Ein Gerichtstag in Buckow
von Hermann Holzendorf
... Am Montag früh begannen die Verhandlungen in der kleinen Amtsstube des Lehnschulzen. Zuerst waren die Buckower vorgeladen. Den Anfang macht der Kossat Wilhelm Schult. Seine Tochter war beim
Ackermann Fritz Grohan in Steckelsdorf in den Dienst getreten. Der Vater hatte sie aber vorher nicht der Herrschaft in Buckow zum Dienst angeboten und somit auch nicht die Erlaubnis erlangt, daß das Mädchen den Ort verlassen durfte. Er selbst wurde mit 3 Talern bestraft, der Ackermann Grohan kam mit 2 Talern davon; dem Mädchen wurden für den Fall der Wiederholung 10 Peitschenhiebe angedroht.
Als nächster erschien der Kossat Hans Nothe. Während der Getreideernte war lange regnerisches Wetter gewesen. Nun schien ein paar Tage lang die Sonne. Jeder war bemüht, seine Ernte zu bergen. Doch die Ackersleute mußten jetzt die ganze Woche vom Sonnenaufgang bis zum Dunkelwerden auf den Feldern der Gutsherrschaft arbeiten. Durch Regenwetter waren Arbeitstage ausgefallen, diese mußten nun nachgeholt werden. Auf ihren eigenen Äckern aber stand das ganze Korn. So hatte Hans Nothe das Feld des Gutsherrn eine Stunde früher
verlassen, um noch eine Fuhre von seinem eigenen Acker in später Abendstunde einzufahren. Wegen dieses kleinen Vergehens wurde er heute zur Rechenschaft gezogen. Er schildert seine wirtschaftliche Lage in den dunkelsten Farben. Doch es half nichts, er wurde nach § 4 des Gerichtsregisters zu 2 Talern Strafe und einem Tag Nacharbeit verurteilt.
Die schlimmste Strafe, die bei dieser Sitzung ausgesprochen wurde, traf die Ehefrauen des Ackermanns Wilhelm Mehner und des Böttchers Martin Zente. Beide Frauen hatten laut auf die „gierige Herrschaft" geschimpft. Wohl ein wenig zu laut, denn der Gutsinspektor hatte alles mitgehört und der Herrschaft hinterbracht. Und ihre Strafe? Der einen wurde für 3 Stunden ein Halseisen umgelegt. Sie stand öffentlich zur Schau vor dem Lehnschulzenhaus. Damit ihr das Schimpfen verginge, kam alle halbe Stunde der Gerichtsvogt und spannte das Eisen „ein Loch enger". Die andere Frau mußte „ein Wispel Kornsäcke nähen". ..
Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 1996.
Redaktionell bearbeitet von Michael Borgmeier
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