Die Gründung des Wilhelminenhofes Wann und von wem der Wilhelminenhof gegründet wurde, läßt sich aktuell nicht genau bestimmen. Eine Landkarte der Region aus der Mitte des 19.Jahrhunderts gibt Auskunft über die Nachbarhöfe, den Möthlowshof, den Hilgenfeldshof und den Ludwigshof, aber nicht über den Wilhelminenhof. Anders verhält es sich mit einer Landkarte von 1895, hier ist der Wilhelminenhof und die damalige Bebauung schon recht gut dokumentiert. Erste detaillierte verbindliche Dokumente zum Wilhelminenhof liegen ab 1910 vor. Aus diesen Dokumenten und weiteren zum Teil aber unbestätigten Informationen lassen sich einige Annahmen zur Bebauung des Wilhelminenhofes vor 1906 herleiten. So kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass Teile des Herrenhauses sowie eine etwa 60m lange Scheune, Pferde-, Kuh- und Schweinestall sowie reichlich Nebengelass bereits in der Gründungsphase vom damaligen Besitzer geschaffen wurden. Die Fachwerkbauweise des Herrenhauses, des Kuhstalls und der Scheune bestätigen diese Annahme. Des weiteren berichtet der spätere Besitzer, Karl Zeisberg, im Jahre 1910 in seinen Aufzählungen von den vorstehend erwähnten Stallgebäuden und der Fachwerkscheune. Die Landkarte von Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert noch eine etwas andere, als heute übliche Wegführung zwischen Rathenow und Böhne. Danach verlief der Landweg auf nahezu geradem Wege von Böhne zum Möthlowshof und dann weiter in Richtung Rathenow. Damit befand sich der damalige Verbindungsweg östlicher als die heutige Chaussee. Neben der heute üblichen Zufahrt zum Wilhelminenhof über den Wilhelminenhofer Weg ( KAP-Straße) gab es noch einen weiteren Weg in Richtung Böhne.
Karte vom Wilhelminenhof zum Anfang des 20. Jahrhunderts
Dieser führte vom Wirtschaftshof südwestlich am Fuchsberg vorbei und schloß dann an den Verbindungsweg Rathenow - Böhne an. Bis zu den umfangreichen Meliorationsmaßnahmen zum Ende der 70iger Jahre des 20.Jahrhunderts konnte man einen, durch die südlich vom Wirtschaftshof befindlichen und tiefer gelegen Wiesen, aufgeschütteten Damm in Richtung Böhne noch gut erkennen. Mit dem Bau der Chaussee von Rathenow nach Böhne verloren dieser wie auch der oben beschriebene Weg an Bedeutung. Nach unbestätigten Informationen soll das landwirtschaftliche Anwesen Wilhelminenhof in den Jahren der Gründungsphase in eine finanzielle Schieflage geraten sein. Dabei soll der zum Anwesen gehörende Wald das besondere Interesse von Unternehmerkreisen im Ruhrgebiet gefunden haben. Diese kauften überschuldete landwirtschaftliche Betriebe auf und beuteten den dazugehörenden Wald zur Grubenholzgewinnung erbarmungslos aus. Diese These wird durch die Tatsache gestützt , dass ein zum Wilhelminenhof gehörender Wald in keine der späteren Unterlagen erwähnt wird, Wald aber zu jener Zeit jedoch zu jeder Bauernwirtschaft der Region gehörte.
