich dagegen nicht wehren, unterstanden sie doch der Gerichtsbarkeit des Gutsherrn.
Den Besitz konnten aber die Rochows nicht halten. Ludolf von Rochow mußte 1579 die Hälfte des Gutes und des Dorfes Klein Behnitz an die Familie von Knoblauch auf Pessin für 7.364 Taler und 12 Silbergroschen verkaufen. Das Geld hat aber wohl nicht lange gereicht, denn 1582 verkaufte er die andere Hälfte an Joachim von Bardeleben auf Selbelang. Diese Familie besaß auch die Güter in Hoppenrade, Satzkorn, Bernitzow und Ribbeck. Zu dieser Hälfte gehörten das Schultheißenamt, Gerichtseinnahmen, die Pachten, Zinsen, Hühner, Eier und Dienste. Dazu kamen die Hasenjagden, die Fischereien, die Entenschläge, die Schäferei, die Meierei, Hütungen, Sommerweiden und Triften [Viehwege], die halbe Windmühle auf der Feldmark und der halbe See, Grashöfe und Gärten, auch 6 Hufen Acker, darunter l 1/2 Pfarrhufen mit Holzung, die halben Breiten der ganzen Feldmark und die halben Teile der Pfühle in der Feldmark.
Wegen der „bedränglichen Schulden" und der notwendigen Aussteuer der Tochter seines Bruders Abraham sah sich Ludolf von Rochow schließlich genötigt, Gut und Dorf Groß Behnitz für 21 Jahre an Joachim von Bardeleben zu verpfänden.
Als von Bardeleben das Gut Klein Behnitz erwarb, war sein Anteil am Dorf vier Huftier und fünf Kossäten. Der Anteil der Knoblauchs betrug auch vier Hüfner, aber nur drei Kossäten.
Gleich nach 1600 kaufte von Bardeleben den Anteil der Knoblauchs auf, so daß ihm nun das ganze Dorf Klein Behnitz gehörte. Er teilte sich den Besitz mit seinem Bruder Wichmann.
Joachim von Bardeleben ersuchte den Kurfürsten um die Genehmigung, das halbe erworbene Dorf seiner Frau als Leibgedinge zu überschreiben.
Er ließ sich in der dortigen Kirche eine Gruft anlegen, in der er nach seinem Tode 1604 beigesetzt wurde.
Nun übernahm Joachim von Bardeleben II., der Sohn Wichmanns, die Güter Selbelang und Klein Behnitz. 1605 wurde er vom Kurfürsten belehnt.
1605 war auch die Frist für die Überlassung des Gutes Groß Behnitz an die Rochows abgelaufen. Die Witwe Bardelebens, Hippolitha, gab Gut und Dorf an die Rochows zurück, die es jedoch auf Dauer nicht halten konnten. Gut und Dorf Groß Behnitz wurden für 20.650 Taler unter Zuzahlung von 4.500 Talern (Erbkauf) an den reichen Gutsbesitzer Dietrich von Brösigke aus Ketzür veräußert. Es konnte also nicht rückgekauft werden.
1614 erhielt Dietrich von Brösigke den Lehnsbrief für Groß Behnitz vom Kurfürsten Johann Sigismund von Hohenzollern. Nach dessen Tode erhielt von Brösigke 1620 die Bestätigung seiner Rechte vom Nachfolger Georg Wilhelm.
Joachim von Bardeleben II. mußte sich häufig Geld leihen, das er nicht zurückzahlen konnte. So war er gezwungen, seinen Besitz an Asmus von Bredow auf Zeestow, Wolf von Fabian auf Gartow und an Balthasar und Jürgen von Lohe auf Braunsberg und Wustrau für einen Betrag von 4.000 Talern zu verpfänden.
Er starb 1639. Sein minderjähriger Sohn Joachim von Bardeleben III. übernahm das Gut. Er erhielt 1641 den Lehnsbrief. Da die Schulden aber inzwischen auf 12.000 Taler angewachsen waren und auch die Gläubiger ihr Geld verlangten, ging das Dorf 1646 in den Besitz von Asmus von Bredow, Wolf von Fabian und den Brüdern von Lohe über.
1650 wurde das Gut Klein Behnitz für 9.000 Taler an den Rittmeister Michael Greinert verkauft, einem Neffen des in Groß Behnitz bis 1659 amtierenden Pfarrers Bäumichen. Greinert stammte aus einfachen Verhältnissen, denn er war des Schreibens unkundig. Seine wirtschaftliche Lage war nach 1650 keineswegs günstig, denn er hatte noch 3.000 Taler Restkaufschuld.
Greinert starb 1692, und sein Sohn Andreas Friedrich, verheiratet mit einer Schwester des Spandauer Bürgermeisters Neumeister, übernahm laut Testament das Gut.
