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Heia Safari Nacherzählt

von Günter Thonke

Es war keiner der Tage, wo über den Daumen gefrühstückt wurde. Die große Schwester Luise, in der Familie die Königin genannt, die hatte einen runden Geburtstag, es war der Dreißigste.
Alle Geschwister waren eingeladen worden.
Sie hatte als die Älteste den Wald geerbt, ihr Gatte war Platzmeister auf dem Sägewerk nebenan und über die jeweiligen Holzpreise bestens informiert. Beide lebten nicht schlecht vom Ein- und Auskommen.
Ein Bruder hatte den Acker bekommen, die Milch der Kühe brachte das Geld und so konnte die Pfeife immer unter Dampf stehen. Otto hieß er und trug schon diesen Namen in der dritten Generation. Er wurde Otto der Dritte genannt.   
Das Monarchische war damals in der Sippe die Mode gewesen und der nächstjüngere hieß Friedrich - Wilhelm. Der war Bahnbeamter im mittleren Dienst, bediente im Bahnhof die Schranken, Weichen und Signale, verkaufte die Billette am Schalter und fertigte die Züge ab.
Seine Angetraute hatte mit dem Häuschen einen großen Garten und einen Morgen Spargel mit in die Ehe gebracht. Er hatte nach seines Tages Last die Ehre, alles zu beackern. Vom Ertrag fuhr sie in das Bad der unverstandenen Frau und er mußte zum Dienst.
Die Jüngste, die Prinzessin hatte einen Futteralbäcker geheiratet.
Der buk Etuis für die Brillen, die in der Kreisstadt hergestellt wurden.
Jeden Monat fuhr er zum Grossisten mit dem Rad über die Dörfer, um dort für Pfennige die Ware abzuliefern. Die Bahnfahrt wurde gespart.
Der Rückweg zwang zum Durstlöschen in den Lokalen. Wenn die Prinzessin die Hühner gefüttert, die Eier aus den Nestern genommen und den beiden Ziegen die Milch gemolken hatte, das war ihre Kasse, dann kam der Herr Gemahl mit dem Abendläuten durch das Hoftor und wie immer mit einem Affen. Das war nichts Neues und für drei Tage zog die große Stille des Anschweigens bei ihnen ein.  
Heute am zweiten Tag hatte die Königin Geburtstag und wortlos lagen der Anzug, Hemd und Schlips auf dem Bett.
Bei der Königin wurde gebacken, gebruzzelt und gekocht, die gute Stube gelüftet und alle Tücher von Sesseln und Sofa genommen.
Für die gewichtigen Brüder waren die Stühle gedacht.                                     
Die wurden auch nach der Gratulationscour vergattert, heute ihre Pfeifen kalt zu lassen wegen der Gardinen.     
Sie nickten nur stumm und versprachen es, doch nach der Tafel wurde es den Brüdern bannig eng, die hölzernen Stühle drückten und ihre Füße schwollen an. Sie gaben sich einen Ruck, stellten die Stühle vor die Tür und flegelten sich auf Sessel und Sofa.
Die Frauen klagten in der Küche ihr Leid mit den Männern und über die Last, die ihnen mit der Ehe von ihren Paschas aufgebürdet würde.   
Die Königin hatte sich vom Hausboden den nach des Vaters Tod dorthin verbannten stummen Diener, einen Mohren, der einen Aschbecher hielt, geholt. Der nickte mit dem Kopf, so er die Asche der Zigarre erhielt. In der Kindheit war er ein lieber Gefährte gewesen. Das Wiedersehen erfreute die Brüder.
Wir wollen doch mal sehen,ob er noch nicken kann, unser Heia Safari, meinte Otto der Dritte. Die Brüder waren sich einig, als er das Etui mit den Brasilzigarren aus der Jacke zog, um das Pfeifenrauchverbot zu überschreiten. Unter ihrer Fünfzentnerlast ächste nicht nur das Sofa, sondern auch ihre Lungen beim Schmauchen. Schnell war die Bude blau und die Gardinen gilbten, als die Frauen aus der Küche kamen und der Königin der Atem stockte: „Nee, ach nee, was tut ihr mir an!“
Die Schwester und die Schwägerinnen meinten, kaum ließe man sie allein, schon trieben sie Dummheiten. Das Quartett fühlte sich stark und war nicht zu erschüttern, erzählten sich tolle Geschichten mit großem Aufschnitt.
Die Gardinen hatten ihren Teil und die Wäsche vor sich. Sofa und Sessel mußten in die Scheune zum Lüften für drei Tage und der unschuldige „Heia Safari“ wanderte wieder auf den Spitzboden bis zur nächsten Erbschaft oder einem fündigen Antikhändler.
Bis zur nächsten Familienfeier haben sich hoffentlich die Wogen wieder geglättet, der Etuibäcker den monatlichen Affen heimgeführt und die badreisende Schwägerin den verkauften Spargel verkurt. 
Anderntags dampften wieder der Brüder Pfeifen. 
Grafik: Günther Thonke


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