Immer wird zur Kasse gebeten
von Günter Thonke
Im Dorfe lief alles seinen Trott, da der Gemeindediener Otto Döbbelin den neuen Bürgermeister, den er schon als Lausbuben gekannt hatte, schnell im Griff hatte.
Stöltinger wollte die Straßen nach Steckelsdorf und Wudicke pflastern lassen, wo bei Regenwetter kein Durchkommen war.
„Da bleiben wir eben zu Hause, wenn das was kosten soll! Und nicht mit unserm Geld!“
Es hat doch immer gereicht, wenn mit Abbruch die Löcher zugefahren wurden.
Je besser die Strassen, umso mehr Fremde kommen.
Die Steckelsdorfer machen für ihr Ende keinen Finger krumm. Es ist schlimm genug, - dass unsere Grenze seit altersher fast in Wudicke am dortigen Grenzgraben liegt, brummelten die Bremser.
Immer die Alten oder immer die Jungen und immer das Geld.
Der erbenden Jungen Pflichten waren das Altenteil, - die Schulden der Alten und die Geschwister auszuzahlen. Dafür reicht kaum ein Leben. Mancher wäre gern über alle Berge und hätte eine hohe Mauer hinter sich, der beim Heiraten nur an die Liebe gedacht hatte.
„De Lev flücht ut Fenster, dat Jeld blifft“, so wisperten die Alten in ihrer Weisheit, doch ob sie glücklich waren, ehe die Zwänge des Lebens, die Kinder und die Ecken und Kanten der Zeit diese rund schliffen. Das werden sie uns wohl nie bekennen.
Zu vieles wird vergessen und verklärt!
Wer kennt schon die reine Wahrheit?
Etwas schummelt doch jeder!
Redaktionell bearbeitet am 07.11.2007 von Robby Schmalz
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