In Groß Behnitz ging der Gesamtbesitz 1657 mit dem Tode Gabriels von der Weyden an seine Witwe über. Nach ihrem Tode wurde laut Testament Herr auf Groß Behnitz ihr Neffe Adam Georg von Schlichen.
Am 13. Oktober 1685 übertrugen die Brösigkes, da sie nicht in der Lage waren, das Gut Groß Behnitz zurückzuerwerben, ihr Lehnsrecht an den Kurfürstlichen Geheimen Rat Johann Friedrich von Rhetz. Von Rhetz hatte in Frankfurt/Oder studiert und dort 1660 die Würde eines Doktors der Rechtswissenschaften erworben. 1661 wurde er Nachfolger von Professor Rüsselmann als Professor für Geschichte. Einige Jahre bekleidete er das Amt eines Rektors der Universität. 1682 erhob ihn Kaiser Leopold in den Adelsstand, und am 16. August 1685 erhielt er vom Kurfürsten das Diplom als Wirklicher Geheimer Rat.
Von Rhetz kaufte das Gut Groß Behnitz für 10.000 Taler ohne Abzug des Lehnspferdes samt allem Zubehör von dem Komtur Adam Georg von Schlieben und erhielt am 9. November 1685 den Lehnsbrief. Damit kam ein Gutsherr nach Groß Behnitz, der zum Hofgefolge des Landesherrn gehörte.
Nach von Rhetz Tode 1707 verwalteten die Vormünder der Kinder, Gottlieb von Dechen und David Gottlieb von Gersdorff, das Lehen. Durch den Tod des unmündigen Friedrich Karl Magnus von Rhetz 1716 erlosch die männliche Linie. So übernahmen 1717 der Generalmajor und Amtshauptmann David Gottlieb von Gersdorff und seine Gemahlin Margarete Elisabeth, geb. von Rhetz das Gut in Groß Behnitz.
In Klein Behnitz starb 1715 Andreas Friedrich Greinert. Er wurde in Klein Behnitz begraben. 1728 gehörte Klein Behnitz Herrn Brandhorsten, Feldscher bei der Langen Garde Friedrich Wilhelms I.
1730 lief die Wiederkaufsfrist für die Bardelebens aus. Ein Belehnungsgesuch des Rittmeisters Matthias von Bardeleben war bereits abschlägig beschieden worden, so daß die Nachfolger des von Rhetz das Gut für 9.000 Taler einlösen konnten. Somit befanden sich beide Güter in Groß und Klein Behnitz in der Hand des von Gersdorff. 1728 starb Catharina Elisabeth von Rhetz in Berlin. Sie wurde in der Kirchengruft Groß Behnitz beigesetzt. Von Gersdorff starb 1732 mit 44 Jahren in Spandau.
Von Gersdorffs Witwe starb 1748 in Berlin. Auch sie wurde in Groß Behnitz beigesetzt. Die Tochter Luise heiratete den Geheimen Staatsrat von Viereck, der bis zum Königlich Preußischen Staatsminister aufstieg. Er wohnte neben seiner Schwiegermutter in der Berliner Königstraße. Von Vierecks drei Töchtern heiratete 1739 Charlotte Sophie den Major August Friedrich von Itzenplitz, der aus Jerchel in der Altmark stammte. Durch die Heirat kamen die Güter Behnitz in den Besitz der Familie von Itzenplitz.
Von Itzenplitz stieg zum Kommandeur des Regimentes Nr. 13 auf. 1758 erhielt er den Schwarzen Adlerorden. Die Güter in Behnitz hatte er bei der Erbauseinandersetzung mit den beiden Schwestern seiner Gattin mit erheblichen Belastungen übernommen.
1753 bestellte General von Itzenplitz den 22 Jahre alten Johann Christoph Wöllner zum Hofmeister seines damals 13-jährigen Sohnes Friedrich. 1754 berief er ihn auch zum Pfarrer der Gemeinden Groß und Klein Behnitz.
Wöllners Ehrgeiz ging jedoch über den eines Dorfpfarrers hinaus. Er legte 1780 sein Amt nieder, weil sein Interesse der Landwirtschaft galt. Als 1759 General von Itzenplitz an seiner Verwundung starb, bot sich eine Gelegenheit. Wöllner besaß das Vertrauen seiner Gutsherrin, Charlotte Luise von Itzenplitz, die ihm 1760 die Verwaltung ihres Gutes übertrug. 1762 pachtete Wöllner das Gut von ihr. Nach Ihrem Tode 1770 trat Wöllner als Kammerherr in die Dienste des Prinzen Heinrich, des jüngeren Bruders Friedrichs des Großen.
