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Die Bäckergilde

von Günter Thonke 

Die Gilde der Bäcker  wird schon 1550 im Vierergewerk mit den Tuchmachern, Schuhmachern und Schneidern erwähnt. Diese hatten einen gewissen Anteil am Stadtregiment im Rat. Gildebriefe bestimmten die Anzahl der Meister, und Edikte des Kurfürsten regelten die Gesetzlichkeit, so 1645 und 1735 zu deren Statuten. 
Um 1810 gab es 12 Meister, doch der Chronist Wagener gibt 17 an; es waren also 5 Freibäcker dabei, denen unter gewissen Umständen das Meisterrecht zugestanden wurde. 1857 erhielt die Innung neue Artikel, doch das Innungsleben schlief bald wieder ein. Lange Jahre wurde keine Meisterprüfung abgenommen. 
Am 18.3.1886 konstituierten sich im "Germania-Verband" alle deutschen Bäcker, und zum 1.8.1899 verfügte die Regierung die Bildung von Zwangsinnungen, die sich dann in Rathenow "Bäcker-, Konditor- und Pfefferküchler-Innung" nannte.
Diese richtete einen Verbandstag vom 3.-8. Juli 1903 in der Stadt aus und erntete unter dem Obermeister Ernst Heider, der dieses Amt von 1900-1928 ausübte, viel Lob und Anerkennung...

Die Nachkriegszeit
In den letzten Kriegstagen wurden noch 13 Backbetriebe zerstört, von den verbliebenen waren einige zusammengelegt worden, um Kohle zu sparen, einige von der Roten Armee zeitweise genutzt. Die Funktion der Innung wandelte sich mit den Regimen, aber immer wurde im Interesse der Bürger gebacken, sich um das "tägliche Brot" bemüht. Daran erinnern sich auch noch die Menschen, die nach 1945 die Probleme mit Mehl, Wasser und Salz, Holz, Kohle und Strom erlebt hatten. Alle Nachgeborenen mögen vor solcher Zeit verschont bleiben.
Der Begriff der Innung wandelte sich nach 1945 in Berufsgruppe, die sich eng an die Einkaufsgenossenschaft anlehnte und von der Handwerkskammer betreut wurde. So war ein gewisses Eigenleben möglich und der Zusammenhalt der Kollegen gut. Nach dem 17.6.1953 wurde ein "neuer Kurs" propagiert. Als Fett und Zucker nicht mehr rationiert waren, wurde wieder Kuchen gebacken. Die Preise waren festgesetzt und stabil und wurden konsequent kontrolliert.
Am Ende wurde wegen dieser Preise die Verarbeitung von Mehl subventioniert, so daß Brot gar das billigste Viehfutter war! Kollegen, die ihre Betriebe aufgaben, verkauften ihre alten Maschinen, und nur wenig neue Technik wurde entwickelt. Handwerk bastelte für Handwerk, denn die erst noch halbstaatliche Backmaschinenindustrie wurde mit anderen Aufgaben betraut und integriert in die Volkseigenen Betriebe.
Nach der Wende änderte sich vieles bei den Handwerksbetrieben. Eine Umstrukturierung findet statt. Computer und moderne Backtechnik bestimmen den Ablauf im Bäckerhandwerk. ..."

Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 1997.

Redakionell bearbeitet von M. Borgmeier


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