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Vor und hinter der Kirchhofsmauer

von Günter Thonke

Auf dem alten Friedhof waren Flieder und Efeu gewuchert und was Tante Pastor in der Nacht aus dem Fenster zu sehen meinte, dass war wie mit dem Quietschen der Mäuse in der Jungfern Kammer - die Jugend im Frühling und Mitsommer!
Gaststätte Herrgott in BuckowDie Pfarrstelle war vor der Konfirmation meiner Mutter noch von Pastor Bolle besetzt. Der fungierte auch als Schulaufsicht. In der großen Pause wurde sie oft zur Schulhofmauer gerufen, um beim Herrgott Zigarren und Korn zu holen. Alle Buckower gingen des Sonntags zweimal zum Herrgott, in die Kirche und den Krug, der von einem „ Herrgott“ betrieben wurde. Von dem schöpfte also Pastor Bolle auch in der Woche seine geistige Nahrung. Der Krug war Nachbar der Müllers und die bekamen beim Tanz immer den letzten Walzer mit. Gefeiert wurde gern und oft. Gründe gab es immer, und wer in der Reihe wohnte, wollte sich nicht lumpen lassen und hielt auf sich, wenn es auch gar seine Möglichkeiten überstieg.
Die andere Wirtschaft war die von Deibel, der hatte ein glasiges Auge, was die Kinder fürchten ließ. Er ging auch als Hausschlächter, kurzum, er war eine Märchenbuchfigur. Die Bauern gingen in seinen Krug an der Kirchhofmauer zum Hannes Deibel.
Wurde eine Lage bestellt, so hieß es „Deibel noch mal“.
So nahe am Friedhof hatte der Satan auch keinen weiten Weg mit Sündern. Die Gäste hier beschauten sich nicht ob ihrer Sünden, -
wer da ohne sei, der ist ja lebendig tot. Auf ein langes Dasein hofft doch jeder.
Der andere Wirt hieß Karl Herrgott. So kennen alle hier den Vornamen des Herrn, - das walte Karl!
Bei beiden trafen sich die Leute und tauschten ihre Sorgen, Freuden und Meinungsverschiedenheiten aus. Bei einer Lage wurde vieles geregelt, ehe vor Gericht gezogen wurde. Dafür geben wir kein Geld aus und die da ticken sowieso anders als wir.
Wegen einer Furche machen wir kein Fass auf.
Ein verrückter Grenzstein ist kein Totschlag.
Der Gemeindediener Otto Döbbelin fasste keine Karte an. Er schlug aber keine Lage aus. Der Gendarm Rübenschüssel war unbestechlicher als Staatsgewalt. Beide waren aber immer im Dienst. Sie erlauschten und witterten die Spitzbuben, die sie nie erwischten.
Auf Wunsch des Pfarrers sollten sie die Sünder fassen, die sich dort in der Nacht an der Kirchhofsmauer entblasten. Vor der Kaisereiche salutierten sie und hatten Respekt. Die hinter der Mauer lagen, die hatten sich früher auch so benommen,
- Machnitmehr und Kannitmehr
Der Gendarm war auch nur ein Mensch und schaffte es nicht immer bis nach Hause. Als er zwei Männer seines Jahrganges erwischte, drehten die sich zu ihm und die Geräusche verstummten an seinem langen Mantel mit den großen Taschen. Als er die Beiden zur Rechenschaft ziehen wollte, stritten die auf Teufel komm heraus, fragten nach Zeugen und behaupteten von nichts zu wissen.
„Bist woll selber west?!“-

Redaktionell bearbeitet am 05.11.2007 von Robby Schmalz
 


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