Ein Stein für Ebelgünde
Von Sebastian Kühl
Auf der Tagesordnung der zurückliegenden Sitzung des Ausschusses für Bauwesen, Ordnung und Umwelt der Stadtverordnetenversammlung Rathenow stand auch die geplante Beräumung des ehemaligen Ebelgünder Friedhofs und die Aufstellung eines Gedenksteins. Durch die Mitglieder wurden Beräumung und Gedenksteinerrichtung der Stadtverordnetenversammlung einstimmig zum Beschluss empfohlen. Das einst in der Nähe von Grütz gelegene Dorf Ebelgünde fiel der Einrichtung eines Übungsplatzes der Armee zum Opfer. Der Truppenübungsplatz wurde bereits 1956 angelegt, schloss jedoch anfänglich das Dorf nicht mit ein. Ende der 70er Jahre verließen dann die letzten Einwohner auf Betreiben der Nationalen Volksarmee Ebelgünde. Die Lebensumstände hatten sich durch das rücksichtslose Verhalten der NVA drastisch verschlechtert.
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Der ehemalige Friedhof von Ebelgünde auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Klietz befindet sich zurzeit in einem verwilderten Zustand. Er und zwei Ortsschilder sind die einzigen sichtbaren Erinnerungen an den Ort Ebelgünde.
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Heute ist von der einstigen Siedlung außer den Resten des Friedhofs mit etwa 25 verbliebenen Grabstellen kaum mehr etwas zu sehen. Von einem Zaun umschlossen und durch zwei neue Ortsschilder gekennzeichnet, liegen wenige Schuttreste mitten im Nirgendwo. Ein Trafohaus ist das einzige noch stehende Gebäude. Die Gräber auf dem Friedhof sind zum Teil überwachsen, viele Grabsteine sind beschädigt. In der weiteren Umgebung lassen sich mit ungeübten Augen kaum Hinweise mehr darauf finden, dass es hier auf dem Militärgelände einst ein Dorf gegeben hat. Nach der Wende übernahm die Bundeswehr den Truppen- Übungsplatz Klietz. Sie ist sich im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin der Verantwortung gegenüber den früheren Ebelgünder Bürgern und ihren Nachkommen bewusst. Seit Beginn der 90er Jahre kümmern sich Bundeswehrangehörige um den Friedhof und bewahren ihn vor dem weiteren Verfall. Die Bundeswehr übernimmt nun neben der Finanzierung der Friedhofsberäumung auch die Kosten für das Denkmal und erhält so den ehemaligen Ebelgündern nicht nur das Gedenken an die Toten, sondern auch ein Stück Heimat.
Da die Ruhefristen der Gräber schon seit längerer Zeit abgelaufen sind und auch ehemalige Ebelgünder Bürger beziehungsweise deren Nachkommen keine Einwände haben, steht der Beräumung der Gräber nichts mehr im Wege. Auch der Geschichtsverein Havelland e. V sieht nach eigenen Angaben in der Aufstellung des Steins eine gute Form des Erinnerns.
Der Friedhof wird traditionell von den ehemaligen Ebelgündern einmal jährlich zu Pfingsten für eine Zusammenkunft genutzt. Zu diesen Treffen kommen etwa 20 bis 30 frühere Einwohner Ebelgündes oder deren Nachkommen. Auch von sehr weit her, sogar aus Neuseeland, sind schon Teilnehmer der Pfingstreffen angereist. Auf dem geplanten Erinnerungsstein soll die Inschrift
„Zum Gedenken an die Verstorbenen aus Ebelgünde" angebracht werden. Die Bundeswehr wird auch in Zukunft die Pflege des Platzes übernehmen und für die jährlichen Treffen der Ebelgünder den Zugang zu der Stätte garantieren. Für die Stadt Rathenow werden im Zusammenhang mit dem ehemaligen Ebelgünder Friedhof keinerlei Kosten entstehen. Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet am 22. Februar über die Errichtung des Gedenksteins.
Quelle: BRAWO vom 12.02.2006
Foto: Kühl
Anmerkung der Redaktion: In Ebelgünde ist zwischenzeitlich der geplante Gedenkstein errichtet worden.
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