Vom Erfahren und Vergessen
von Günter Thonke
Ein Mensch erfährt und vergisst vieles. Vom Bösen gilt das Letztere.
Das Gute bewahrt sich leichter im Gedächtnis und wird in den Familiengeschichten tradiert. Im Leben der Völker ist es kaum anders.
In den Mythen und Sagen findet sich das Ganzganz früher erzählt.
In der Geschichte dann das Geschriebene, erst auf Tontafeln, dann auf dem Papyrus, dem Pergament, bis es zum Papier kam.
Nun sind wir bei den digitalen Möglichkeiten gelandet.
Deren Speicherkapazitäten haben enorme Ausmaße angenommen.
Das Wiederfinden geht nicht ohne Suchsysteme.
Doch aller Systeme Halbwertzeiten verringert sich immer schneller.
Der Umfang des Wissensmüll wird bald nicht mehr entsorgbar sein.
Auch dieser interessiert die Mächtigen dieser Welt noch.
Wer sich der Vergangenheit nicht bewusst ist, das Ungute ausklammert und nur in den Tag lebt, der hat als Individuum wie als Volk keine Zukunft und endet als Fußnote in der Weltgeschichte.
In der gibt es die Evangelisten und die Apolyptiker.
Die Evangelisten glauben auch in tiefsten Depressionen immer noch an einen Ausweg, an ein wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.
Die Apokalyptiker sind Pessimisten zum Quadrat.
Sie sind sich jeglicher Endlichkeit bewusst, sind also hoffnungslos, obwohl wissend, dass nichts in dieser Welt verloren gehen kann.
Selbst die schwarzen Löchern werden einen Sinn haben.
Die Materien wandelt sich nur, geht nie verloren.
Bestenfalls bleiben wir das Salz der Erde oder im All.
Die Menschheit soll ja nach dem goldenen Zeitalter schon einige andere hinter sich haben. Das Jetzige soll das eherne sein, aus dem die Einen
noch das Beste machen wollen und die Anderen das Finale kommen sehen. Wenn nicht in eigener Regie, dann eben durch die Weisheit eines Größeren. Einmal blieb ja dem Noah und den Seinen sowie allem Getier und Gewürm die Gnade für einen neuen Anfang.
Hat sich dieser Anfang schon wieder festgefahren oder scheitert er an der Unvernunft der Menschen, dass wieder sortiert werden soll?
Einst bangte die Familie um ihre Brut, regelte ihr Verhalten nach Geboten und Gesetzen. Die Gesetzte wurden zur Flut.
Vor dem Ertrinken wird wegen der Erderwärmung gewarnt.
Hohe Berge könnten da vielleicht eine Rettung sein.
Dem Noah brachte ja die Arche zum Ararat.
Bei einem Ende durch das Feuer, Asche und Dunkelheit wären Rettungschancen schwieriger. Doch einige Bevorzugte der Menschheit fänden einen Ausweg zu einem Neuanfang.
Wahrscheinlich wären es Sünder, die den ersten Stein werfen dürften.
Die können dann ihrer Sippe das Erfahrene von „Früher“ erzählen.
Ob aber zugehört werden würde bezweifele ich, der ich noch den Ohrwurm im Hinterkopf habe vom Mann mit den sieben Söhnen.
Wo Söhne sind werden sich bestimmt bald Schwiegertöchter finden, so die Söhne richtig gepolt sind.
Also: Es war einmal ein Mann.
Der hatte sieben Söhne.
Und die sieben Söhne sprachen:
„Vater“, erzähle uns mal deine Geschichte !
Da fing der Vater an :
Es war einmal ein Mann, der hatte ...
Würden doch die Altvorderen ihre erfahrenen Geschichten immer erzählt und nicht verdrängt haben, sich zum Vergangenen bekennen, das mit dem Unrecht begann, sich mit der Bücherverbrennung bis zu der von Menschen fortsetzte und in einer Katastrophe endete.
Ist nun die Menschheit auf solchem Wege und niemand da, der Einhalt gebietet? Oder kommt doch noch von irgendwo eine Erleuchtung her ?
Fotos und redaktionelle Bearbeitung: Hans- Jürgen Wodtke