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Die Denkmale von Landin und Kriele

von Wolfram Bleis

Vielen Bürgern unseres Kreises sind von den beiden Dörfern Landin und Kriele kaum mehr als die Namen bekannt. Abseits von Fernverkehrsstraßen in der Osthälfte unseres Kreises liegend, bemerkt der Autofahrer auf der Fernverkehrsstrasse 188 in Richtung Nauen an einer vor der Straßenrekonstruktion sehr scharfen Linkskurve lediglich das Hinweisweisschild für die beiden Orte Kriele und Landin. Man sollte diesem unscheinbaren Wegweiser durchaus einmal folgen, denn auch in diesen Orten gibt es Denkmale, bei denen es sich lohnt, sie zu sehen und auf sich wirken zu lassen.
Wenn auch Landin und Kriele auf unserer Kreisdenkmalliste nur mit wenigen Positionen vertreten sind, heißt das jedoch nicht, dass es dort weiter keine Objekte gibt, die uns im Sinne „Denkmal" - „denk mal!" etwas zu sagen haben! Zum Beispiel gibt es in Landin ein Gebäude, das weder auf der Denkmalliste steht, noch dem Besucher überhaupt auffällt. Aber es wird dennoch für wert gehalten, erwähnt zu werden, nicht nur an dieser Stelle, sondern auch im Dehio, dem Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Es handelt sich dabei um einen Rest der Schlossanlage vom Anfang des 18. Jahrhunderts, die ehemalige Orangerie.
Sie ist ein eingeschossiger Putzbau mit Satteldach, von 11 Achsen, dem über der Mitte ein 3achsiges Zwerchhaus1 mit Quersatteldach aufgesetzt ist. Das Gebäude wird heute baulich verändert von der LPG genutzt. Im Gegensatz zur Orangerie fällt die Kirche Landins sofort ins Auge. Sie verdankt das natürlich nicht zuletzt ihrem Standpunkt auf dem nördlichen Abhang eines Hügels mehrere Meter über dem Gelände des Dorfes und der direkt daran vorbeiführenden Landstraße nach Kriele. Die Kirche selbst ist ein Fachwerkbau in Saalform vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Von der ursprünglichen Fachwerkkonstruktion ist nur die dem Dorf zugekehrte Nordseite, man könnte fast sagen die Schauseite, mit einer kleinen Vorhalle erhalten. Die übrigen Außenwände wurden Ende des 19. Jahrhunderts in Mauerwerk aus roten Rathenower Ziegeln neu errichtet. Diese Ziegel tragen überwiegend den nicht so häufig vorkommenden Stempel v.K.F. RATHENOW. Der ebenfalls in Fachwerk errichtete Westturm ist heute verbrettert. Er trägt noch eine mit Schiefer gedeckte Schweifhaube aus der Erbauungszeit der Kirche. Die Ausstattung im flach gedeckten Innern des Gebäudes, das durch Holzpfeiler in 3 Schiffe unterteilt wird, steht ebenfalls unter Denkmalschutz. An erster Stelle steht dabei der hölzerne Kanzelaltar mit einem ornamentierten Korb zwischen Säulen und Putten auf dem gesprengten Giebel, vermutlich von 1713. Neben der Westempore mit der Inschrift 1727 gehören weiter ein kleines Gemälde mit der Darstellung des heiligen Petrus vom Anfang des 18. Jahrhunderts, mehrere Schemel und Stühle aus dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie die Glocke, datiert 1675 von M. Heintze, Spandau, dazu. An kleineren Gegenständen wären noch ein silbervergoldeter Kelch mit Patene aus dem 18. Jahrhundert, eine Schraubflasche aus Zinn von 1822 und ein Leuchterpaar aus Messing von 1725 zu nennen.
Nahe der Kirche führt dann die leicht ansteigende Straße gerade weiter nach Kriele. Dort befinden sich auf der rechten Seite kurz hinter dem Ortseingang auf der höchsten Erhebung der unmittelbaren Umgebung die nächsten Denkmalobjekte: eine Grabstätte und die Kirche von Kriele. Diese zeigt ein ganz anderes Bild als die Landiner Dorfkirche. Sie ist ein kleiner, einschiffiger Backsteinbau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts mit 5seitigem Ostschluss. Der querrechteckige Westturm im unteren Teil, überwiegend aus Feldsteinmauerwerk errichtet, ist vermutlich ein spätgotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert, gleichzeitig mit dem reich und fein profilierten Spitzbogenportal an der Nordseite erbaut. Der obere quadratische Teil des Turmes besteht aus einer Fachwerkkonstruktion mit einem Zeltdach von 1779. Im Zuge der in den letzten Jahren durchgeführten Erhaltungsmaßnahmen wurde der Turmaufsatz verbrettert und der auf der Nordseite befindliche Fachwerkvorbau aus dem 18. Jahrhundert rekonstruiert. Auch das übrige mittelalterliche Mauerwerk mit den Strebepfeilern und den wenigen Fenstern im Chor, die in der Barockzeit vergrößert und mit Korbbögen versehen wurden, ist dabei instand gesetzt worden. Im Innern der Kirche sind an den Schiffswänden dreiteilige spitzbogige Blenden erhalten. Die schlichte hölzerne Ausstattung aus westlicher Doppelempore, Nordempore, hölzerner Taufe und Kanzelaltar stammt aus der Zeit um 1780.
Vermutlich gleichaltrig sind ein silbervergoldeter Kelch mit Patene und eine silberne Oblatendose. Aus dem 17. Jahrhundert stammt ein Leuchterpaar aus Messing wie auch die Taufschale aus Zinn, datiert von 1689. Als Rest der mittelalterlichen Ausstattung existiert im Chor noch ein gotischer Wandschrank mit ebenfalls mittelalterlichem Türbeschlag. Neben dieser für unsere Umgebung durchaus normalen Kombination von Bauteilen und Ausstattungsgegenständen aus dem Mittelalter bis zur Neuzeit weist die Krieler Dorfkirche noch zwei Besonderheiten auf. Das sind erstens halbkugelförmige Vertiefungen im mittelalterlichen Ziegelmauerwerk, vornehmlich an der südöstlichen Chorwand. Diese Vertiefungen, für die bisher, noch keine allgemein anerkannte Erklärung vorliegt, haben einen Durchmesser von etwa. 2,5 bis 3 cm und befinden sich zum überwiegenden Teil in der 3. bis 6. Schicht über dem Sockelabsatz. Wesentlich eindrucksvoller ist die zweite Besonderheit. Sowohl an der südlichen als auch an der nördlichen Außenwand sind Ansätze für geplante Anbauten sichtbar. Die jeweiligen Strebepfeiler besitzen als Anschlüsse für neue Außenwände eine Verzahnung. Die dazwischen liegenden Außenwandflächen tragen Aussparungen für Gewölbeansätze, auf der Südseite zwei niedrige spitzbogige und auf der Nord-, der Eingangsseite, einen hohen rundbogigen Ansatz.
Obwohl bisher keine Untersuchungen auf vorhandene Fundamente durchgeführt wurden, kann man nach den vorhandenen Bauteilen annehmen, dass ursprünglich für den Kirchengrundriss die Form eines griechischen Kreuzes geplant war. Eine Vorstellung von diesem möglichen Plan könnte dann die Kirche von Vietlübbe, Kreis Gadebusch, Bezirk Schwerin, vermitteln, eine der ältesten Backsteinbauten Mecklenburgs aus dem frühen 13. Jahrhundert, in der ausgeführten Grundrissform einzigartig für das Gebiet.
Da die Einordnung der Errichtung der Kirche in das 14. Jahrhundert durchaus im zeitlichen Zusammenhang mit der Ersterwähnung von Kriele 1353 und damit der vorausgegangenen Gründung des Dorfes durch Einwanderer aus dem Rheinland steht, ist auch die Möglichkeit der Übertragung der Kirchenform denkbar. Als Herkunftsort der Einwanderer wird K r i e l bei Köln als höchstwahrscheinlich angesehen. Das zweite Denkmalobjekt liegt südwestlich der Kirche am Rand des Friedhofs, die gepflegte Grabstätte für eine sowjetische Zwangsarbeiterin. An einem schlichten Holzkreuz befindet sich eine Tafel mit folgendem Text:

