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Die Fahrt zu den Großtrappen

von A. Zietemann, Rathenow

Endlich war es nun soweit, dass ein lang gehegter Wunsch der Natur- und Heimatfreunde, aber auch der jungen Naturforscher, dem Revier der so seltenen Großtrappen einen Besuch abzustatten, in Erfüllung gehen sollte.
In der Frühe eines schönen Herbstsonntags versammelten sich daher Mitglieder der Natur- und Heimatfreunde im Deutschen Kulturbund, Mitglieder der hiesigen Station der jungen Naturforscher und verschiedene andere Naturfreunde, um an dieser interessanten Exkursion teilzunehmen.
Die Fahrt begann und nach kurzer Zeit hatten wir die Kläranstalt passiert. Hier an den großen Klärbecken lassen sich oft sehr gute feldornithologische Beobachtungen durchführen. Bei solchen, stets abwechslungsreichen Beobachtungen ist dann der aufdringliche Geruch der Kläranlage von sekundärer Bedeutung. Primär für den Feldornithologen ist und bleibt die Beobachtung der Vogelwelt. Er wird sich dabei nicht von anderen Dingen beeinflussen oder abbringen lassen.
Es dauert nicht mehr lange, bis vor uns das Dorf Hohennauen mit seinem See auftauchte. Es war ein wundervolles und kontrastreiches Bild, zu schauen, in welch herbstlich schönen Farben Efeu und wilder Wein prangten, die sich fast bis zur Kirchturmspitze empor gerankt hatten. Schon vor Jahrhunderten, als sich hier - wie noch heute - eine breite Wasserverbindung zwischen dem See und der Havel befand, stand dort, wo sich heute die Zentralschule befindet, eine große Burg, die dem Schutze des Seeüberganges diente. Die, Entstehung von Hohennauen, das früher Hogenowe hieß, dürfte um das Jahr 1200 oder später auf eine slawische Ansiedlung zurückzuführen sein. Urkundlich wird Hohennauen erstmalig um 1386 erwähnt. Daß auch der Kirchturm, ein romanischer Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert, die Aufgabe hatte, diese wichtige Übergangsstelle zu schützen, geht daraus hervor, dass sich in den äußerst starken Turmmauern, die bis zu 1,20 m stark sind, Schießscharten befinden, die nur nach dem Seeübergang hin gerichtet sind. Wir wollen jedoch Hohennauen nicht verlassen, ohne uns noch zuvor die große, sehr seltene alte Eibe (taxus baccata L) anzusehen, die nicht weit von der Kirche entfernt steht. In alten Zeiten wurden aus dem Holz der Eiben Bogen und Armbrüste hergestellt. Später benutzte man es auch für Schnitzereien u. a. m. Die Nadeln, der Samen und auch die Rinde dieses Baumes enthalten das herz- und atmungslähmende Gift ,,Taxin". Die Eibe oder Taxus dürfte unter den europäischen Bäumen das höchste Alter erreichen. Wegen ihrer Seltenheit steht sie unter Naturschutz.
Doch wir müssen weiter. In zügiger Fahrt erreichen wir Elslaake, wo wir die gute Chaussee nach rechts verlassen. Zu beiden Seiten des Weges nimmt uns hoher Kiefernwald, vermischt mit Laubbäumen, auf. Hier erleben wir den großen Maler, den Herbst, in immer neuen, wechselvollen Bildern, Eindrücken und Farbsinfonien. Doch wir können nicht anhalten und uns diesen Betrachtungen länger hingeben, die Zeit drängt.
