Schäferweisheit
von Günter Thonke
Der Kantor achtete den Schäfer sehr. Oft snackten sie in der Feldmark über Gott und die große und die kleine Welt. Was in der großen Welt geschah, erreichte den Schäfer n
ur zeitverzögert. In den Krug kam er nie, kaum einmal ins Dorf und mit der Kirche ging es ihn wie den Müller bei gutem Wind, - keen Tid. Seine Welt waren die Gestirne über sich, Wald und Flur um sich herum, seine Hunde, der Oberst und der Gendarm und vor allem seine Schafherde.
Die Namen hatten die Hunde bewusst bekommen. Oberst schaute und Gendarm musste laufen und springen. Oberst kam nur, wenn die Herde nicht spurte.
„Ja, lieber Kantor, wenn die Schafe wüssten, dass sie mich und die Hunde in Grund und Boden trampeln könnten und dann frei und ungeschoren blieben und keiner ihnen die Richtung wies. Aber dann ständen sie herum und blökten sich an. Es käme ein anderer Schäfer mit schärferen Hunden, der sie in seinen Pferch trieb oder die Wölfe jagten und fräßen sie! Es ist im kleinen wie im großen Leben -
und bei den Menschen fast dasselbe!“
Redaktionell bearbeitet am 07.11.2007 von Robby Schmalz
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