Friesacker Geschichte auf Seriennotgeldscheinen
von Günter Kirchert
Aus der Arbeit der FG "Numismatik" Nauen
Die ständige Geldentwertung in der Zeit von 1918-1923 war eine Folgeerscheinung des ersten Weltkrieges. Sie entwickelte sich zu einer Inflation von enormen Ausmaßen. So kostete am 15. November 1923 1 Pfund Brot 80 Milliarden, 1 Pfund Fleisch 900 Milliarden und 1 Glas Bier 52 Milliarden Mark. Die Lasten des Krieges wurden durch die Inflation auf die Bevölkerung abgewälzt und führte zu ihrer völligen Verarmung.
Durch den ständigen Verfall des Geldes entstand ein Geldmangel, insbesondere an Kleingeld. Die Reichsbahn konnte den Bedarf nicht mehr absichern. Die Städte, Gemeinden, Betriebe und Firmen behalfen sich selbst, indem sie eigene Geldzeichen herausgeben. Diese wurden in vielfältiger Form geschaffen. Als Material wurde Metall, Porzellan, Papier, Pappe, Leder, Leinwand usw. verwendet.
Eine besondere Art des Notgeldes waren die Seriennotgeldscheine. In den Jahren 1921-22 wurden sie als Bildergeldserien herausgegeben. Sie waren meist der Geschichte oder besonderen Anlässen des Ortes gewidmet. Dieses Notgeld wurde ganz selten als Zahlungsmittel verwendet. Es wurde mit einem Zuschlag an Händler und Sammler abgegeben, um die Stadt- oder Gemeindekasse aufzubessern. Solch eine Bildergeldserie war auch das Friesacker Notgeld. Im November 1921 wurden je drei Scheine zu 75,50 und 25 Pfennig in Umlauf gebracht. Die Scheine haben eine Abmessung von 8,5 x 5,8 cm. Sie wurden farbig auf weißem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Serienbuchstaben sowie Kontrollzahlen sind auf der Rückseite der Scheine angeordnet.
Die einzelnen Scheine sollen im folgenden näher beschrieben werden.
1. Vorderseite aller Scheine
Die bildliche Darstellung der Vorderseite aller Scheine ist gleich. Sie besteht aus dem umrankten Brustbild des Kurfürsten Friedrich I. vin Brandenburg, geb. 1371, gest. 1440. Die Wertangabe der Scheine ist rechts und links vom Brustbild in Ziffern und in der Mitte in Buchstaben abgegeben. Die Ortsbezeichnung "Friesack/Mark' ist umrankt und befindet sich im unteren Teil.
Die Inschrift rechts von der Ortsbezeichnung lautet: "Im November 1921 der Magistrat: Prasse; Max Aue". Prasse war der derzeitige Bürgermeister von Friesack. Die Innenschrift links von der Ortsbezeichnung lautet: "Der Gutschein verliert seine Gültigkeit, wenn er nicht innerhalb eines Monats nach der vom Magistrat erlassenen Aufforderung eingelöst ist."
Die farbliche Darstellung der Scheine bei den einzelnen Serien ist teilweise unterschiedlich. Auf allen Scheinen gleich ist das weiße Brustbild, die schwarze und weiße Beschriftung und der gelbe Untergrund bei Zahl und Mittelteil. Der Ortsname steht auf weißem Grund. Auf den 75 Pfennig-Scheinen ist die Umrankung blau und der Untergrund des Brustbildes gelb. Bei den 50 Pfennig-Scheinen ist die Umrankung rot und der Untergrund des Brustbildes blau. Bei den 25 Pfennig-Scheinen ist die Umrankung grün und der Untergrund des Brustbildes rot.
Die bildliche Darstellung des Kurfürsten Friedrich l. von Brandenburg auf der Vorderseite aller Scheine bedarf eines Rückblicks auf die Geschichte der Stadt Friesack.
Als Hauptort des Ländchens Friesack besaß der Ort wohl seit Mitte des 12. Jahrhunderts eine 1216 genannte Burg der Herren von Friesack, die bis zu ihrem Aussterben Ende des 13. Jahrhunderts zu landsherrlicher Stellung aufstieg. Sie besaßen das Recht, Münzen zu schlagen. Seit 1318 ist die Burg unter markgräflichbrandenburgischer Landesherrschaft im Besitz adliger Grundherren. 1327 wurde Friesack erstmalig als Stadt urkundlich erwähnt. Um 1400 wurde die Mark Brandenburg von Raubrittern beherrscht. Besonders die Gebrüder Hans von Quitzow auf der Burg Plaue und Dietrich von Quitzow auf der Burg Friesack trieben ihr Unwesen. Ihre Macht und Reichtümer erwarben sie durch gesetzlose Fehden, Raubzüge und Plünderungen. Niedergebrannte Dörfer, ausgeraubte Kaufleute, erschlagene und geblendete Bauern waren an der Tagesordnung. Um die Mißstände in der Mark zu verändern, wurde der Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg (aus dem Geschlecht der Hohenzollern) als oberster Hauptmann und Verweser der Mark Brandenburg durch den Kaiser Sigismund ernannt. Im Sommer 1412 kam Friedrich in die Mark Brandenburg und begann unter großen Schwierigkeiten Ordnung zu schaffen. Im Februar 1414 wurde die Burg Friesack belagert und eingenommen. Der Besitzer der Burg, Dietrich von Quitzow, ließ die Burg in heimlicher Flucht im Stiche. Er starb als Geächteter in der Fremde.