Bald ist das frühere Vorwerk Schönholz erreicht. Früher befanden sich hier nur sehr wenige Einwohner, die größtenteils als Gutsarbeiter für sehr geringen Lohn, in primitiv gebauten Katen untergebracht, ihr karges Dasein fristeten. Heute, im Zeitalter der Fortentwicklung des Sozialismus, ist die Einwohnerzahl auf ca. 200 gestiegen. Entlang des Weges, zu beiden Seiten, stehen zwar kleine, aber schmucke und saubere Häuschen auf eigenem Grund und Boden der werktätigen Bauern. Jeder von ihnen hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von ca. 5 bis 10 ha und außerdem eine Waldparzelle von ca. 2 ha. Fast alle Bauern des Dorfes sind Mitglieder der LPG „Walter Ulbricht"; Sie haben die Verpflichtung übernommen, ihre LPG bis 1960 rentabel zu gestalten und ohne Staatszuschüsse zu arbeiten. Für die vermehrte Rinderhaltung und -aufzucht wurde ein Offenstall bereits fertig gestellt, während ein weiterer sowie ein großer Schafstall der Vollendung entgegensehen.
Fast sämtliche Einwohner von Schönholz sind Umsiedler, die in dicht beieinander gelegenen Dörfern in Bessarabien (früher Rumänien) lebten und deutsche Dorfgemeinschaften bildeten. Sie traten gemeinsam den großen Treck nach ihrer früheren Heimat, Deutschland, an. Mit Unterstützung unserer Republik siedelten sie gemeinsam hier in Schönholz. Mit gegenseitiger Hilfe, zähe und kraftvoll, bauten sie sich ihr neues Besitztum auf. Dass diese tapferen Menschen als Sieger aus dem Kampf um eine neue Heimat hervorgegangen sind, zeigt der Wohlstand, der bei vielen eingekehrt ist. Fernseh- und Radioantennen, Autos und Motorräder sind ein sichtbares Zeichen davon.
Wir wollen uns nun von diesen braven Menschen verabschieden und ihnen alles Gute wünschen; mögen sie auch weiterhin in Frieden ihre Äcker bestellen und reiche Frucht ernten. Unsere Fahrt geht nun quer durch den Wald, um den an sich wesentlich weiteren Weg abzukürzen. Bei dem früheren Vorwerk mit dem spaßigen Namen „Ohnewitz", jetzt ebenfalls an werktätige Bauern aufgeteilt, erreichen wir die Chaussee die von Rhinow nach Friesack führt. Zu beiden Seiten dieser Straße breitet sich der „Tritz" aus, ein großes, bis zum Witzker See reichendes, lang gestrecktes Weiden- und Erlenbruch, von Gräben durchzogen und von. Koppeln, Wiesen und einzelnen Ackerschlägen unterbrochen. In früheren Jahrzehnten war dieses Gebiet ein hervorragendes Revier für Hoch- und Niederjagd. Ganz besonders waren hier Fasanen und Birkhühner in großer Zahl anzutreffen. Noch heute stammt aus dem Gebiet der „Großen Laaken" ein Fasanenhahn, den ich nicht gegessen, wohl aber wegen seines wundervollen Gefieders habe präparieren lassen; weisen doch die beiden Schwanzfedern bis zum Bürzel eine Länge von über 50 cm auf. Wir erreichen jetzt den rechts, dicht an die Straße herankommenden Kleßener See mit dem bewaldeten, 51 m hohen Rohrberg und auf der gegenüberliegenden Seite den ebenfalls bewaldeten Tritzberg, der 39 m hoch ist. Hier habe ich immer als Schuljunge meine selbstgebauten Sprenkel aufgestellt und während der Ferien Rotkehlchen gefangen. Natürlich wurden diese sehr zutraulich gewordenen kleinen Gesellen mit den großen, dunklen Augen hier wieder in Freiheit gesetzt. Im Osten, nach Kleßen zu, wird der See durch den ebenfalls mit hohen Kiefern bestandenen, 65 m hohen Weinberg, begrenzt. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, dass es sich bei dem Kleßener See um einen Quellsee handelt. Hat er doch im Stintgraben überhaupt keinen nennenswerten Zufluß; im Polnischen Graben aber einen umso stärkeren Abfluss. Von dem links von der Chaussee befindlichen Tritzberg mit dem daran anschließenden Kotzerfeld und dem Lehmberg breitet sich sanft abfallendes Ackerland bis zum Anfang des Dorfes hin.
Wohlbehalten und ohne Pannen erreichten wir das Dorf Kleßen.

