Mumpitz
von Günter Thonke
Sie hatten wieder einmal ihren klebenden Tag an der Theke von Mumpitz. So ökelten sie den Wirt, was er nicht hören durfte, obwohl er jeden zweiten Satz so begann. Doch das bemerkte er nicht mehr, er, der alles besser wusste. Viel Erzähltes erhörte er an der Theke, registrierte es und hielt das Meiste davon nur für Mumpitz. Dem Wortsinn sind viele auf der Spur, doch solange bleibt Mumpitz Mumpitz und der Wirt im Krug neben der Kirche im Dorf Nennhausen.
An Tagen wo es Kinder regnet sind viele Männer lieber nicht daheim. Da wird es langfristig im Wirtshaus billiger, zumal es bei drei Wettern in allen Gliedern zwickt und der Verdünner von Hahn und Flasche alle Säfte fließen lässt. Ist der Alkohol im Kopf, so fällt dieser auf den Tisch. Das traf als Ersten den Bäcker des Dorfes. Dem Monte und dem Kuddi und noch einigen kam die Schnapsidee, den Tropf in eine gerade fertige letzte Kiste zu legen und zur Kapelle bringen. Dabei tröteten sie in die Hände auf dem langen Weg durch den Ort.
Mumpitz fand es Mumpitz, - aber keine klar denkende Persönlichkeit wies sie in die Schranken.
In der Morgendämmerung kam der Bäckermeister zu Sinnen und wähnte sich auf seiner letzten Reise. Dann schlich er in seine Backstube und die Einfaltspinsel fanden früh den Sarg leer. Das tägliche Brot gab es Stunden später. Des Bäckers Gemüt hatte alles gut verkraftet. Den Sarg betrachtete er als geschenkt und stellte ihn für später ins Dachgebälk. Der Durst blieb ihm bis an das Ende seiner Zeit.
Redaktionell bearbeitet am 05.11.2007 von Robby Schmalz
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