Der Landbarbier
von Günter Thonke
An drei Tagen in der Woche zog der Landbarbier seine Runde über die Nachbardörfer, um den Bauern um den Bart zu gehen. Die flohen zwar oft vor seines Messers Schärfe, das dem Alter des Barbiers entsprach. Seine Frau hatte daheim das Kommando und wehe, seine Kasse entsprach nicht ihrer Vorgabe. Da nutzten ihm keine Ausreden und oft musste sein Trinkgeld daher von einer Tasche in die andere wandern und aushelfen. Den Kunden war es bekannt und das Salär lag auch bei ihrer Abwesenheit bereit oder wenn sie der Prozedur entgehen wollten. Einst traf er keinen der Kunden an, doch hoffte er, diese bei diesem Wetter nur im Krug zu finden, wohin ihn Not und Neugier zogen. Dorten traf er alle an den Sitzen kleben.
Der neue Gemeindebulle wurde gerade begossen. Da der Tag ohnehin nicht nach Arbeit roch, nutzt der Wirt seine Chancen, den Hahn laufen zu lassen und animierte durch seine Lagen die Gäste. Da reihte sich unser Barbier freudig ein. Die Runden taten das Nötige, um ihn von den Beinen zu holen.
Auch der Milchwagen hielt vor der Buckower Kneipentür. Den Pferden stach der Hafer, der Kutscher suchte die Tropfen für seine Kehle. Den Alkohol am Zügel kannte damals noch keiner und die Pferde wussten den Weg. Der Runde aber kam die Idee, den Barbier auf einem Bund Stroh im Handwagen an den Milchwagen anzuhängen. Diese Doppelfuhre tuckelte über die Landstrasse von nüchternen Pferden gezogen gemächlich nach Wudicke.
Der Kutscher wurde schnell nüchtern, als er die zeternde Barbierfrau hörte und ihr Mann torkelnd wie auf Eiern laufend sein Haus betrat. Die Hacken seiner Schuhe hatte der Weg gefressen. Der Schuster hatte wieder Arbeit, dem Wirt war es ein guter Tag und das Salär des Barbiers war mühelos, nur den Bauern ging es an den Beutel, doch auf ihrem Acker ließ der Herr es kostenlos wachsen und der Spaß war es ihnen wert gewesen.
Redaktionell bearbeitet am 05.11.2007 von Robby Schmalz
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