Im Revier der Großtrappen

Vom Ausgang des Dorfes nach Friesack zu, vom Kiekeberg aus, ca. 40 m hoch, haben wir einen herrlichen Blick über das weite-, vor uns liegende Luch mit seinen Koppeln und Wiesen und den vielen darin zerstreut liegenden Acker-, Raps- und Kartoffelschlägen. Die dunklen Kiefernwälder, die bis zum Horizont reichen, gehören zur Havelberger Forst und schließen das Luch nach Norden hin ab. Rechts von uns, jenseits des sich mitten durch das Luch ziehenden Kleßen'schen Rhins sieht man mit dem Fernglase die zerstreut liegenden Gehöfte von Michaelisbruch. Die weiter rechts liegenden Luchflächen gehören zum Havelländischen Luch, das sich weit gen Osten hin fortsetzt. Links von uns erstreckt sich das weite Rhinluch. Unser Weg führt uns nun, beiderseits von Koppeln begrenzt, hinein ins weite Luch. In früheren Jahrzehnten befand sich fast in jeder dieser Koppeln ein großer, hölzener Ziehbrunnen, allgemein „Pütten" genannt. Jetzt sind diese Pütten fast restlos verschwunden und durch eiserne Pumpen ersetzt worden. Nur noch die alten Leute in den Dörfern werden sich noch der großen Pütten erinnern können, denn fast immer den Jüngeren auf dem Hofe traf das Los, um die heiße Mittagszeit zur oftmals weit entfernten Koppel zu gehen, um dem durstigen Vieh die Tröge voll zu pütten. Doch diese Zeit mit den alten Pütten ist längst dahin und lebt nur noch in der Erinnerung.
Zum Andenken an jene, längst vergangene Zeit sei dieser und dem alten Pütten nachstehendes Gedicht gewidmet:

Uns oll'n Pütten!

1. Et wiehr een grotet hölternet Gestell, uns' oll'n Pütten,
    De afsied mit sien lang'n Ziehstang', in uns Wischen stund.

2. Sien Woterspeegel depp up'n Grund,
    As wiert'n Sülwerdoler, blank un rund.

3. Ik hew äs Jung mie oft hier afmaracht,
    Un kreeg weg'n uns oll'n Pütten oft mien bannig Dracht!

4. Lot ik den Eimer runner, so süng un krachst det grote hölterne
    Een schnurrig Lied, det klang so wiet, so hell. [Gestell

