Der Galmerhahn
von Günter Thonke
Irgendwie hat je
der Mensch einen Vogel.
Der Galmer Wirt stand auf rassige Hühnerzucht und hatte sich einen Rassehahn auf der letzten Ausstellung genehmigt, um seinen Hühnern etwas zu bieten. Der alte Hahn musste das Zeitliche segnen und konnte sich den Topf, in den er gewandert war, nicht mehr von innen besehen.
Die Hennen trauerten nur kurz, denn der Neue aus der Stadt und dessen Vorvergangenheit, die wurden schnell erpickt.
Unter der großen Linde saßen die Stammgäste an einem schönen Sonnentag und hatten wie immer ihre Grillen im Kopf, genehmigten sich Biere und Körner. Hahn und Hühner umpickten sie, als sich ein Gast an Wilhelm Busch erinnerte und seine Brosamen in den Korn tauchte. Da h
atten die Hühner gerade mit dem Eierlegen zu tun und der Hahn die Pause, sich dieser Köstlichkeit zu bedienen. Schnell trat die Wirkung ein und der Herr des Mistberges lag auf dem Rücken, krähte und zappelte. Der erboste Wirt schnappte sich seine Fehlinvestitution und eilte zum Hauklotz, um seine Wut zu vergessen. In allerletzter Sekunde retteten die Gäste den Hahnemann vor dem Beil, erzählten die abgekupferte Geschichte von Max und Moritz, der Witwe Bolte und ihren Hühnern und rieten den Wirt, diese nach - und seinen Enkeln vorzulesen.
Redaktionell bearbeitet am 06.11.2007 von Robby Schmalz
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