Bei der Einnahme der Burg kamen den Angreifern die Winterkälte, die den Sumpf um die Burg erstarren ließ, sowie das Belagerungsgeschütz "Die Faule Grete" zunutze. Den Beinamen erhielt das Belagerungsgeschütz von den märkischen Bauern, denn sie mußten das große schwerbewegliche Geschütz fortbewegen.
Alle anderen Burgen wurden ebenfalls besiegt. Als Ersatz für die Kosten und als Belohnung für die Befreiung der Mark von den Raubrittern erhielt Friedrich vom Kaiser Sigismund am 3. April 1415 das Kurfürstentum Brandenburg als Erb- und Eigentum, worauf am 18. April 1417 zu Konstanz die feierliche Belehnung stattfand. Dieses Ereignis ist die bildliche Darstellung des Kurfürsten Friedrich l. auf den Friesacker Notgeldscheinen gewidmet.
Auf den Rückenseiten der Scheine sind unterschiedliche bildliche Darstellungen. Sie sind verschiedenfarbig von Ranken umgeben. In den Ecken ist in schwarzen Kreisen die Wertangabe durch Ziffern angegeben. Die Serienbuchstaben und Kontrollzahlen sind in schwarzer Schrift am unteren Rand der Scheine angeordnet.
Die Umrankung ist bei den 75 Pfennig-Scheinen blau, den 50 Pfennig-Scheinen rot und bei den 25 Pfennig-Scheinen gelb.
2. 75 Pfennig, Serienbuchstabe A
Burg Friesack z. Z. des 30jährigen Krieges
Wann und vom wem die Burg angelegt wurde, ist unbekannt. Der Burgberg ruhte ursprünglich auf einem Pachwerk riesiger Eichenstämme. Sie war im Norden durch den Rhin und weite Sumpfflächen, im Osten, "Süden und Westen ruch dreifache Wälle und Gräben geschützt.
Heutige Straßennamen wie Oberwall-, Niederwall, Große und Kleine Schanze deuten noch heute auf die Befestigungsanlagen der Burg hin. Schon im 13. Jahrhundert wird die Burg unter verschiedenen Besitzern genannt. Am 5. Dezember 1335 erhielten die Brüder Peter, Kopeko, Willeko und Mattyas von Bredow die Burg Friesack vom Markgrafen Ludwig übergeben. 1399 ging Friesack auf kürzere Zeit der Familie von Bredow verloren, weil der damalige Besitzer gegen seinen Markgrafen Jobst von Mähren Stellung genommen hatte. Besitzer wurde Balthasar von Schlieben. 1409 verkaufte Jobst die Burg und ihr Zubehör für 2000 böhmische Groschen an Dietrich von Quitzow. Nach der Vertreibung des Raubritters Dietrich von Quitzow durch Friedrich l. erhielt die Familie von Bredow die Burg zurück. Nach vielen baulichen Veränderungen lebten die Bredows bis 1841 auf dem Burggelände. 1841 wurde der Gutshof auf dem Burggelände durch einen großen Brand vernichtet.
3. 75 Pfennig, Serienbuchstabe B
Raubritter-Überfall auf reisende Kaufleute
Auf den Notgeldscheinen ist die Zeit der Raubritter, insbesondere des Dietrich von Quitzow auf Friesack (1409-1414) dargestellt. Ihre Beutezüge und Fehden gingen gegen Straußberg, Berlin und sogar gegen die Pommerschen Herzöge. Friesack machte unrühmlich von sich reden. Nicht so ruhig und harmlos, wie auf den Scheinen dargestellt, sind diese Beutezüge abgelaufen.
Niedergebrannte Ortschaften, Mord- und Totschlag, Lösegeldforderungen, geraubte Viehherden waren die Visitenkarte der Raubritter.
4. 75 Pfennig, Serienbuchstabe C
"Im Luch und Bruch am Rhinestrand schoß Friedrich die Quitzow-Burg in Brand. Der Quitzow flüchtete und ward verbannt. Allsdann kam Ruhe in das Land." (1413)
Das Bild zeigt die Belagerung der Burg. Im Februar 1414 zog Friedrich mit seinen Verbündeten zur Burg Friesack und konnte sie am 11. Februar 1414 erobern. Gute Dienste leistete ihm hierbei ein großes Belagerungsgeschütz, welches er sich wahrscheinlich vom Deutschen Ritterorden geliehen hatte. Zur Fortbewegung waren 24 Pferde erforderlich. Es war ein 24-pfündiges Geschütz, mit dem Steinkugeln von etwa 3 Zentnern verschossen wurden. Im Widerspruch steht der Spruch und die brennende Burg auf dem Bild, denn mit den Steingeschossen konnten nur die Mauern zerstört werden.
