Informativ
|
Geschichte(n)
|
Einkaufen
|
Dienstleistungen
|
Kontakt
Übersicht
Regionale Personen
Regionale Kunst & ...
Regionalgeschichte
Historische Souvenirs
Souvenirs der Rathenower Brautradition

Geschmack aus Sachsen-Anhalt

Weine aus der Saale-Unstrut-Region!

Erleben Sie die Vielfalt einheimischer Weine demnächst hier!

zurück Zu dieser Seite sind keine Kommentare vorhanden! Seite drucken

Wehrmacht verteilte bei Rückzug durch Rathenow Lebensmittel

von Rudolf Bergau  ( † )

Nach Kriegsende berichtete dem Verfasser ein Ingenieur aus den ehemaligen Arado- Flugzeugwerken von Bestrebungen, „dem Feind nichts in die Hände fallen zu lassen". So sollen vor
Wehrmacht in der Rathenower Altstadt

Blick in die Rathenower Havelstraße/ Ecke Mölzanstraße, im Hintergrund das alte Rathaus

dem Feindalarm zwölf hochwertige Langbett-Drehbänke für die Kriegsproduktion in den Arado- Flugzeugwerken auf dem Güterbahnhof eingetroffen sein, die aber wegen der einsetzenden Kampfhandlungen nicht mehr nach Heidefeld weiterbewegt werden konnten. „Auf Befehl" wurden sie kurzerhand in den danebenliegenden „Königssee" abgekippt, wo sie noch heute im unergründlichen Schlamm liegen sollen (Es soll nicht an Versuchen gefehlt haben, sie damals über eine „Bergungslizenz" zu heben.)
Der nämliche Ingenieur wußte auch zu berichten, daß die Behörden aus Geschäften, Magazinen usw. „Beile und Äxte" zwangseingezogen und in „riesigen Mengen" hinter den Kasernen vergraben hätten. Nach dem „Feindalarm" war eine der dringlichsten Sofortaufgaben der Behörden die Ausgabe von „Notreserven", um der Bevölkerung eine gewisse Bevorratung zu ermöglichen, in der Erkenntnis, daß bei den zu erwartenden lange andauernden Verteidigungskämpfen eine normale Versorgung nicht mehr möglich sein würde. So wurden alle Verkaufsstellen angewiesen, sofort Fleisch- und Wurstbüchsen, Zucker, und was sonst noch vorhanden war, an die Bevölkerung auszugeben. Fleischer Schneider in der Großen Milower Straße gab sogar noch Frischfleisch und Wurst aus und verteilte es, so weit es noch reichte.
Der bereits genannte Zeitzeuge Manfred Jaserick berichtet zum Beispiel, daß zu dieser Zeit ein mit Zucker beladener Lastkahn am Schleusenkanal aus der Ladung für jede Familie 200 kg Zucker ausgab. Als die Fesselballonabteilung am Weinberg aufgelöst wurde, gab sie ihre Versorgungseinrichtungen für die Zivilbevölkerung frei, so daß von hier aus eine großzügige zusätzliche Ausgabe möglich wurde.
Wie schon erwähnt, verliefen die Flucht- und Rückzugsbewegungen der geschlagenen Heeresverbände zusammen mit der Zivilbevölkerung aus Spandau bzw. Berlin, „Fremdarbeitern" usw. durch Rathenow. Da waren auch die hochbeladenen Wehrmachtsfahrzeuge von Interesse, die Tag und Nacht durch die Milower Straße in langsamer Fahrt und weiter zur Berliner- oder Fehrbelliner Straße rollten. Fahrer und aufsitzende Heeresangehörige waren nicht kleinlich und warfen Kisten mit. Fleisch- und Schmalzbüchsen, Schokolade und sonstigen Lebensmitteln von den Fahrzeugen, die die Rathenower bei den kargen Zuteilungen schon lange nicht mehr gesehen hatten und die jetzt von den am Straßenrand Wartenden mit großer Freude genommen wurden - keine bittend empor gestreckten Hände blieben leer.

Produkte des jüdischen Fabrikanten FrommsBei diesen erfreulichen Vorgängen geschah etwas, das uns ein ganz klein wenig zum Schmunzeln bringt: eine dem Verfasser bekannte und schon damals betagte Dame von etwa 75 Jahren aus der Milower Straße stand im Hintergrund des Gehsteiges mit verlangenden Augen auf den abgeworfenen „Segen" blickend, als ein junger Soldat ihre bescheidene Haltung bemerkte, sie anrief und ihr tatsächlich einen Karton zuwarf. hochbeglückt eilte sie in ihre Wohnung, um in freudiger Erwartung die Verpackung zu öffnen - können wir ihre entsetzliche Enttäuschung und ihr verletztes Scham- und Feingefühl verstehen, als ihr Dutzende von in Tütchen verpackte „Parisern" (heute „Kondome" genannt) entgegen fielen? Nach dem Kriege erzählte sie diese Geschichte nicht sehr oft. Geschah es aber doch einmal, pflegte sie stets abschließend zu bemerken, „daß ich mich niemals in meinem Leben so geschämt habe, wie damals als alte Frau."           

Redaktionell  bearbeitet von Hans- Jürgen Wodtke im August 2007

 


  Kommentare sind zu dieser Seite nicht vorhanden!

zurückSeite drucken
Regionale Dienstleister

Ausgewählte Dienstleister aus dem Havelland stellen sich vor

Werfen Sie einen Blick auf unser aktualisiertes Angebot!
 

 
© Havelland-Kiosk - All rights reserved - Powered by wodtke media