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Spiegelbild der Stadtentwicklung und Sammelobjekt

von Andreas Raab und Martin Sommerfeld

Die Spur einer ersten mit einer fotografierten Stadtansicht von Rathenow herausgegebenen Ansichtskarte läßt sich bis in das Jahr 1889 zurückverfolgen. In jenem Jahr läßt der Zeitungsverleger der Westhavelländischen Zeitung und Betreiber der Buchdruckerei am Paradeplatz 4 (heute Schleusenplatz), Max Babenzien, eine Ansichtskarte durch seinen Verlag herausbringen.
Diese Karte zeigte als Motiv einen Blick von der Dampfmühle auf das Restaurant Bellevue, das Haveltor, den Kirchturm der Sankt-Marien-Andreas-Kirche und die Lange Brücke. Nur noch ältere Rathenower mögen eine präzise Vorstellung dieses Motivs haben. Es handelt sich aus heutiger Sicht um einen Blick vom Gebäude der ehemaligen "Konsum-Mühlen" am Schwedendamm hinüber zum heutigen Kino "Haveltor" und dem Kirchturm. Das Haveltor, es diente bis zur Reichsgründung 1871 dem Eintreiben der Akzise (Verbrauchssteuer), wurde 1966 abgerissen.
Zu dieser Zeit änderte man die SPostkarte mit Kirchturmtraßenführung an der Langen Brücke. Im Original existiert diese Ansichtskarte wohl nicht mehr. Die ersten Postkarten in Deutschland wurden von der deutschen Postverwaltung 1870 als "Correspondenzkarte" herausgegeben. Seit dem 1. Juli 1872 gestattete es die Reichspost, daß auch Privatleute Postkarten selbst fertigen konnten, wenn sie in Größe und Beschaffenheit (dünner Karton) den postalischen Ausgaben entsprächen.
Zum gleichen Zeitpunkt entfiel der Begriff "Correnspondenzkarte" und wurde durch "Postkarte" ersetzt. Die Portogebühr für Karten, die bislang mit der für Briefe identisch war, wurde halbiert. Im Weltpostverkehr wurde erst mit dem Postkongreß 1885 in Lissabon die Zulassung zum Versenden von Postkarten gegeben. Einige Länder blieben dieser Entscheidung gegenüber ablehnend eingestellt. In Großbritannien wurde die Postkarte erst 1885 und in den USA erst 1898 im Weltpostverkehr befördert.
Im Jahr 1906 versagten sich immer noch 26 Postgebiete der Erde solchen internationalen Freizügigkeitsverkehr. Die Verleger privater Ansichtskarten hatten schon lange darauf gedrängt, daß die Rückseite ihrer Erzeugnisse voll für das Bildmotiv ausgenutzt werden durfte und als Textfeld die linke Seite der Schriftseite freigegeben wird.
Ab 1904 - in Großbritannien schon ab 1902 - ist diese Einteilung dann allgemein verbindlich geworden. In Deutschland wurde diese Erlaubnis 1905 erteilt. Seit 1907 fiel die Bestimmung weg, daß deutsche Privatpostkarten das Wort "Postkarte" tragen mußten. Ein Glücksfall für den Sammler von Rathenower Ansichtskarten ist der Umstand, daß die Stadt seit 1679 ein Garnisonsstandort war. ..."

Die ungekürzte Version dieses Artikels finden Sie im Rathenower Heimatkalender aus dem Jahre 2004.

Redaktionell bearbeitet am 14.11.07 von Robby Schmalz

 


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