5. 50 Pfennig, Serienbuchstabe D
"Arbeit ist des Bürgers Zierde,
Segen ist der Mühe Preis."
Auf diesem Schein wird das Leben der Bauern und zwar die Erntezeit dargestellt. Schwer war die Arbeit und das Leben der Bauern im Rhinluch, denn das Luch gab wenig Erträge. Bis weit in das Frühjahr
waren die Äcker und Weiden überschwemmt.
Erst im 18. Jahrhundert wurden durch die Urbarmachung des Luchs auf Weisung von Friedrich Wilhelm l. (1713-1740) und Friedrich II. (1740- 1786) bessere Verhältnisse im Rhinluch geschaffen. Weiterhin mußten die Leistungen für den Gutsherren erbracht werden.
6. 50 Pfennig, Serienbuchstabe E
Das Bild stellt weidende Rinder und Pferde auf eingezäunten Koppeln dar.
7. 50 Pfennig, Serienbuchstabe F
"Mühlenberg"
Wiederum wird eine typische Landschaft dargestellt. Wir sehen eine Windmühle mit Wohnhäusern und einen Bauern, der einen Sack mit Mehl trägt. Auf einer Friesacker Karte aus dem Jahre 1880 sind 5 Windmühlen eingezeichnet. Von einer der Windmühlen steht heute noch der Grundbau, der als Wohnhaus ausgebaut wurde.
8. 25 Pfennig, Serienbuchstabe G
"Kurfürstendenkmal mit Stadtwappen"
Das Bild auf dem Notgeldschein zeigt das Denkmal des Kurfürsten Friedrich l. (1415-1440) von Brandenburg. Seitlich ist das Wappen von Friesack dargestellt. Entworfen wurde das Denkmal von Calandrelli und am 13. Oktober 1894 fand in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. die Einweihung statt. Die bronzene Statue wurde 1944 von den Faschisten demontiert und sollte für Kriegszwecke eingeschmolzen werden, was jedoch nicht mehr realisiert werden konnte. Der Sockel des Denkmals ist erhalten geblieben.
Stadtwappen: In Silber über blauem Wasser eine rote Burg mit hoher Zinnenmauer und geschlossener Pforte zwischen zwei hohen gezinnten Rundtüren mit blauen Kuppeldächern. Auf der Mauer zwischen den Türmen ein rechtsblickender roter Adler, im Wasser drei silberne Fische. Das Wappen auf dem Schein weist auf die ehemalige Burg hin. Wasser und Fische künden von der Lage im Rhinluch. Der Adler, zeitweilig als der schwarze preußische gedeutet ist der rote brandenburgische.
9. 25 Pfennig, Serienbuchstabe H
"Schiller - Park"
Der Schiller - Park befindet sich von Nauen kommend rechts am Ortseingang an der Fernverkehrsstraße 5. Von der bildlichen Darstellung auf dem Notgeldschein ist heute in natura nichts mehr zu erkennen. Der gemauerte Sockel mit dem Bronzerelief des Dichters Friedrich Schiller ist verschwunden.
10. 25 Pfennig, Serienbuchstabe I
"Rhinpartie"
Auf dem Bild des Notgeldscheines sind der Rhin am Ausgang von Friesack mit einem Teil der Mauer um das Burggelände sowie kahnfahrende und angelnde Personen zu sehen. Vom Rhin, kann man heute nicht mehr sprechen, denn der Flußlauf wurde im Laufe der Zeit des öfteren umgeleitet. Durch umfangreiche Meliorationsmaßnahmen wurde er um den Ort verlegt. Als kleiner Haupt- und Grenzkanal verläuft er nördlich von Friesack und spielt für die Stadt nur eine untergeordnete Rolle.
Diese kurze numismatische Betrachtung zum Friesacker Notgeld zeigt uns recht deutlich, daß damit die verschiedensten Einblicke in die Geschichte unserer näheren Heimat verbunden sind. Hier einen Beitrag zu leisten, ist ein wichtiger Grund numismatischer Betätigung.
Literaturnachweis:
1) Numismatisches Heft Nr. 3
2) Broschüre 600-Jahr-Feier der Stadt Friesack/Mark (1927)
Dieser Text wurde im Nauener Bilderbuch "Wanderungen durch den Kreis Nauen" 1992 veröffentlicht und auch daraus entnommen.
Für mehr Informationen über Friesack in den Rathenower Heimatkalendern, ím Buch " Amtsbereich Friesack" oder für die besonderen Stunden "Friesacker Burggeist".
Redaktionell bearbeitet von Michael Borgmeier
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