Die Generalin Charlotte Luise von Itzenplitz wurde in der Erbgruft in Groß Behnitz beigesetzt. Erben waren der 1740 geborene Sohn Friedrich Wilhelm Gottfried und die Tochter Charlotte Amalie Wöllner.
Friedrich Wilhelm Gottfried von Itzenplitz übernahm die Güter Behnitz und das Stammgut der Familie in Jerchel. Er erhielt die Würde eines Domherrn von Havelberg.
1780 vermählte er sich mit Auguste Luise von Eikstedt aus Skanderbeg in Jütland.
1771 kam es zwischen den Geschwistern von Itzenplitz zu einem Erbvergleich. Der Wert der beiden Güter wurde auf 88.000 Taler festgelegt (Klein Behnitz 28.000 Taler). Die von Wöllner angelegten großen Maulbeerplantagen wurden diesem auf Lebzeiten überlassen. Er bekam eine Abfindung von 53.745 Talern.
Friedrich Wilhelm Gottfried von Itzenplitz starb 1772 mit 32 Jahren. Er wurde neben seiner Mutter im Erbbegräbnis in Groß Behnitz beigesetzt.
Einziger Erbe war sein noch minderjähriger Sohn Peter Ludwig Alexander Johann Friedrich von Itzenplitz. Als Vormund des jungen Gutsbesitzers werden der Geheime Revisionsrat Schüler, der Syndicus Hugo und der Justizrat Lemke genannt. Beide Güter wurden verpachtet. In Klein Behnitz waren Ende des 18. Jahrhunderts Amtmann Itzels und später Wasmannsdorf Pächter, in Groß Behnitz George Mathias Baath.
Baath bewirtschaftete das Gut von 1773 bis zu seinem Tode 1781. Sein Grabstein steht an der Kirche in Groß Behnitz. Die Pacht übernahm der Neffe Carl Friedrich Baath bis zum Jahre 1794, in dem der junge Itzenplitz mündig wurde.
Theodor Fontane hat dem Amtsrat Baath in seinem Buch „Denkmal Albrecht Thaers" einen Abschnitt gewidmet.
1792 vermählte sich Peter von Itzenplitz mit der gleichaltrigen Henriette Charlotte von Bork, genannt Friedland, der Enkelin des durch die Schlacht von Torgau bekannt gewordenen Generals von Lestwitz.
Im Frühjahr 1794 kehrte Peter von Itzenplitz von einer Studienreise nach England zurück.
Der noch nicht 25jährige übernahm jetzt das Gut in die eigenen Hände. Es wurde solange (seit 1780) von Herrn Itzholz in Klein Behnitz verwaltet.
Von Itzenplitz baute jetzt am See von Groß Behnitz ein großes Haus aus Stein, das Schloß. Mit der Errichtung des Schlosses war auch der Bau neuer Vorwerke Quermathen, Heineberg und Friedrichshof verbunden. Die bedeutendste Maßnahme des Itzenplitz aber war die 1797 durchgeführte Separation.
Den Gutspark ließ von Itzenplitz ebenfalls erneuern. Häufig weilten jetzt in Groß Behnitz Gelehrte und Künstler. So schrieb hier Friedrich Karl von Savigny die Einleitung zu seinem Werk „Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter". Bei Besuchen in Groß Behnitz und in Cunersdorf lernte von Itzenplitz den Reformator der deutschen Landwirtschaft Albrecht Thaer kennen. Als die Franzosen 1803 Hannover besetzten, nahm Peter von Itzenplitz die Frau und die Töchter Thaers auf.
Im Herbst 1829 starb mit 65 Jahren der Gutsherr nach einem Sturz vom Pferde. Die Leiche wurde nach Cunersdorf überführt. Sein Grabmahl dort und das seiner Gemahlin schuf der Bildhauer Rauch, auch häufiger Gast bei Peter von Itzenplitz.
Erbin und Verwalterin der Güter war seine damals 61jährige Gemahlin Henriette Charlotte. Sie starb 1848. Ihr Sohn Friedrich Joseph Carl Graf von Itzenplitz erbte die Güter mit 44.000 Taler Schulden.
Friedrich von Itzenplitz verwirtschaftete seine Güter und mußte sie in dieser für ihn ausweglosen Lage 1863 an seinen Sohn Hermann übergeben.
Da bot sich 1866 eine Gelegenheit, das ganze Gut gegen Barzahlung von 450.000 Talern an den Commerzienrat Albert Borsig zu verkaufen, dessen Maschinenfabrik in Berlin zu der Zeit die 2000. Lokomotive auslieferte.