Die Ära Karl Zeisberg - 1906 bis 1926 1906 kaufte der Berliner Architekt Karl Zeisberg das Wilhelminenhofer Anwesen und baute es in den
Auszug aus einem Originaldokument aus dem Jahre 1906
folgenden Jahren umfassend aus. Karl Zeisberg war um 1906 unter anderem bei der Planung und der Errichtung der Heizungsanlage für das Wohnhaus des Ziegeleibesitzers Eduard Borchmann ( heute Luiesenhof ) tätig. Möglicherweise wurde er auf diesem Wege auf das landwirtschaftliche Anwesen Wilhelminenhof aufmerksam und kaufte dieses dann im Jahre 1906. In den Folgejahren bis 1910 erweiterte er das Herrenhaus um je einen Anbau am Ost- und am Westgiebel. Im Haus waren nach dem Umbau 15 Zimmer, Bad und Innen-WC vorhanden. Weiterhin baute Zeisberg für seine Schwiegermutter neben dem Herrenhaus ein so genanntes Gartenhaus mit 4 Zimmern sowie Bad und Innen-WC. Beide Wohnhäuser wurden mit je einer modernen Zentralheizungs- und Elektroanlage versehen. Weiterhin gehörte fließendes Wasser zum Komfort eines jeden Hauses. Damit dürfte der erreichte Wohnkomfort in beiden Häusern für die damalige Zeit im ländlichen Bereich überdurchschnittlich gut gewesen sein.1910 hatte Zeisberg das Gartenhaus an Friedrich Berger aus Berlin vermietet. Es ist anzunehmen, dass in der Zeit nach 1910 durch Zeisberg auch das Gesinde- und das Verwalterhaus gebaut wurden. (heute Wilhelminenhof 1 und 2 sowie 7) Über Zeisberg wird berichtet, dass dieser oft auf Reisen war und seine dabei gewonnenen Inspirationen in die Gestaltung von Haus und Hof einfließen ließ. So wurden von einigen ab 1945 angesiedelten Flüchtlingen von einem für landwirtschaftliche Anwesen von einer
Die wunderschöne Südansicht des Gartenhauses wurde 1951 durch ein Feuer zerstört
großen und schönen Parkanlage berichtet. Noch heute zeugen Kastanien, Eichen, Fichten und eine Platane von einem bemerkenswerten Baumbestand. Auch sind noch einige Apfelbäume erhalten, die an die Ära Zeisberg auf dem Wilhelminenhof erinnern. Im Jahre 1906 gehörten 280 Morgen landwirtschaftlich Nutzfläche zum Wilhelminenhofer Anwesen. Bis 1910 kaufte Zeisberg noch weitere 100 Morgen dazu. Auf insgesamt 250 Morgen wurden Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Rotklee, Kartoffeln und Futterrüben und ab 1910 auch Kohl, angebaut. Dabei betrug der Hackfruchtanteil etwa 40 Morgen. Die überschüssigen landwirtschaftlichen Produkte verkaufte Zeisberg an die bäuerliche Genossenschaft oder an das Proviantamt in Rathenow. Um 1910 wurde die Milch der etwa 10 Milchkühe von der Molkerei in Rathenow abgeholt und mit 12,5 Pfennig vergütet. Zu dieser Zeit wurden 10 Stck. Jungvieh, 20 Sauen und ein Eber gehalten. Im Schweinestall war ferner Platz für bis zu 60 Mastschweine. Neben Enten, Gänsen und Hühnern gehörten acht Pferde und vier Fohlen zum Tierbestand des Hofes. Vieh- und Inventarauflistungen aus dem Jahr 1927 lassen eine solide Entwicklung des landwirtschaftlichen Anwesens Wilhelminenhof ableiten. Bis 1910 hatte Carl Zeisberg nach seinen Angaben bereits 60 Morgen seines Anwesens drainiert. In diesem Zusammenhang werden dann auch das umfangreiche und großzügige Grabensystem südlich des Wirtschaftshofes entstanden sein. Mit diesem Grabensystem konnten die tiefer gelegenen Ackerflächen und die unmittelbar an den Park angrenzende tiefliegende Wiese entwässert werden. Noch heute lassen sich einige Meter des Grabensystems erkennen.
Originalunterschrift von Karl Zeisberg von 1910
Es ist zu vermuten, dass der Erdaushub vom Grabenbau zum Ausbau von innerbetrieblichen Wegen genutzt wurde. Einen derartigen aufgeschütteten Weg durch die tiefer gelegene Wiese konnte man noch bis Ende der 70iger Jahre gut erkennen. Über diesen waren dann zu jeder Jahreszeit die hinter den Wiesen liegenden Ackerflächen problemlos erreichbar. Weshalb Zeisberg 1926 sein Anwesen an den Landwirt Edmund Wachsmuth verkaufte, ist nicht bekannt. So sind es auch nur Vermutung, dass die Auswirkungen der Inflation in Deutschland zum Verkauf des Anwesens beigetragen haben könnten.
Die kurze Episode von Edmund Wachsmuth - 1926 bis 1927 Über den Besitzer des Wilhelminenhofes von 1926 bis 1927 ist relativ wenig bekannt. Wachsmuth stammte aus Kalbe/ Milde in der Altmark. Er erstand das landwirtschaftliche Anwesen Wilhelminenhof für etwa 186.000 RM von Karl Zeisberg und verkaufte es nach weniger als einem Jahr mit einem satten finanziellen Zuwachs an den Landwirt Hermann Schmidt. Einem detaillierten Inventarverzeichnis verdanken wir heute einen umfassenden Überblick zur Situation des Wilhelminenhofes zum 12. Januar 1927.
Danach ergibt sich folgender Entwicklungsstand des Hofes.
c. Bestellte Ackerflächen: 80 Morgen Weizen und 92 Morgen Roggen
Unterzeichnet von Edmund Wachsmuth und Hermann Schmidt
Im benachbarten Rathenow gab es leistungsstarke Hersteller von Landmaschinen. Deshalb kann man vermuten, dass sich auch deratige Landmaschinen auf dem landwirtschaftlichen Anwesen Wilhelminenhof befunden haben.
Stand vom 30.09.2007
... wird fortgestzt!
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