Der Sarg stand in der Böhner Kirche
(Situationsbericht zum Tod von Generalfeldmarschall Günther von Kluge)
von Fritz Mewes (†)
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eneralfeldmarschall Günther von Kluge war vom 2.7.-17.8.1944 Armee-Oberbefehlshaber an der Westfront und leitete die Abwehroperationen der Wehrmacht in Frankreich gegen die alliierten Invasionstruppen, die am 6.6.1944 in der Normandie gelandet waren. Ein Erfolg war ihm nicht beschieden.
Er hatte auch Kontakt zu den Hitlergegnern des 20. Juli 1944, war aber an der Vorbereitung und Ausführung des Attentats nicht beteiligt. Wiederholt äußerte er sich kritisch über Hitler und daß das sinnlose Kämpfen beendet werden müßte.
Generalfeldmarschall von Kluge erwies sich bis zuletzt als erfahrener und fähiger Soldat. Hitler verlangte von ihm, den aussichtslosen Kampf an der Westfront weiter¬zuführen. Weil er Hitler nicht mehr traute und seine Familie nicht gefährden wollte, setzte von Kluge, der seit 1935 in Böhne bei Rathenow beheimatet war, am 17.8.1944 in der Nähe von Metz seinem Leben mit einer Giftkapsel ein Ende.
Am Abend des 16.8.1944, nachdem er von Hitler als Oberbefehlshaber an der Westfront abgelöst worden war, schrieb er noch einen Abschiedsbrief an Hitler, in dem er ihn aufforderte, angesichts der Lage den hoffnungslosen Kampf zu beenden.
Offizielle Informationen, die den Tod von Kluges bestätigten, gab es nicht, und so war man auf Flüsterparolen und Feindsender angewiesen. Die Gerüchte drangen auch bis Bohne und in die Redaktion der Rathenower Havelzeitung. So rief deren Mitarbeiter Franz Friedrich Babenzien am 21.8.1944 den Schriftsetzer Weiß an, der in Böhne wohnte und in der Rathenower Zeitungsdruckerei tätig war. Weiß bestätigte, daß der Sarg mit dem Leichnam des Generalfeldmarschalls von Kluge in der Kirche von Bohne steht. Er habe sich selbst davon überzeugt.
Walther Specht, Mitarbeiter der Havelzeitung, fuhr sofort nach Böhne. Er kam mittags zurück und bestätigte, daß der Sarg des Generalfeldmarschalls in der Kirche aufgebahrt sei.
Inzwischen war ein Gerücht bis zur Schriftleitung gedrungen, daß ein Frisör diese Tatsache seinen Kunden erzählt hatte und darauf von einem Parteigenossen11 aufgefordert wurde, solche Reden zu unterlassen. Kluge sei nicht tot, sondern an der Front. Mit dem Propagandaamt zu telefonieren, um Klarheit zu erhalten, schien unter diesen Umständen nicht ratsam - und so wurde brieflich angefragt. Man wartete vergebens auf den Antwortbrief. In den nächsten Tagen gab es vorsichtige Anfragen von der Bevölkerung: Ob der Generalfeldmarschall von einer Fliegerbombe getötet oder sich erschossen habe, weil er am 20. Juli beteiligt gewesen wäre?
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Der Sarg mit den sterblichen Überresten des Generalfeldmarschall Günther von Kluge wird aus der Böhner Kirche herausgetragen
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Dann erschien eines Tages der Sohn des Verstorbenen im Geschäft der Firma Ba¬benzien, um Trauerbriefe zu bestellen. Das Datum der Beisetzung müsse offen bleiben, sagte er, da Hitler ein Staatsbegräbnis angeordnet habe. Der Termin steht noch nicht fest. Nun bestand damals eine Anordnung, daß nur 20 Trauerbriefe gedruckt werden durften. Ausnahmen mußten besonders genehmigt werden. Der Geschäftsinhaber telefonierte mit einer Dienststelle in Berlin, wurde von dort zu einer Dienststelle in Leipzig verwiesen. An diese wurde offen depeschiert: „Wegen Tod Generalfeldmarschall von Kluge erbitte Sondergenehmigung auf Druck von ...zig Trauerbriefen". Auch hier erfolgte keine Antwort.