Im Frühjahr 1869 begann der Umbau des Groß Behnitzer Schlosses. Zuerst wurde der neue Balkon fertig. An die Stelle der beiden alten Säulen traten 4 Pilaster mit einem Plateau aus Mauerwerk, dessen innerer Raum als Weinkeller diente. Das alte hohe Ziegeldach wurde abgenommen und durch ein niedriges Schieferdach ersetzt. Die Galerie mit den Figuren verlieh dem ganzen Gebäude ein imposantes Aussehen. So wurde aus dem ländlichen Herrenhaus ein Putzbau im Stil der italienischen Renaissance.
Auf das Eingangstor ließ Albert Borsig 1868 die Gontardschen Sandsteintrophäen setzen, die er bei der Niederlegung des Oranienburger Tores in Berlin erworben hatte. 1869 begann der Bau einer Eisenbahnlinie von Berlin nach Hannover. Am l. November wurde der regelmäßige Betrieb zwischen Berlin und Stendal aufgenommen. Bis dahin war auch das Bahnhofsgebäude vollendet.
Jetzt verlor die alte Heer- und Handelsstraße, die seit den Tagen Albrechts des Bären 7 Jahrhunderte hindurch die Altmark mit Spandau und Berlin verbunden hatte, ihre Bedeutung. Auch der Sandkrug büßte seine Stellung als Raststätte auf dem halben Wege von Spandau nach Rathenow ein.
1878 starb Albert Borsig. Er wurde in seinem Erbbegräbnis an der Kirche in Groß Behnitz beigesetzt.
Ab 1894 bewirtschafteten die beiden nun mündigen Brüder Conrad und Ernst Borsig die Güter in Behnitz gemeinsam. Als Administrator wirkte Paul Thamm.
Am l. April 1897 verunglückte der Besitzer der schlesischen Borsigwerke, Albert Borsigs ältester Sohn Arnold, in der Hedwig-Wunsch-Grube tödlich. Er wurde nach Groß Behnitz in das Erbbegräbnis der Borsigs überführt.
Die Brüder Conrad und Ernst regelten in den nächsten Jahren ihre Besitzverhältnisse. Der Geheime Kommerzienrat und Präsident des Unternehmerverbandes in Deutschland, Dr. Ing. e.h. Ernst von Borsig, erhielt als alleiniger Besitzer die Güter Groß und Klein Behnitz, sein Bruder Conrad das Gut Prillwitz in Pommern. Die Berliner Betriebe in Tegel blieben im gemeinsamen Besitz.
Die Brüder waren anläßlich der Feier des 50. Geburtstages S.M. des Kaisers Wilhelm II. am 27. Januar 1909 in den erblichen Adelsstand erhoben worden.
Ernst von Borsig starb 1933 im 63. Lebensjahr. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er im Groß Behnitzer Erbbegräbnis beigesetzt. Förster, Bergknappen und Feuerwehrleute trugen den Sarg in die Familiengruft. Sein Sohn Ernst übernahm die Güter. Er hatte in München Land- und Volkswirtschaft studiert und mit zwei Doktortiteln das Studium abgeschlossen.
1935 heiratete er die Freiin Barbara v. Müffling (gestorben am 19.2.1999).
Während des 2. Weltkrieges schloß sich Dr. Ernst v. Borsig dem Kreisauer Kreis an, der auch in Groß Behnitz mehrmals zusammen kam.
Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurde von Borsig festgenommen, kam in ein Lager bei Landsberg /Warthe und starb dort im September 1945.
Das Schloß wurde mit Flüchtlingen belegt, und durch Fahrlässigkeit brannte es im Herbst 1947 ab. Wenig später wurde die Ruine abgerissen. Baracken aus der Zeit der LPG zieren heute den Standort.
1865 brannte in Klein Behnitz das alte Gut der Bardelebens am Ortsausgang nach Groß Behnitz bis auf das Wohnhaus völlig nieder. Das Wohnhaus, eines der ältesten Gebäude in Klein Behnitz und noch einige Zeit Gärtnerwohnung, brannte vor einigen Jahren ab.
Geblieben ist aber die nach einem Brand 1508 auf dem alten quadratischen Fundament (eines Baues aus dem 14. Jahrhundert) aufgebaute Fachwerkkirche, aufgenommen in die Denkmal-Liste der UNESCO.
Quellen: „Handbuch der historischen Stätten Deutschlands" Band 10 „Berlin und Brandenburg" Dr. G. Heinrich (Hrg.) 1985 Alfred Kröner Verlag Stuttgart „Ein Dorf im Havelland -Geschichte der Dörfer Groß und Klein Behnitz" K.-J. Giese / H. Fritzsche (Hrg.) 1996/7 Selbstverlag
Redaktionell bearbeitet von Michael Borgmeier
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