Die Geschichte des Flugplatzes Stölln bei Rhinow
Friedemann Hille, Johannes Hille
Soll etwas über den Flugsport in Stölln gesagt werden, so sei an die Anfänge des Flugwesens erinnert, denn die Geschichte des Flugplatzes am Fuße des Gollenberges ist so alt wie die Fliegerei selbst. Alles
nahm seinen Anfang mit dem aus Anklam stammenden Maschinenbauer Otto Lilienthal (1848-1896), dem ersten Menschen, dem es gelang, mit einem selbst konstruierten Flugapparat frei durch die Luft zu schweben. Lilienthal ist es zu verdanken, daß die Flugproblematik nach dem Grundsatz'„schwerer als Luft" aus den Studierstuben hinaus auf das freie Feld geführt wurde.
Er studierte die Flügelformen und den Flug der Vögel (vor allem der Störche) mit tatkräftiger Unterstützung seines Bruders Gustav seit seiner Jugend. Die theoretischen Grundlagen, auf die sich seine 18 verschiedenen Konstruktionen von Gleitflugzeugen stützten, sind in dem Werk „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst", das Lilienthal 1889 veröffentlichte, festgehalten. Es läßt sich sagen, daß in der hypothetischen Niederlegung des Fluggedankens die eigentliche Pionierleistung Lilienthals besteht; denn alle vorhergehenden theoretischen Überlegungen und praktischen Flugversuche sind an dem Unverständnis der Aerodynamik gescheitert und die nachhergehenden basieren auf den Erkenntnissen über die Flugkunst der Vögel. Der erste Motorflug, der gemeinhin auch wesentlich größere Anerkennung in der Öffentlichkeit findet als Lilienthals flugpraktische Übungen, gelang 1903 den Brüdern Wright in den USA, deren Arbeit maßgeblich auf die Erforschungen Lilienthals zum Vogelflug zurückgehen. Die finanzielle Grundlage zum Bau der Flugapparate sicherte sich Lilienthal durch eine eigene Maschinenfabrik in seinem Wohnort Berlin.
In Derwitz bei Potsdam gelangen Lilienthal 1891 die ersten erfolgreichen Flugversuche. Eben jene Flüge von etwa 25 Meter Weite gingen in die Geschichte, unter dem Beginn des Menschenfluges vor nunmehr l13 Jahren, ein. Nachdem er 1893 schon in Rhinow am „Hauptmannsberg" (dessen Höhe 95 Meter beträgt) geflogen war, verschlug es Lilienthal auf der Suche nach höheren
Bergen mit besseren Flugbedingungen im Jahre 1894 nach Stölln. Die erste Erwähnung des Ländchens Rhinow durch Lilienthal fand sich in seinem Jahresbericht von 1892, wo es heißt: „Die Umgebung Berlins ist leider arm an guten Übungsstätten für den Segelflug. Das Ideal des letzteren bildet ein nach allen Seiten abfallender sandiger Hügel von wenigstens zwanzig Metern Höhe, der den Absprung nach jeder Richtung gestattet. (Es ist aus aerodynamischen Gründen nötig, immer gegen den Wind zu starten. Anm. d. Verf.) Für diejenigen, welche sich angeregt fühlen sollten, ebenfalls den Segelflug zu üben, sei bemerkt, daß zwischen Rathenow und Neustadt an der Dosse ein Landstrich liegt, das sogenannte Ländchen Rhinow, welches die gewünschten Berge in großer Auswahl enthält."Weilte Lilienthal in Rhinow und später auch in Stölln, so fand er Kost und Logis im Gasthof Herms, der heute den Namen Gasthof „Zum 1. Flieger" trägt.
Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 2005.
Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier
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