Die französische Herrschaft
von Gerd Mangelsdorf
Seit dem Dreißigjährigen Krieg verlief das Leben in Rhinow friedlich. Das änderte sich mit dem Einmarsch der französischen Armee in Preußen.
Am 4. Oktober 1806 bezogen preußische Truppen beim Durchmarsch Quartiere in Rhinow. Mit frohem Mut zogen sie den Franzosen entgegen. Nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstädt marschierten preußische Truppen am 22. und 23. Oktober durch Rhinow. Kaum hatten sie die Stadt verlassen, erschienen am Nachmittag des 23. Oktober die ersten französischen Soldaten. Die Einwohner von Rhinow flohen mit ihrem Hausrat und Wertsachen in die Gehölze des Luchs und nach der Dunkelhorst hinter dem Bärengraben. Das Vieh, das noch auf der Weide war, wurde in die Gehölze getrieben. Nach einigen Tagen, als die Franzosen Rhinow verlassen hatten, zogen die Einwohner wieder in die Stadt. Die Besatzer hatten viel zerstört.
Nach dem Friedensschluß von Tilsit zwischen Frankreich und Preußen erhielt auch Rhinow französische Besatzung. Am 14. März 1807 wurde die Stadt besetzt. Ein Teil der Truppen lagerte außerhalb der Stadt zwischen Rhinow und.Stölln. Die Soldaten mußten von den Einwohnern beköstigt werden. Außerdem mußte französischen Offizieren Honig geliefert werden.
Sie verlangten 8 Spiele Karten, zwei Buch Briefpapier, eine Stange Siegellack und 8 Zitronen für einen Wachtmeister-Major. Die Schuhmacher und Schneider mußten die Schabracken21 ausbessern. Greifbares Vieh wurde von den Franzosen geschlachtet. Belästigungen waren an der Tagesordnung. Am 11. Juni 1807 verließen die französischen Truppen die Stadt. Einige Franzosen waren im Weinkeller der Gutswirtschaft geblieben. Sie wurden von einigen Bürgerknechten verfolgt und auf dem Voigtschen Hof erschlagen. Dabei entkam ein Soldat, der die abrückende Truppe erreichte. Von der Truppe wurde ein Kommando nach Rhinow geschickt, um die Bewohner der Stadt zu strafen. Alles im Stich lassend, flohen die Einwohner vor den anrückenden Soldaten in die nahen Gehölze.
Als die ersten Einwohner nach einigen Stunden in die Stadt zurückkehrten, war sie geräumt. Größere Schäden waren nicht angerichtet worden.
Von nun ab blieb Rhinow von französischer Besatzung frei. Trotzdem mußte die Stadt Kontributionen3' entrichten. Am 29. September 1808 mußten 106 Taler und am 17. Oktober 1808 200 Taler aufgebracht werden. Später wiederholten sich die Zahlungen.
Im Frühjahr 1809 beherbergte die Stadt Major Schul mit seinen Reitern, der auf dem Zug von Magdeburg nach Kolberg beim Bürgermeister Schöne übernachtete. Als im Jahr 1812 Napoleon mit seinem Heer nach Rußland zog, mußten die Ackerbürger aus Rhinow den Franzosen Vorspanndienste leisten. Mit ihren Gespannen zogen sie im Gefolge des Heeres wochenlang mit und mußten Pferdefutter befördern. Sie kamen erst nach Monaten zurück.
Am Neujahrstag 1813 wurde bekannt, daß die französische Armee in Rußland geschlagen worden war.
Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 1992.
Redaktionell bearbeitet von M. Borgmeier
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