Hier ruht eine unbekannte sowjetische Zivilistin, verstorben 1942.

Außer diesen Objekten der Denkmallisten ist die Grabstätte der Familie Müller in der Nähe des Friedhofseinganges als erwähnens- und erhaltenswert anzusehen. Gegenüber einer Vielzahl von historischen schmiedeeisernen Grabeinfriedungen liegt hier eine seltene, geschmackvolle Gestaltung der Einfriedung im Jugendstil vor. Nach dem Verlassen des Friedhofs fällt der Blick auf ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es ist ein eingeschossiges Fachwerkhaus von 5 Achsen mit einem Krüppelwalmdach und mittiger Fledermausgaube. Vermutlich handelt es sich hier um das letzte noch im ursprünglichen Zustand erhaltene Gebäude Krieles aus dem 18. Jahrhundert. Der bauliche Zustand des unbewohnten Gebäudes zeigt jedoch auch, das seine Tage gezählt sind. Es sollte jedoch sowohl an dieser Stelle als auch in der Ortschronik noch einmal dokumentiert sein.

Worterklärung:
1) Zwerchhaus - Dachhäuschen, das quer zur Längsrichtung des Daches hervortritt' (zwerch = quer)

Literaturverzeichnis:
1) Autorenkollektiv: Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Bezirk Potsdam, Berlin 1987
2) Dehio, G.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bezirke Berlin/DDR und Potsdam, Berlin 1983
3) Dehio, G.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bezirke Neubrandenburg, Rostock und Schwerin, Berlin 1980
4) Enders, L.: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil III Havelland, Weimar 1972
5) Fischer, R.E.: Brandenburgisches Namenbuch, Teil 4 Die Ortsnamen des Havellandes, Weimar 1976

Der Artikel wurde im Rathenower Heimatkalender 1989, Seite 63-68 veröffentlicht und wurde daraus übernommen.

Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier


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