5. Un wenn de vulle Eimer nu na bahn güng,
    So klang det anners wat nu uns' Pütten süng.

6. Wie oft heb ik äs Jung an dissen Pütten stöhn,
    Manch Schulps kolt Woter is dobie in miene holten Tüffeln gohn.

7. Un doch harr uns oll goode Putten siene Poesie
    Un harr für sich alleen sien eegen Melodie.

8. Nu steiht 'ne isern Pump, wo eens uns Putten wiehr,
    Un de, glöb' ik. de süngt nu gor nich miehr.

9. Nu kiek, so ännert sich de Tied,
    Wat eensmals schön un good wiehr soll nu nich miehr sind!

Bald hören die eingezäunten Koppeln auf und an ihre Stelle treten weite Wiesenflächen, hier und da von Raps- und Kartoffelschlägen unterbrochen. Wir befinden uns jetzt im eigentlichen Biotop, dem Lebensraum der Großtrappen. Es heißt jetzt, besonders vorsichtig und aufmerksam sein, denn die Trappen sind äußerst scheue und scharfsichtige Vögel, die bereits aus sehr weiter Entfernung den Menschen oder eine, sie etwa bedrohende Gefahr gut erkennen können. Sie versuchen dann unter ständiger Beobachtung, dieser unbemerkt aus dem Wege zu gehen oder aus großer Entfernung aufzufliegen.
Immer wieder wird Halt gemacht und mit den Ferngläsern die weiten Fluren nach Trappen abgesucht. Einige unserer jugendlichen Teilnehmer ersteigen sogar größere Heumieten, um von diesen hohen Warten aus einen besseren Überblick zu erhalten. Auch dieser Eifer ist vergebens, es lassen sich keine Trappen feststellen. Der Weg führt weiter an dem Teil des „Düster Horst" vorbei, von wo sich - wollte man bösen Zungen glauben - alljährlich die Kleßener kostenlos ihre Weihnachtsbäume herholen sollen. Man könnte es glauben, denn eine reiche Auswahl solcher Bäume ist hier vorhanden.
Über die schwarze Brücke, auf nassem und schlechter werdenden Wege geht es nach Bartschendorf. Am Wegeknick hinter Bartschendorf wird wieder angehalten und der alten Zietensau'er Windmühle noch kurz vor ihrem Abriss ein letzter Besuch abgestattet. Im Innern der Mühle, die von dem Müller Martin Micha in Buchholz erbaut worden ist, befindet sich an einem Balken folgende Inschrift: „Diese Mühle ist gebaut 1774 und diese Balken habe ich eingebracht anno 1788".
Von dem Windmühlenberg bzw. von der Mühle aus wird wiederum das vor uns liegende Luch nach Trappen abgesucht. Leider wieder vergebens. Die so lange gesuchten Vögel bleiben unsichtbar. Sollte tatsächlich der weite Weg und alle aufgewandte Mühe vergebens gewesen sein? Ich kann es nicht glauben, hatte ich doch noch am, Sonntag vorher, wenn auch an anderer Stelle im Luch, einen Flug (Anzahl) von ungefähr 20 Trappen festgestellt. Sie müssen ja auch heute noch hier sein, es gilt sie nur zu finden, denn Trappen sind standorttreu und halten sich, besonders im Herbst, immer in großen Flügen in demselben Revier auf. Die Fahrt geht weiter über Giesenhorst, wieder über den Kleßenschen Rhin, erneut ins Luch. Mittlerweile ist es nun schon Nachmittag geworden und die Sonne ist hinter einer aufziehenden Wolkenwand verschwunden. Bald ist die frühere Kleßener Ziegelei, jetzt ein Trümmerhaufen, erreicht, und es wird wieder Halt gemacht. Vor uns in weiterer Entfernung liegt das sanft ansteigende Kotzerfeld mit dem bewaldeten Tritzberg. Zur rechten Hand dehnt sich „Der Tritz" mit den lang gestreckten „Großen Laaken" aus, in früheren Jahrzehnten ein sehr wildreiches Revier, besonders an Hirschen, Fasanen und Birkhühnern.
Abermals werden mehrere Heumieten erstiegen und von dort eifrig Umschau nach den Trappen gehalten. Sollten sie wirklich nicht mehr zu finden sein, da wir uns bereits auf der letzten Etappe im Luch befinden? Sollten sie sich so gedrückt haben, dass wir sie tatsächlich übersehen mussten und somit der weite Weg und alle Mühsal umsonst gewesen sein? Gespannt wird das vor uns liegende Gelände mit den Ferngläsern abgesucht. Erwartungsvolle Stille herrscht. Es scheint, als hätte der Erdboden diese scheuen Vögel verschlungen. Plötzlich erschallt verhalten der Ruf: ,,Dort hinten, geradeaus, sind die Trappen!" Tatsächlich, in ungefähr 1,5 km Entfernung, mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, kann man mit dem Fernglas am Fuße des Kotzerfeldes einen größeren Flug Großtrappen feststellen. Sofort wird die Fotogruppe, die teilweise mit Teleobjektiven ausgerüstet ist, in Marsch gesetzt. Sie soll versuchen, gegen Sicht gedeckt, schnell, unauffällig und möglichst dicht an die scharfsichtigen Vögel heranzukommen. Aus genügender Entfernung und sicherer Deckung heraus soll dann