Der Heidenvater
von Günter Thonke
Er war alt geworden hier in Ebelgünde, dem Dorf in der sandigen Heide, wo sich die Füchse „Gute Nacht“ sagen und der Eierkuchen nur auf einer Seite gebacken wurde, weil das Dorf nur eine Straßenseite hatte. Zu seiner Gefährtin nach dem Tode seiner Einzigen meinte er, sie büke nur Eikuchen, nehme nur ein Ei, damit er nicht so rappelig und übermütig würde. Ebelgünde ist heute von der Landkarte verschwunden, nur die Stelle, wo an der Chaussee der Briefkasten hing, wird von den dort übenden Truppen noch genannt.
Eine Kirche hatte man dort nie gehabt.
Das Läuten der Glocken von Grütz und Steckelsdorf, bei gutem Wind auch von Schollene, erhörten die Wendlinge kaum, wozu auch?
Sie waren mit sich zufrieden gewesen und ihre Söhne hatten es bis zum Revierförster gebracht gehabt, waren in Amt und Würden.
Alle Jubeljahre klopften sie an die Tür des Vaterhauses, bis der Tag kam, wo dieser gestorben war und auf dem fernen Friedhof des Pfarrdorfes bestattet werden sollte. Der Pfarrer ließ keinen guten Faden an dem gottlosen Heiden, der zwar im Wald gewohnt , aber nie eine Heide besessen hatte. Im Kirchspiel wurde er nie beim Gottes- dienst gesehen und nun blockierte er alle Wünsche, Hoffnungen und Versprechungen, die allen am Grabe vor- und nachgerufen wurden.
Der Förster ließ es nicht auf seiner, der Angehörigen und des Vaters Ehre sitzen und schrieb dem Pastor einen geharnischten Brief, in dem er um eine Erklärung bat. Der schüttelte den Vorwurf ab, sah Himmel und Erde aus seiner Sicht und wies die Beschwerde zurück. Zu wiederholen sei ohnehin nichts. Warum habe er sich nicht gleich an das Konsistorium gewendet?
Redaktionell bearbeitete am 05.11.2007 von Robby Schmalz
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