Babenzien läßt nun General Blumentritt aus dem Stab des Generalfeldmarschalls von Kluge zu Wort kommen: Der General informierte, daß er aus Metz die Nachricht erhalten habe, von Kluge sei einer Herzattacke erlegen. Zwei Tage später kam ein ärztlicher Bericht, der feststellte, daß der Tod auf einen Bluterguß im Gehirn zurückzuführen sei.
Dann wurde gesagt, daß es ein Staatsbegräbnis werden solle und daß Generalfeldmarschall von Rundstedt von Hitler angewiesen sei, als sein Vertreter die Trauerrede zu halten und einen Kranz niederzulegen.
Als die Redaktion der Rathenower Zeitung den Hinweis auf die Beisetzung von Kluges erhielt, wollte auch Walther Specht nach Böhne fahren, um Aufnahmen für einen Zeitungsbericht zu machen. Babenzien wandte sich darum an das Propagandaamt, um die überbrachten Fotografien für den Druck frei zu bekommen. Daraufhin bekam er einen Anruf aus Berlin - nicht vom Propagandaamt - sondern von der Gestapo2'. Ihm wurde in scharfer Form mitgeteilt, daß Generalfeldmarschall von Kluge lebt und an der Westfront sei. Außerdem wurde er verwarnt, daß jede andere Ansicht schwerste Folgen für ihn persönlich haben kann.
Nun ging Walther Specht persönlich zum Stadtältesten von Rathenow, um zu erfahren, was los sei. Er erfuhr zwar nichts Genaues, bekam aber die Auskunft, daß der Stadtälteste am nächsten Tag als Privatperson zur Beisetzung nach Bohne fahre. Walther Specht und eine weitere Mitarbeiterin fuhren ebenfalls zur Beisetzung am 1.9.1944.
Der Tod des Generalfeldmarschalls von Kluge war für die Einwohner von Böhne erschütternd, denn man schätzte ihn wegen seiner Aufrichtigkeit und Freundlichkeit im ganzen Dorf.
Weitere Infos siehe auch "Beisetzung des GFM G.v. Kluge"
"G.v.Kluge, Generalfeldmarschall und Gutsherr von Böhne"
Worterklärung:
1) Parteigenosse - Mitglied der NSDAP
2) Gestapo - Geheime Staatspolizei
Literaturhinweis:
Cartier, R. - Der zweite Weltkrieg
Piper München Zürich 1985
Holmsten, G. - Deutschland Juli 1944
Droste Verlag GmbH Düsseldorf 1982
Kreutzmann, J. - Ehemaliger 2. Jerichower Kreis
Sutton Verlag GmbH Erfurt 2000
Zentner, Chr. - 2. Weltkrieg
Verlag Pabel Moevg KG Rastatt 1996
Havelzeitung Nr. 9/1953, Jever
Quelle: Rathenower Heimatkalender 2004, 48. Jahrgang, Artikel wurde mit Gestattung des Rathenower Heimatbundes e.V. daraus übernommen
Fotos: Archiv Michael Crone
Anmerkung der Redaktion:
Generalfeldmarschall Günther von Kluge muss zum Kreis des Widerstandes vom 20. Juli 1944 gerechnet werden und war über den Stand der Vorbereitungen zum Attentat auf Hitler stets informiert. Die Ursache weshalb er sich am 20.Juli 1944 nicht aktiv in die Putschbewegung eingebracht hat, wird von heutigen Historikern sehr unterschiedlich beurteilt. Die Tatsache, dass er von Hitler im August 1944 vom Oberbefehl an der Westfront abberufen wurde, sowie die Desinformationspolitik zu seinem Ableben belegen die aktive Nähe zum Widerstand vom 20. Juli 1944.
Generalfeldmarschall Günther von Kluge beendete am 19.August 1944 in der Nähe von Metz mit einer Zyankalikapsel sein Leben. Der amtliche Totenschein attestiert Herzversagen.
Redaktionell bearbeitet von Hans- Jürgen Wodtke, 24.Juli 2007
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