versucht werden, Farbaufnahmen für den nächsten so beliebten Heimatabend zu machen, damit alle Natur- und Heimatfreunde unsere größten heimatlichen Flugvögel in freier Wildbahn kennen lernen. Der Haupttrupp soll dann mit 30 Minuten Abstand folgen. Auf Umwegen und gegen Sicht gedeckt, fährt die Fotogruppe ab, während von uns die Trappen, die die Größe der bekannten Truthähne (Puten) erreichen, weiter beobachtet werden. Unsere vereinbarte Abfahrtzeit ist noch nicht gekommen, als wir mit den Gläsern bei den Trappen eine gewisse Unruhe feststellen, die darauf schließen lässt, dass die Tiere bereits etwas Verdächtiges bemerkt haben. Dies trifft auch tatsächlich zu. Von unserer Beobachtungsstelle können wir sehen, dass der Fototrupp auf halbem Wege ein vor uns liegendes Wäldchen erreicht hat und nun versucht, im Schutze dieser guten Deckung näher an die Vögel heranzukommen. Jedoch weit gefehlt! Unser Trupp ist bereits von den scharfsichtigen Trappen eräugt worden, ehe es ihm überhaupt gelang, mit den Teleobjektiven die gewünschten Aufnahmen zu machen. Zum Unglück fehlte auch noch die Sonne, ohne die Farbaufnahmen nun leider noch nicht möglich sind. So musste davon Abstand genommen werden.
Inzwischen hat sich der Haupttrupp mit der Fotogruppe vereinigt.. Mit dem Fernglas hat jetzt jeder Ausflugsteilnehmer die wohl einmalige Gelegenheit, die schön gefärbten stattlichen Großtrappen in aller Ruhe längere Zeit zu beobachten. Es ist ein imposantes Bild, wie jetzt die ungefähr 20 großen Trapphähne (Hennen, die erheblich kleiner sind, waren nur wenige vertreten) langsam und gemessen in breit auseinander gezogener Linie über die grüne Wintersaat, hin und wieder stehen bleibend und sichernd, auf das Kotzerfeld hinauflaufen. Wir setzen uns nun auch in Bewegung, um die Trappen im Fluge beobachten zu können. Noch lange nicht auf Büchsenschussweite herangekommen, können wir sehen, wie die Trappen mit einigen schnellen Schritten einen Anlauf nehmen, um Wind unter die großen Schwingen zu bekommen, und dann mit langsamen, wuchtigen Flügelschlägen in nicht allzu großer Höhe davonfliegen. Wieder ein einmaliges, imposantes Bild, diese 20 wuchtigen, bis zu 16 kg schweren Tierkörper in der Luft davon rauschen zu sehen!
Wegen ihrer Seltenheit gehören die Großtrappen nach § 4 des Naturschutzgesetzes zu den vom Aussterben bedrohten Tieren und dürfen daher weder geschossen, verfolgt oder beunruhigt werden.
Voller Freude über diese so überaus interessanten und seltenen Beobachtungen aus dem reichen Leben unserer heimatlichen Vogelwelt, aber auch darüber, dass wir dabei Gelegenheit hatten, ein wenig bekanntes Stück unserer engeren Heimat kennen zu lernen, traten wir fröhlich und guter Dinge unsere Rückfahrt an und erreichten wohlbehalten und reicher an vielen schönen Erinnerungen unsere Heimatstadt Rathenow.
Werter Leser, wenn Sie auch nicht persönlich an unserer Fahrt nach Kleßen und weiter hinein in das Revier der Großtrappen teilnehmen konnten, so glaube ich doch, dass es mir möglich gewesen ist, vor Ihrem geistigen Auge diese Fahrt erstehen und sie indirekt von Ihnen miterleben zu lassen.
Eswar unsere letzte, aber zugleich auch schönste und lehrreichste Fahrt des ganzen Jahres. Wir haben ein, vielen Lesern sicher vollkommen unbekanntes Gebiet unserer engeren Heimat kennen gelernt und hatten dabei ausgiebig Gelegenheit, die seltenen Großtrappen, die Vögel der einsamen Felder und weiten Fluren, zu sehen und in aller Ruhe längere Zeit beobachten zu können. Viele von Ihnen werden diese Großvögel nur vom Hörersagen kennen und wohl Zeit ihres Lebens niemals zu Gesicht bekommen. Gerade aber diesen Lesern soll meine Abhandlung zeigen, welche köstlichen Schätze die Natur noch vor ihren Augen verbirgt. Man muss es nur verstehen, sie zu suchen und zu finden, um sich an ihrer einzigartigen Pracht, Schönheit und Eigenart zu erfreuen. Solche Kleinodien der Natur soll man hegen und pflegen und Obacht geben, dass sie nicht vernichtet werden, sondern sich vermehren und weiter ihres Lebens in voller Freiheit sich erfreuen können.
Erinnern wir uns des Ausspruches unseres großen Dichters Friedrich von Schiller:
„Unerschöpflich an Reiz, an immer erneuerter Schönheit ist die Natur".

Dieser Artikel wurde im Rathenower Heimatkalender 1960, Seite 124-135, veröffentlicht und wurde auch daraus übernommen.

Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier


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